Pentagon will mehr Soldaten
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Pentagon will mehr Soldaten

Die Ausweitung des US-Einsatzes im Irak soll nach dem Willen des Pentagons mit einem Ausbau der gesamten Truppenstärke einhergehen. Das Heer soll innerhalb von fünf Jahren um 65 000 Mann auf 547 000 aufgestockt werden. Bei den Marineinfanteristen ist eine Verstärkung um 27 000 auf 202 000 Mann geplant.

Dies teilte am Donnerstag das Verteidigungsministerium in Washington mit. US-Präsident George W. Bush kündigte am Mittwoch die Entsendung von 21 500 zusätzlichen Soldaten in den Irak an.

Die Pläne zur Vergrösserung von Heer und Marineinfanteristen müssen allerdings noch vom Kongress gebilligt werden, in dem die oppositionellen Demokraten die Mehrheit haben. Neben Heer und Marineinfanteristen gehören auch Luftwaffe und Marine zu den US-Streitkräften mit einer Gesamtstärke von bisher 1,4 Millionen Soldaten im aktiven Dienst.

Wegen der seit längerem zunehmenden Belastungen im Irak hob das Pentagon die bisherige zeitliche Begrenzung für den Einsatz von Reservisten und Nationalgardisten auf. Bislang durfte die Einsatzdauer dieser «Bürgersoldaten» zusammengenommen nicht die Grenze von 24 Monaten überschreiten. Künftig werde es nur noch eine Höchstdauer von 24 Monaten je Einsatz geben, teilte Generalstabschef Peter Pace mit.

Auf dem Kapitol in Washington stimmten die Kongresspolitiker der Demokratischen Partei unterdessen ihr Vorgehen in der Irak-Politik ab. Führende Demokraten haben gegen Bushs Pläne zur Ausweitung des Irak-Einsatzes protestiert. Es zeichnete sich ab, dass die Demokraten versuchen wollen, auch Abgeordnete von Bushs Republikanischer Partei auf ihre Seite zu ziehen.

In einigen Wochen soll es dann Abstimmungen über eine Entschliessung gegen die Verstärkung der Militärpräsenz geben. Angedroht wurde auch, die Haushaltsmittel für den Einsatz im Irak zu begrenzen. Senator Edward Kennedy hat bereits einen Gesetzentwurf erarbeitet, mit dem die Verwendung des Geldes zur Aufstockung der Truppen im Kriegsgebiet blockiert werden soll.

Bushs engster Partner, der britische Premierminister Tony Blair, hat die US-Pläne zur Verstärkung im Irak begrüsst. Blair bekräftigte aber am Donnerstagabend, dass Grossbritannien keine zusätzlichen Soldaten entsenden werde.

Einen Tag nach der Grundsatzrede Bushs zur Irak-Politik gingen von New York bis San Francisco hunderte von Kriegsgegnern auf die Strasse. Eine der Kundgebungen fand auf einer Verkehrsinsel auf dem New Yorker Times Square statt. Dort bekundeten Autofahrer auf der Kreuzung ihre Unterstützung mit lautem Hupen. Mehrere Organisationen von Gegnern des Irak-Kriegs riefen für den 27. Januar zu einer Grossdemonstration in Washington auf, die sich vor allem an den Kongress wenden soll.

Haft für US-Soldat wegen Mordes an irakischen Gefangenen

(Fort Campbell) Wegen der Ermordung dreier irakischer Gefangener wurde ein US-Soldat am Donnerstag zu 18 Jahren Haft verurteilt. William Hunsaker wird nach dem Urteil des Militärgerichts in Fort Campbell im US-Staat Kentucky unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen. Der 24-Jährige steht zudem unter einer Bewährungsstrafe: Wenn er gegen die Auflagen des Urteils verstösst, das unter anderem eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bei der weiteren Aufarbeitung der Verbrechen vorsieht, droht ihm lebenslange Haft.

Insgesamt müssen sich vier US-Soldaten wegen der Schüsse bei einer Razzia gegen mutmassliche Aufständische verantworten. Nach der Militäraktion im Mai vergangenen Jahres nahe der Stadt Samarra hatten die Soldaten angegeben, sie hätten geschossen, weil die Gefangenen fliehen wollten. Inzwischen haben sie eingeräumt, dass diese Angaben falsch waren. Ein Mitangeklagter wurde am Dienstag zu neun Monaten Arrest verurteilt. (dapd)

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