Seit Corona-Lockdown zu: Pendler frieren wegen geschlossenen SBB-Wartehäuschen
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Seit Corona-Lockdown zuPendler frieren wegen geschlossenen SBB-Wartehäuschen

Sandro Schmuki kann nicht mehr im Wartehäuschen auf den Zug warten. Nun sei er noch stärker erkältet als vorher, klagt er – und wünscht sich den Zugang zum warmen Platz zurück.

von
Bettina Zanni
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«Es ist jetzt morgens wieder recht kalt und sehr unangenehm, wenn man frierend auf dem Perron stehen muss», klagt der Leser-Reporter.

«Es ist jetzt morgens wieder recht kalt und sehr unangenehm, wenn man frierend auf dem Perron stehen muss», klagt der Leser-Reporter.

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 Als es ihn am Montag erstmals wieder in das warme Plätzchen auf dem Perron vom Bahnhof Pfäffikon SZ zog, stand er jedoch vor geschlossenen Türen.

Als es ihn am Montag erstmals wieder in das warme Plätzchen auf dem Perron vom Bahnhof Pfäffikon SZ zog, stand er jedoch vor geschlossenen Türen.

Leser-Reporter
Die Massnahme verstehe er nicht, sagt Schmuki. «Im Zug, wo man viel enger beieinander sitzt, kann man sich viel leichter mit dem Coronavirus anstecken als in einem Wartehäuschen.»

Die Massnahme verstehe er nicht, sagt Schmuki. «Im Zug, wo man viel enger beieinander sitzt, kann man sich viel leichter mit dem Coronavirus anstecken als in einem Wartehäuschen.»

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Darum gehts

  • Wenn es kalt ist, wartet Maler Sandro Schmuki gerne im Wartehäuschen auf dem Perron in Pfäffikon SZ auf den Zug.
  • Kürzlich fiel ihm auf, dass das Wartehäuschen geschlossen ist.
  • Laut der SBB wurden die Wartehäuschen auf den Perrons infolge der Corona-Krise schweizweit geschlossen.
  • Bald könnten sämtliche Wartesäle aber wieder aufgehen.

Manchmal wartet Sandro Schmuki schon kurz nach fünf Uhr morgens auf den Zug. In den kalten Monaten setzt sich der Maler während der rund zehn Minuten gerne in das Wartehäuschen. Als es ihn am Montag erstmals wieder in das warme Plätzchen auf dem Perron vom Bahnhof Pfäffikon SZ zog, stand er jedoch vor geschlossenen Türen. «Gestützt auf den Massnahmen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bleibt dieser Wartesaal bis auf weiteres geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis», informiert ein Schild an der Glasscheibe des Eingangs.

«Es ist jetzt morgens wieder recht kalt und sehr unangenehm, wenn man frierend auf dem Perron stehen muss», klagt der Leser-Reporter. Erkältet sei er schon länger. «Da ich am Montag und am Dienstag nicht in das Häuschen gehen konnte und fror, hat sich meine Erkältung noch verstärkt.»

Ansteckungsgefahr sei im Zug höher

Die Massnahme verstehe er nicht, sagt Schmuki. «Im Zug, wo man viel enger beieinandersitzt, kann man sich viel leichter mit dem Coronavirus anstecken als in einem Wartehäuschen.» Überfüllt seien diese ohnehin nie. Als inakzeptabel erachte er das geschlossene Häuschen gerade auch für ältere Menschen. «Können sie nicht mehr gut stehen, sind sie froh, wenn sie sich an einem warmen Ort hinsetzen können.»

Auch bei Pendlervertretern sorgen die geschlossenen Wartesäle für Fragezeichen. Die meisten seien mittlerweile relativ gross und gut durchlüftet, sagt Andreas Schlittler, Präsident des Glarner Pendlervereins. Auch könnten Pendler zur Sicherheit vor einer Ansteckung in den Häuschen noch eine Maske tragen. «Daher sehe ich in den Wartehäuschen keine grössere Ansteckungsgefahr als etwa in den Zügen.» Er gehe davon aus, dass einige Pendler den Zugang zu den Wartesälen vermissten.

Schlittler schlägt vor: «Wenn es kalt ist, kann man die Wartezeit bei grösseren Zugverspätungen auch gut bei einem Kaffee im Kiosk oder Bahnhofbuffet überbrücken.» Generell empfehle er, «just in time» auf den Zug zu gehen. Die immer besser aufeinander abgestimmten ÖV-Verbindungen böten dafür gute Voraussetzungen.

Öffnung ab Mitte Oktober

Doch für «Gfrörlis» gibt es Hoffnung. Laut Martin Meier, Mediensprecher der SBB, wurden die Wartehäuschen auf den Perrons infolge der Corona-Krise schweizweit geschlossen. «Sie werden voraussichtlich Mitte Oktober, im Hinblick auf die kalte Jahreszeit, wieder öffnen.» Personen, die sich darin aufhielten, müssten eine Hygienemaske tragen.

Bereits seit dem 8. Juni wieder geöffnet seien die Wartesäle in den Bahnhöfen, sagt Meier. «Diejenigen auf den Perrons blieben geschlossen, weil aufgrund der Grösse die Abstandsregeln nicht gewährleistet werden konnten.»

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