Von Handys genervt: Pendler setzen illegale Störsender ein
Aktualisiert

Von Handys genervtPendler setzen illegale Störsender ein

Einige Zugfahrer ärgern sich derart über ihre telefonierenden Mitmenschen, dass sie zu illegalen Mitteln greifen: Mit speziellen Störsendern im Sack setzen sie das Netz ausser Gefecht.

von
Daniel Waldmeier
Manche fühlen sich von telefonierenden Zugpassagieren terrorisiert – und greifen zum Phone Jammer. (Key)

Manche fühlen sich von telefonierenden Zugpassagieren terrorisiert – und greifen zum Phone Jammer. (Key)

Ständiges Geklingel und Leute, die am Handy lauthals ihr halbes Leben ausbreiten: M.C.* empfand ihre morgendliche Zugfahrt nach Zürich als Tortur. Einen Ausweg fand die Dame im Internet. Sie bestellte sich in einem Online-Shop für umgerechnet rund 150 Franken einen Störsender. Der Cell Phone Jammer sendet ein starkes Signal aus – und blockiert das Handynetz im Umkreis von zehn Metern. «Es ist genial. Seit ich das Gerät in der Handtasche habe, kann ich in Ruhe mein Buch lesen», freut sich M.C. Sie ist nicht die Einzige, die Pendler mit scheinbar unerklärlichen Netzausfällen terrorisiert: Als die SBB die Ruhewagen abschafften, wurde im Internet gar zum Kauf der Handykiller aufgerufen. Diese seien immer noch billiger als ein 1.-Klasse-GA.

Beim Bundesamt für Kommunikation kennt man das Problem: «Es gibt regelmässig solche Fälle», so Sprecherin Deborah Murith. Die ursprünglich für die Spionageabwehr entwickelten Geräte sind jedoch streng verboten: «Das Mitführen der Störsender kann mit Haft und einer Busse von bis zu 100 000 Franken bestraft werden», warnt Murith. Alarmiert sind auch die SBB. Die Handygegner lassen sich aber nur schwer überführen: «Ob ein Gespräch wegen solcher Störsender oder mangels Zellkapazitäten unterbrochen wurde, lässt sich nicht eruieren», so Sprecher Reto Kormann.

*Name der Redaktion bekannt

Nicht ohne Bewilligung

Die Phone Jammer wurden ursprünglich in der ­Spionageabwehr verwendet, um Kommunikationswege zu stören. Sie können auch Leben von Agenten und Soldaten retten: Handybomben können nicht per Anruf gezündet werden, wenn das Netz lahmgelegt wird. In der Schweiz gibt es denn auch für Polizei, Strafverfolgungsbehörden und Gefängnisse Sonderbewilligungen für den Einsatz der Störsender. Der Verkauf ist nur an diese Stellen erlaubt und muss dokumentiert werden.

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