In den USA – Pentagon warnt vor IS-Anschlägen in den nächsten Monaten

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In den USAPentagon warnt vor IS-Anschlägen in den nächsten Monaten

Seit der Machtübernahme der Taliban verübt die Terrormiliz «Islamischer Staat» wieder vermehrt Anschläge in Afghanistan. Auch in den Vereinigten Staaten wächst das Risiko von Anschlägen.

von
Benedikt Hollenstein
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Mit dem Abzug der Streitkräfte im August 2021 fiel Afghanistan grösstenteils wieder in die Hände der Taliban.

Mit dem Abzug der Streitkräfte im August 2021 fiel Afghanistan grösstenteils wieder in die Hände der Taliban.

Reuters/Bob Strong
Nun warnen die US-Geheimdienste vor möglichen Anschlägen auf US-Territorium.

Nun warnen die US-Geheimdienste vor möglichen Anschlägen auf US-Territorium.

dpa/Chad Mcneeley
Zwar geht die Taliban mit eigenen Spezial-Einsatzkräften gegen IS-Terroristen in Afghanistan vor, der Erfolg der Taliban dürfte laut den amerikanischen Geheimdiensten aber fraglich sein.

Zwar geht die Taliban mit eigenen Spezial-Einsatzkräften gegen IS-Terroristen in Afghanistan vor, der Erfolg der Taliban dürfte laut den amerikanischen Geheimdiensten aber fraglich sein.

Reuters

Darum gehts

  • Nach dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban die Macht wieder an sich gerissen.

  • Seither verübt die Terrormiliz «IS» immer wieder Anschläge in Afghanistan.

  • US-Geheimdienste warnen nun nicht nur vor möglichen Anschlägen in Amerika, sondern auch vor einem möglichen Wiedererstarken der Terrormiliz «al-Qaida».

Nach Einschätzung der US-Geheimdienste könnte der «Islamische Staat» in Afghanistan innerhalb von nur sechs Monaten imstande sein, die Vereinigten Staaten anzugreifen. Man müsse davon ausgehen, dass die Terrororganisation auch die Absicht habe, dies zu tun, warnte ein hochrangiger Beamter des Pentagon den US-Kongress am Dienstag. Noch unklar sei zurzeit, ob die Taliban in der Lage sind, den sogenannten IS-K wirksam zu bekämpfen. Die beiden extremistischen radikalislamistischen Organisationen sehen sich als Feinde.

Anschläge nehmen zu

Nachdem die US-Truppen seit den Anschlägen vom 11. September fast 20 Jahre in Afghanistan gegen die Taliban ankämpften, wurden die Streitkräfte im August 2021 abgezogen. Innert kürzester Zeit ergriffen die Taliban die Macht in Afghanistan, der Widerstand der schlecht ausgebildeten afghanischen Armee war gering. Seitdem hat die Terrormiliz «IS-K» mehrere Selbstmordattentate verübt. Im Oktober kamen bei zwei Anschlägen auf Moscheen in Kandahar über 70 Menschen ums Leben, während ein Anschlag in Kundus fast 50 Todesopfer forderte.

Gemäss dem «Spiegel» wurde der «IS-K» im Januar 2015 als regionaler Ableger der Terrormiliz IS ins Leben gerufen. Dabei steht der Buchstabe K für Khorasan, eine historische Bezeichnung für eine Region, die grosse Teile Zentralasiens umfasst, darunter Gebiete des heutigen Afghanistans und Irans. Der IS erkannte die Gruppierung offiziell an und unterstützte sie in der Vergangenheit auch finanziell.

al-Qaida könnte erstarken

Nach Einschätzungen des Pentagons könnte auch die Terrororganisation «al-Qaida» unter der Herrschaft der Taliban wieder erstarken. 2001 bekannte sich al-Qaida zu den Terroranschlägen auf die New Yorker Twin Towers und löste damit den 20 Jahre andauernden US-Militäreinsatz in Afghanistan aus. Der politische Berater Colin Kahl warnt davor, die Gegner zu unterschätzen. «Es kann ein bis zwei Jahre dauern, bis al-Qaida wieder in der Lage sein wird, Angriffe gegen die Vereinigten Staaten auszuführen. Wir müssen wachsam sein, um das zu unterbinden», sagte Kahl in seiner Rede vor dem Kongress.

Der Truppenabzug aus Afghanistan sorgte im August 2021 international für grosse Kritik. Bereits vorher hatten Fachleute gewarnt, dass Afghanistan durch einen überhasteten Abzug der internationalen Truppen zu einem Rückzugsort für Terroristen werden könnte. Experten und Expertinnen wie der Journalist Peter Bergen gehen davon aus, dass bereits in wenigen Monaten kaum noch ein klares Lagebild aus Afghanistan zu bekommen sein dürfte.

Der IS und die Taliban sehen sich als Rivalen. So sehen Mitglieder des IS gemäss Berichten in den neuen Herrschern der Taliban «schmutzige Nationalisten». Während die Taliban nämlich mit der Beherrschung Afghanistans zufrieden sind, will der Islamische Staat ein globales Kalifat, also eine Regierung, die Wirtschaft und Religion vereint, errichten.

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