Handyticket lud nicht - Pendlerin fühlte sich «wie Schwerverbrecherin» bei Kontrolle
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Handyticket lud nichtPendlerin fühlte sich «wie Schwerverbrecherin» bei Kontrolle

Mitten im Feierabendverkehr lud das Busbillett von F.E. (22) nicht – die Kontrolleure hätten kein Verständnis gezeigt, sondern sie zu fünft blossgestellt.

von
Gabriela Graber
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«Ich wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt und vor allen Leuten blossgestellt», so F.E. über das Erlebnis mit der VBZ.

«Ich wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt und vor allen Leuten blossgestellt», so F.E. über das Erlebnis mit der VBZ.

Privat
Weil ihr Ticket nicht lud, kassierte die junge Frau eine Busse.

Weil ihr Ticket nicht lud, kassierte die junge Frau eine Busse.

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Nicht die Busse störe sie, sondern wie sie behandelt worden sei, sagt E.

Nicht die Busse störe sie, sondern wie sie behandelt worden sei, sagt E.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Auf dem Heimweg von der Arbeit musste F.E. (22) ihr Busbillett zeigen. Doch: Das Ticket konnte auf ihrem Handy nicht geladen werden.

  • Daraufhin seien die Kontrolleure laut geworden. Für eine Erklärung habe sich keiner von ihnen interessiert.

  • Der Grund, weshalb jemand ein Ticket nicht vorweisen könne, sei «unerheblich», teilt VBZ mit.

Auf dem Weg von ihrer Arbeit nach Hause geriet F.E. (22) am vergangenen Freitag kurz nach dem Einstieg in den Bus beim Bahnhof Altstetten in eine Ticketkontrolle der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Ihre Mutter hatte ihr vorher ein Ticket im Wert von 2.30 Franken per E-Mail zugesandt – doch der Anhang liess sich genau in diesem Moment nicht öffnen.

Von den Kontrolleuren im Bus sei sie deshalb grob angegangen worden: Sie hätten ihr Schwindel und Schwarzfahren vorgeworfen, seien laut geworden und hätten sie in eine Ecke gedrängt. «Ich wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt und vor allen Leuten blossgestellt», so F.E. In ihrer Not rief die junge Frau ihre Mutter an, die den fünf Kontrolleuren die Situation erklären wollte – doch diese hätten abgelehnt. Auch der Vorschlag der Zürcherin, die E-Mail mit dem Ticket an jemanden von ihnen weiterzuleiten, sei vom VBZ-Personal ausgeschlagen worden.

Als sie bei ihrer Haltestelle ankam, sei F.E. erst nicht aus dem Fahrzeug gelassen worden. Nach einer kurzen Diskussion seien die fünf VBZ-Angestellten mit ihr ausgestiegen und hätten sie umzingelt. «Ich fühlte mich eingeengt und hatte Angst», so F.E. Sie erhielt daraufhin eine Busse in der Höhe von 100 Franken.

Grund für Ticket-Fehlen ist «unerheblich»

Nicht die Busse störe sie, sondern wie sie behandelt worden sei, sagt E.. «Ich hoffe sehr, dass nicht alle Ihre Mitarbeitenden so mit den Passagieren umgehen», schreibt F.E. in einem Mail an die VBZ. Das gültige Ticket schickte sie dem Verkehrsunternehmen gleich am Freitagabend – und schilderte zugleich schriftlich ihr Erlebnis im Bus. Eine Antwort der Verkehrsbetriebe hat sie bislang nicht erhalten.

Grundsätzlich gelte, dass Fahrgäste anlässlich von Kontrollen einen gültigen Fahrausweis vorweisen müssten, schreibt Daniela Tobler, Mediensprecherin der VBZ. Es sei Aufgabe des Fahrgastes, vor Antritt einer Fahrt zu prüfen, ob man das gültige Billett vorweisen könne – ansonsten werde ein Taxzuschlag erhoben. Der Grund dafür sei «unerheblich», schreibt Tobler. «Unter besonderen Umständen» könne ein gültiges Billett nachträglich vorgewiesen werden und es werde nur eine Bearbeitungsgebühr in Rechnung gestellt.

Die SBB beschreibt ihr Vorgehen im Falle eines technischen Problems: Die Kundenbegleiterin oder der Kundenbegleiter löse eine Überprüfung des Billett aus, schreibt Jeannine Egi, Mediensprecherin der SBB. Wenn ein Ticket vorhanden sei, werde nachträglich eine Bearbeitungsgebühr von 30 Franken in Rechnung gestellt. Falls nicht, werde der Fahrpreis und ein Zuschlag von 90 Franken verrechnet.

Der Einzelfall werde nicht kommentiert, schreibt VBZ-Mediensprecherin Tobler. «Der vorliegende Fall unterscheidet sich jedoch nicht von zahlreichen anderen» und sei auch wie vergleichbare Vorfälle behandelt worden. «Dass es unangenehm ist, bei einer Kontrolle kein gültiges Billett vorweisen zu können, steht ausser Frage.»

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