Aktualisiert 06.11.2015 10:08

Zeitraubende Arbeitswege

Pendler haben weniger Kinder

Ein langer Arbeitsweg beeinflusst das Privatleben: Er kann Beziehungen zerstören und die Familienplanung blockieren.

von
Santina Russo
Wer lange Strecken zur Arbeit fährt, ist oft gestresst. Darunter leidet das Privatleben.

Wer lange Strecken zur Arbeit fährt, ist oft gestresst. Darunter leidet das Privatleben.

Immer mehr Menschen nehmen lange Arbeitswege in Kauf. So musste mittlerweile die Hälfte der Berufstätigen in Europa schon länger als zwei Stunden pendeln oder wegen der Arbeit mehr als 60 Nächte pro Jahr auswärts übernachten.

Wie es den Langstrecken-Pendlern dabei geht, haben Sozialwissenschaftler der ETH Lausanne untersucht. Sie befragten im Jahr 2007 rund 7000 Berufstätige in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und Spanien. Vier Jahre später wiederholten sie die Befragung mit über 1700 Studienteilnehmern. Zudem führten die Forschenden mit ausgewählten Befragten vertiefte Interviews durch.

Vor allem Pendlerinnen zahlen einen hohen Preis

Das Ergebnis: Langstrecken-Pendler sind nicht nur müder und gestresster als Mitarbeitende mit kürzeren Arbeitswegen. «Der Stress wirkt sich auch auf ihr Privatleben aus», sagt Emmanuel Ravalet, Leiter der Studie. So zerbrechen Paarbeziehungen und Ehen, bei denen einer der Partner lange zur Arbeit fährt, öfter als andere Beziehungen.

Und: Frauen, die über zwei Stunden pro Tag pendeln, sind doppelt so häufig kinderlos wie solche mit kurzen Arbeitswegen. «Dies nicht ganz freiwillig», sagt Ravalet. Zum zeitraubenden Pendeln seien viele gezwungen, um nicht ohne Job dazustehen. «In einer solch aufreibenden Lebenssituation erscheint es Paaren unmöglich, ein Kind zu haben.»

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.