Aktualisiert 29.04.2008 16:12

Pensionskassen geraten in den Strudel der Kreditkrise

Die US-Hypothekenkrise bringt die Schweizer Pensionskassen in Bedrängnis. Damit ist die Diskussion um eine Senkung des Mindestzinsssatzes neu entflammt.

Das Ergebnis des Pensionskassen Index der Credit Suisse sorgt bei den Versicherten für Unbehagen: In den ersten drei Monaten des Jahres 2008 ist das verwaltete Vermögen der Schweizer Pensionskassen um 35 Milliarden Franken auf 595 Milliarden Franken zusammengeschmolzen. Dies ist das schlechteste Resultat seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000. Verantwortlich für die Milliardenverluste ist der Renditezwang, dem die Pensionskassen unterliegen. Der Bund schreibt den Pensionskassenverwaltern nämlich vor, zum Wohle der Versicherten eine Mindestrendite von 2,75 Prozent zu erwirtschaften. Addiert man die Rentenauszahlungen hinzu, ist gar eine Rendite von mindestens 3,25 Prozent von Nöten. Darin ist die Reservenbildung der Pensionskassen nicht eingerechnet. Damit das Renditeziel erreicht werden kann, wird ein Teil der Gelder seit Jahren an der Börse investiert. Bei gutem Börsenverlauf war dies kein Problem. Doch durch die Auswirkungen der US-Immobilienkrise entwickelte sich die Anlagestrategie zum Boomerang: Von Januar bis März 2008 erzielten die Kassen laut der CS-Studie eine Minusrendite von 5,6 Prozent. «Die Folge davon ist, dass die Kassen die fehlende Differenz selbst berappen müssen», erklärt Patrik Frieden, Leiter Global Custody der Credit Suisse.

Trotz der Misere hält der Bund vorerst am aktuellen Mindestzinssatz fest. Swiss Life – mit einem Marktanteil von rund 34 Prozent grösster Pensionskassenverwalter – würde hingegen eine Senkung des Zinssatzes begrüssen: «Der aktuelle Zinssatz ist zu hoch. Man muss ihn mit risikoarmen Anlagen erreichen können», erklärt Frank Keidel, Pressesprecher von Swiss Life. Keidel ist zudem überzeugt, dass die Versicherten von einer allfälligen Zinssenkung profitieren würden: «Ein niedriger Mindestzins ermöglicht Mehrerträge. Davon profitieren die Versicherten». Keidel begründet dies damit, dass die Kassen dann weniger Risiken eingehen müssten.

Diese Argumentation stösst Nico Lutz – Pressesprecher der Gewerkschaft Unia – sauer auf: «In den letzten Jahren haben die Versicherungen Milliardengewinne erzielt und belohnten damit nur die Aktionäre. In schlechten Zeiten dagegen sollen nun die Versicherten für die Börsenbaisse büssen». Betrachtet man die Gewinnzahlen der Swiss Life, wird der Ärger der Unia nachvollziehbar: Swiss Life erwirtschaftete 2007 einen Reingewinn von 1,368 Milliarden Franken. Im Vergleich zu 2006 ist dies ein sattes Plus von 43,4 Prozent. Zudem bestätigen Experten, dass die Pensionskassen während den guten Börsenjahren von 2003 bis 2006 ihre Reserven aufstocken konnten. Der Deckungsgrad der Schweizerischen Pensionskassen liegt aktuell zwischen 105 und 110 Prozent.(scc/Vasilije Mustur)

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