SBB-Zugbegleiterin: Pendler sagt «Grüezi» und wird prompt belohnt
Aktualisiert

SBB-ZugbegleiterinPendler sagt «Grüezi» und wird prompt belohnt

Eine Zugbegleiterin schenkte einem Pendler einen Gutschein, weil er sie gegrüsst hatte. Auch andere Zugbegleiter wünschen sich mehr Höflichkeit.

von
B. Zanni
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Pendler A.S. kam auf seiner Zugfahrt unverhofft zu einem Gutschein. Er habe von der SBB soeben einen Gutschein erhalten, weil er freundlich gegrüsst habe, schrieb er kürzlich in einer Instagram-Story. Trocken fügte er an: «kein Witz».

Pendler A.S. kam auf seiner Zugfahrt unverhofft zu einem Gutschein. Er habe von der SBB soeben einen Gutschein erhalten, weil er freundlich gegrüsst habe, schrieb er kürzlich in einer Instagram-Story. Trocken fügte er an: «kein Witz».

Privat
Reto Schärli, SBB-Mediensprecher, sagt: «Selbstverständlich darf das Zugpersonal Reisende positiv überraschen. Man freut sich immer über jedes nette Wort von Kundinnen und Kunden, auch wenn natürlich nicht jeder Gruss mit einem Kaffeegutschein belohnt wird.»

Reto Schärli, SBB-Mediensprecher, sagt: «Selbstverständlich darf das Zugpersonal Reisende positiv überraschen. Man freut sich immer über jedes nette Wort von Kundinnen und Kunden, auch wenn natürlich nicht jeder Gruss mit einem Kaffeegutschein belohnt wird.»

Keystone/Christian Beutler
Zugbegleiter treffen bei ihrer Arbeit jedoch immer wieder auf Passagiere, die nicht grüssen.

Zugbegleiter treffen bei ihrer Arbeit jedoch immer wieder auf Passagiere, die nicht grüssen.

Keystone/Gaetan Bally

Im ersten Moment dachten die Freunde von A. S.*, er wolle sie auf den Arm nehmen. Die Info in seiner Instagram-Story klang wie ein schlechter Scherz: Er habe von der SBB soeben einen Gutschein erhalten, weil er freundlich gegrüsst habe, schrieb er kürzlich. Trocken fügte er aber an: «kein Witz». Stolz präsentierte er dabei einen Gutschein von 6 Franken, ausgestellt vom SBB-Kundendienst.

Noch müde von seinem Rückflug aus Abu Dhabi sei er am 20. Januar morgens im Interregio von Kloten nach Wil SG gesessen, sagt der 28-Jährige. «Irgendwann kam die Kondukteurin und sagte ‹guten Morgen›. Ich grüsste recht enthusiastisch zurück und zeigte ihr mein Billett», so S.

Danach hätten sie noch zwei Worte gewechselt. «Als ich mich wieder meinem Handy zuwandte, sagt S., druckte sie etwas aus, drückte es mir in die Hand und meinte, ich solle mir damit einen Kaffee im Speisewagen gönnen. Ich sei der Einzige gewesen, der sie heute gegrüsst habe.» Er habe sich über den Bon gefreut und sich bei ihr bedankt.

«Alle Kunden sollten grüssen»

SBB-Mediensprecher Reto Schärli sagt, es sei schön, dass sich der Reisende über die nette Geste der Kundenbegleiterin gefreut und dies in den sozialen Medien geteilt habe. Auf die Frage, ob es üblich sei, freundliche Passagiere mit Gutscheinen zu belohnen, sagt er: «Selbstverständlich darf das Zugpersonal Reisende positiv überraschen. Man freut sich immer über jedes nette Wort von Kundinnen und Kunden, auch wenn natürlich nicht jeder Gruss mit einem Kaffeegutschein belohnt wird.»

Zugbegleiter treffen bei ihrer Arbeit jedoch immer wieder auf Passagiere, die nicht grüssen. Er könne die Kollegin verstehen, die den Bon ausgestellt habe, sagt Jordi D'Alessandro, Zugbegleiter und Vizepräsident des Zugpersonals bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. «Auch ich wünschte mir, dass uns alle Kunden morgens grüssen.» Es sei bedauerlich, wenn einen Personen nicht grüssten, auf die man mit einem Lächeln und der Motivation, das Beste zu bieten, zugehe.

Oft seien die Passagiere auf ihr Smartphone konzentriert oder hätten Kopfhörer in den Ohren. «Dadurch sind sie manchmal weniger höflich», so D'Alessandro. Unhöfliche Passagiere wolle er aber nicht verurteilen. «Ich weiss ja nicht, was sie gerade beschäftigt.» Zudem sei die Mehrheit der Kunden höflich. «Deshalb mache ich auch diesen Job.»

«Selbstverständliches wird schon belohnt»

Babette Sigg Frank, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, lobt das Verhalten der Zugbegleiterin, die dem Pendler fürs Grüssen einen Gutschein ausstellte. «Es ist fantastisch, dass das Zugpersonal auch reagiert, wenn ihm etwas Aussergewöhnliches auffällt.» Gleichzeitig sei es aber sehr bedenklich, dass es im ganzen Zug offenbar nur einen einzigen Passagier gegeben habe, der die Zugbegleiterin gegrüsst habe. «Nun sind wir offensichtlich so weit, dass etwas so Selbstverständliches wie Höflichkeit belohnt wird.»

Laut Sigg hat die Kundenfreundlichkeit aber tatsächlich eher abgenommen. «Ob im Zug oder im Laden – Kunden grüssen das Personal kaum mehr zurück.» Betrete sie einen Laden, gehe sie hingegen immer gleich selbst in die Offensive. «Ich sage dann ‹Grüezi mitenand› – und werde von den anderen Kunden schräg angeschaut.»

*Name der Redaktion bekannt.

Gutscheine für Info und Ehrlichkeit

Auch andere Pendler kamen im Zug schon unverhofft zu einem Gutschein. «Im Dezember gab mir ein Zugbegleiter im Intercity zwischen Basel und Zürich als Dank für meine Ehrlichkeit einen Gutschein fürs Bistro», sagt T. K.* Er habe den Zugbegleiter zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass er ihm nach dem Lösen eines Klassenwechsels statt 7 über 30 Franken Rückgeld gegeben habe.

Auch eine Szene in der 2017 ausgestrahlten SRF-«Dok»-Serie «Wir Pendler» illustriert das ignorante Verhalten von Pendlern:

Zugbegleiterin grüsst Gäste

Die SBB-Mitarbeiterin erklärt, was sie an ihrem Job liebt.
(Video: SRF)

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