Making of a Megastar: Penis, Pussy, Popkultur
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Making of a MegastarPenis, Pussy, Popkultur

Lady Gaga provoziert mit schöner Regelmässigkeit die Medien und wurde in weniger als einem Jahr zu einem der grössten Popstars des Planeten. Wie hat sie das geschafft?

von
Thom Nagy

Bei einem flüchtigen Blick auf die Welt des Mainstream-Pop fühlt es sich an, als ob Lady Gaga schon seit Ewigkeiten einen Grossteil des Rampenlichts für sich in Anspruch nimmt. Dabei geht schnell vergessen, dass ihr Debüt-Album «The Fame» erst Ende Oktober 2008 veröffentlicht wurde. Damit hat Stefani Joanne Angelina Germanotta, wie sie mit bürgerlichem Namen heisst, in knapp neun Monaten fertig gebracht, was die meisten Musiker ein Leben lang nicht schaffen.

Übersexuelle Aussagen, unantastbare Sexualität

Ob ein flotter Vierer mit den Jonas Brothers, das Signieren eines Fan-Penises oder ihre jüngste Aussage, selbst einen solchen zwischen den Beinen zu haben: Lady Gaga ist mit ihren haarsträubenden, aber unterhaltsamen und öffentlichkeitswirksamen Aussagen seit ungefähr einem Jahr Dauergast in den Klatschspalten und hat sich so in das popkulturelle Massenbewusstsein eingebrannt, wie kein anderer Newcomer der letzten Jahre. Ihre futuristischen Latex-Outfits, mit denen sie den Fotoredaktoren immer wieder aufs Neue Freudentränen in die Augen treibt, liefern stets einprägsames Bildmaterial dazu. Dabei kultiviert sie ganz bewusst die Aura eines Aliens, dessen offensive Sexualität seltsam unantastbar erscheint.

Perfektes Spiel auf der Klaviatur der Popkultur

Wenn man sich die Karriere der 23-Jährigen anschaut, wird man das Gefühl nicht los, es sei von Anfang an alles nach Plan verlaufen. «Meine grösste Stärke ist meine popkulturelle Performance-Kunst», sagt die an renommierten Kunsthochschulen ausgebildete Performerin, die gerne mal einen Dichter wie Rainer-Maria Rilke oder Pop-Art-Gott Andy Warhol zitiert. «Ich verändere die Welt auf viel mehr Ebenen als nur Musik. Fashion, Lifestyle, Vision und Performance sind alles Teil meiner Kunst», sagte sie in einem Interview Mitte 2008, als sie zu ihrem Triumphzug durch die Charts aufbrach. Und gegenüber 20 Minuten Online meinte sie: «Es ist unser erklärtes Ziel, Untergrund-Künstler an die vorderste Front kommerzieller Popkultur zu bringen.» Der sagenhafte Erfolg, den sie seither geniesst beweist eindrücklich, wie perfekt Lady Gaga das Spiel auf der Klaviatur der heutigen Popkultur beherrscht.

Selbstbewusst: Lady Gaga weiss ganz genau, was sie tut.

Kunstfigur und Künstlerin

Dabei gelingt ihr der unglaubliche Spagat, Kunstfigur und authentische Künstlerin gleichsam glaubwürdig zu verkörpern: Während es von ihr bis auf wenige Ausnahmen nur Bilder in Gaga-Montur gibt, wird sie nicht müde zu betonen, dass sie allein für die Vision hinter der Figur verantwortlich ist. Ebenfalls hinlänglich bekannt ist, dass ihre Musik aus der eigenen Feder stammt. Schliesslich verdiente sie sich die Brötchen vor ihrer Inkarnation als erster grosser Popstar des neuen Jahrtausends als Songschreiberin für die Pussycat Dolls, Britney Spears oder Akon - und lernte damit von den Besten des Fachs.

Während bei oben genannten Popstars aber eine ganz klare Arbeitstrennung zwischen Musiker und Businessabteilung mit Produzenten und Marketing-Fachleuten herrscht, vereint Lady Gaga diese beiden Funktionen in ihrer Person und und multipliziert so den Pop-Appeal einer Britney mit demjenigen einer «authentischen» Musikerin wie Alicia Keys. Damit entspricht sie dem Bild der selbstbewussten, jungen Frau, die ihr Schicksal in den eigenen Händen hält. Und surft so perfekt auf dem Zeitgeist.

Der perfekte Popstar

Mit ihrer visuellen und inhaltlichen Fantasie, ihrem absoluten Willen zum Ruhm und der daraus resultierenden Omnipräsenz sorgt Lady Gaga immer wieder für Kontroversen - und damit auch für beste Unterhaltung. Genau so hat es vor Jahrzehnten Madonna gemacht, die seither aus dem Pop-Olymp nicht mehr wegzudenken ist. Was will man mehr von einem perfekten Popstar?

Eine noch unbekannte Lady Gaga beschreibt in einem Interview vom Mai 2008, wie ihre Vision aussieht. Quelle: YouTube

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«Es ist unser erklärtes Ziel, Untergrund-Künstler an die vorderste Front kommerzieller Popkultur zu bringen»: Lady Gaga im gespräch mit 20 Minuten Online

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