Weltraumschrott - Pentagon besorgt wegen Absturz der chinesischen Rakete
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WeltraumschrottPentagon besorgt wegen Absturz der chinesischen Rakete

Das US-Verteidigungsministerium kann nicht ausschliessen, dass die Rakete auf bewohntes Gebiet fällt. China sieht das anders. Es bestehe keine Gefahr, erklären Staatsmedien.

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Teile einer chinesischen Rakete könnten unkontrolliert auf die Erde stürzen.

Teile einer chinesischen Rakete könnten unkontrolliert auf die Erde stürzen.

AFP
Das sogenannte Core Stage der Rakete treibt offenbar unkontrolliert im Orbit.

Das sogenannte Core Stage der Rakete treibt offenbar unkontrolliert im Orbit.

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In China wurde der erfolgreiche Launch mit einer grossen Zeremonie gefeiert.

In China wurde der erfolgreiche Launch mit einer grossen Zeremonie gefeiert.

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Darum gehts

  • Teile einer chinesischen Rakete treiben offenbar unkontrolliert durch den Orbit.

  • Das Pentagon verfolgt die unkontrollierte Rückkehr der Trümmer mit Sorge. Eine exakte Absturzstelle zu berechnen, sei derzeit unmöglich.

  • China erklärt, man müsse sich keine Sorgen machen.

Das US-Verteidigungsministerium verfolgt mit Sorge die offenbar unkontrollierte Rückkehr einer chinesischen Weltraum-Rakete vom Typ Langer Marsch zur Erde. Die Rakete sinke derzeit «fast intakt nach unten» und werde voraussichtlich ungefähr am Samstag wieder in die Atmosphäre eintreten, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Mittwoch. Eine exakte Absturzstelle zu berechnen sei wegen des unkontrollierten Absinkens derzeit fast unmöglich.

Die Rakete hatte am vergangenen Donnerstag das erste Modul einer neuen chinesischen Raumstation ins All gebracht. Nach der Trennung von dem Bauteil begann sie, die Erde in einer unregelmässigen Flugbahn zu umkreisen und verliert seitdem langsam an Höhe.

Zu früh, um etwas zu unternehmen

Weil etwa 70 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, ist eine Landung im Meer am wahrscheinlichsten. Ein Absturz auf bewohntes Gebiet oder ein Schiff sei jedoch nicht ausgeschlossen. Bis jetzt sei es aber laut Kirby zu früh, etwas zu unternehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die chinesische Raumfahrtbehörde die Kontrolle über ein Raumschiff verliert. 2018 zerbrach das Weltraumlabor Tiangong-1 bei seinem Wiedereintritt in die Atmosphäre. China bestritt jedoch, die Kontrolle verloren zu haben.

Der Bau einer eigenen Raumstation ist zentraler Bestandteil von Chinas ehrgeizigem Weltraumprogramm. Der Betrieb soll im kommenden Jahr aufgenommen werden.

China weist Sorgen zurück

Chinas Staatsmedien haben Warnungen vor herabfallenden Trümmerteilen einer für den Bau der chinesischen Raumstation benutzten Trägerrakete zurückgewiesen. Die Bruchstücke dürften «sehr wahrscheinlich in internationale Gewässer fallen, und die Leute müssen sich keine Sorgen machen», schrieb die häufig als englischsprachiges Propagandaorgan dienende Zeitung «Global Times» am Donnerstag unter Hinweis auf Raumfahrtexperten.

Dass Reste von Raketen zur Erde zurückfielen, sei «in der Luft- und Raumfahrt üblich», schrieb die «Global Times». Das Blatt sah hinter den Warnungen «nichts anderes als westlichen Rummel um eine «Bedrohung durch China» in der Raumfahrt. Der Experte Wang Ya’nan, Chefredakteur eines Luft- und Raumfahrtmagazins, wurde zitiert, dass Chinas Raumfahrtbehörden die Entwicklung herabfallender Trümmer vom Design der Rakete und der Wahl des Startplatzes bis hin zur Flugbahn und -höhe sorgfältig berücksichtigt hätten.

Experte bezeichnet chinesisches Design als «fahrlässig»

Der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) warnte, dass es «im schlimmsten Fall» wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs werden könne, der sich über Hunderte Kilometer verteile. Wie viele Bruchstücke übrig blieben, lasse sich nicht vorhersagen. «Aber genug, um Schaden anzurichten.» Auch der Raumfahrtexperte Andrew Jones warnte vor Schaden für Mensch oder Eigentum.

Nach dem ersten Flug des neuen Raketentyps im Mai 2020 waren Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten nach lokalen Berichten Häuser beschädigt. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte den Vorgang damals als «sehr gefährlich» beschrieben, weil die Raketenstufe kurz davor noch über die USA geflogen war.

McDowell kritisierte das Design der neuen chinesischen Rakete als «fahrlässig». Es entspreche nicht heutigen Standards. Andere Länder sorgten dafür, dass der Hauptteil ihrer Raketen nicht im Orbit blieben, sondern in eine Flugbahn gebracht würden, um gezielt ins Meer zu stürzen. Die «Langer Marsch 5B» sei hingegen so gebaut, dass sie etwa eine Woche später durch die Anziehungskraft an einem «willkürlichen Ort» in die Atmosphäre der Erde eintrete.

(AFP/DPA/pme)

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