Daten aus Grossbritannien: Penisschwellung und Analschmerzen – diese Affenpocken-Symptome sind neu

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Daten aus GrossbritannienPenisschwellung und Analschmerzen – diese Affenpocken-Symptome sind neu

Der aktuelle Affenpocken-Ausbruch unterscheidet sich von früheren. Auch, was die Symptome angeht.

von
Fee Anabelle Riebeling

So erlebte Tiktok-User @thatgaydoctor seine Affenpocken-Infektion, die er mittlerweile überstanden hat, wie er auf seinem Account erzählt. 

20min/Tiktok/thatgaydoctor

Darum gehts

  • Der aktuelle Affenpocken-Ausbruch dauert an. 

  • Nun haben Forschende analysiert, welche Symptome auftreten. 

  • Dabei haben sie mehrere Unterschiede zu früheren Ausbrüchen entdeckt. 

Der derzeitige Affenpocken-Ausbruch ist mit aktuell mehr als 21’000 gemeldeten Fällen in 78 Ländern (Stand: 28. Juli 2022) nicht nur der grösste (siehe Box), sondern auch der aussergewöhnlichste. Denn bislang gingen Fachleute davon aus, dass die Ansteckungsketten relativ schnell abbrechen. «Die längste beschriebene Kette umfasste sieben Übertragungen», sagte Esther Künzli, Stellvertretende Chefärztin vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut, noch im Mai zu 20 Minuten. Damals gab es gerade einmal «108 (Verdachts)Fälle in zehn Ländern ausserhalb Afrikas», wie der Berliner Immunologe Leif Erik Sander auf Twitter festhielt. Heute ist der Kenntnisstand ein anderer und die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Affenpocken-Ausbruch zur internationalen Notlage erklärt.

Doch das ist nicht der einzige Unterschied zu früheren Ausbrüchen. Es gibt auch neue Symptome: geschwollene Mandeln, Penisschwellungen und rektale Schmerzen. Das zeigt eine im Fachjournal «The BMJ» veröffentlichte Analyse, die auf 197 bestätigten Affenpocken-Fällen basiert, die zwischen Mai und Juli 2022 in einem Londoner Zentrum für Infektionskrankheiten vorstellig wurden.

Geschwollene Mandeln wurden bei neun Betroffenen beobachtet, Penisschwellungen bei 71 Patienten und rektale Schmerzen bei 31 Personen.

Frühere Ausbrüche

Affenpocken sind eine seltene Erkrankung, die in Teilen Afrikas endemisch ist, also fortwährend gehäuft vorkommt. Doch auch ausserhalb des Kontinents kam es in der Vergangenheit zu Fällen: In den Jahren 2018, 2019 und 2021 wurden einzelne Infektionen in Grossbritannien beobachtet – stets verbunden mit Reisen in Gebiete, in denen die Erkrankung endemisch ist oder mit Kontakt zu Reiserückkehrenden oder kontaminierten Materialien. Im Jahr 2003 gab es einen grösseren Ausbruch mit 70 bestätigten Fällen in den USA, verursacht durch importierte Präriehunde aus Ghana.

Auch Reihenfolge anders

Wie die Medizinerinnen und Mediziner schreiben, wiesen alle 197 Patienten (siehe Box) die für Affenpocken typischen Gewebeschädigungen auf, vor allem im Bereich der Genitalien und des Dammes, der bei Männern zwischen Hodensack und Anus liegt.

Viele der Betroffenen entwickelten diese Läsionen, bevor sie sogenannte systemische, also den ganzen Organismus betreffende, Symptome wie Fieber (62 Prozent), geschwollene Lymphknoten (58 Prozent) sowie Muskelschmerzen und -kater (32 Prozent) bei sich feststellten. Bei früheren Ausbrüchen traten diese Krankheitszeichen in der Regel vor den Gewebeschädigungen in Erscheinung. 14 Prozent der in der Studie erfassten Teilnehmer wiesen zwar Läsionen, aber keine systemischen Symptome auf.

Das ist über die Betroffenen bekannt

Bei allen 197 Studienteilnehmern handelte es sich um Männer (Durchschnittsalter 38 Jahre), von denen sich laut Angaben der Forschenden 196 als schwul, bisexuell oder andere Männer identifizierten, die Sex mit Männern haben. 36 Prozent wiesen zusätzlich eine HIV-Infektion auf. 32 Prozent hatten eine sexuell übertragbare Infektion. Zehn Prozent der Teilnehmer wurden zur Behandlung der Symptome hospitalisiert, am häufigsten wegen rektaler Schmerzen und Penisschwellungen.

Aufgrund der neuen Erkenntnisse empfehlen die Autorinnen und Autoren der Studie, künftig bei Personen, die mit Penisschwellungen oder Analschmerzen vorstellig werden, die Affenpocken als mögliche Diagnose in Betracht zu ziehen. Gleiches gelte bei Personen mit geschwollenen Mandeln – vor allem in Kombination mit Hautläsionen.

Auch wenn in die Studie nur die Daten einer kleinen Anzahl Betroffener eingeflossen und weitere Untersuchungen nötig seien, hoffen die Forschenden, zu einem besseren Umgang mit dem anhaltenden Ausbruch der Affenpocken beizutragen: «Das Verständnis dieser Ergebnisse wird wichtige Auswirkungen auf die Ermittlung von Kontakten, die Beratung der öffentlichen Gesundheit und die laufenden Massnahmen zur Infektionskontrolle und Isolierung haben.»

Situation in der Schweiz

In der Schweiz sind Affenpocken seit dem 20. Juli 2022 meldepflichtig. Betroffenen wird empfohlen, sich zu isolieren. Eine Pflicht besteht nicht. Bis zum 28. Juli wurden hierzulande 264 Fälle registriert. «Eine Ausdehnung des Ausbruchs auf weitere Bevölkerungsgruppen können wir nicht ausschliessen», schreibt das Bundesamt für Gesundheit BAG. Man sehe aber keinen unmittelbaren Bedarf, die derzeitige Strategie zur Bekämpfung des Virus anzupassen. 

Sollten sich doch vermehrt Menschen in der Schweiz mit den Affenpocken infizieren, liegt die Verantwortung in erster Linie wieder bei den Kantonen: «Die Kantone melden die Fälle kontinuierlich und treffen nötigenfalls weitergehende Massnahmen», schreibt das BAG gegenüber 20 Minuten

Kennst du jemanden, der sich mit Affenpocken infiziert hat?

Penisschwellungen und rektale Schmerzen wurden in der Analyse als zwei neue Symptome identifiziert. 

Penisschwellungen und rektale Schmerzen wurden in der Analyse als zwei neue Symptome identifiziert. 

Getty Images/iStockphoto

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