Syngenta: Peperoni-Patent sorgt für rote Köpfe
Aktualisiert

SyngentaPeperoni-Patent sorgt für rote Köpfe

Der Konzern Syngenta will seine insektenresistente Peperoni patentieren lassen. Schweizer NGOs ist das ein Dorn im Auge. Die Paprikasorte sei keine Erfindung, sondern Natur.

Das Unternehmen Syngenta hält an seinem Peperoni-Patent fest.

Das Unternehmen Syngenta hält an seinem Peperoni-Patent fest.

Darf ein Unternehmen gezüchtete Nahrungsmittel patentieren lassen? Um diese Frage dreht sich seit einigen Jahren eine Grundsatzdebatte zwischen Agrarchemiekonzernen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Nach Broccoli und Tomaten gibt nun ein Peperoni-Patent von Syngenta Anlass zur Diskussion.

«Keine Patente auf Pflanzen und Tiere», stand auf dem Transparent, das Aktivisten am Montag vor dem Europäischen Patentamt in München in die Höhe hielten. Hinter dem Protest stehen auch die Schweizer NGOs Erklärung von Bern und Swissaid. Ihnen zufolge dürfen in der Natur vorkommende Eigenschaften von Pflanzen nicht patentiert werden.

Insektenresistente Peperoni

Das Patent, gegen das sie sich wehren, sichert Syngenta für 20 Jahre das geistige Eigentum an Peperoni mit einer Resistenz gegen bestimmte Schädlinge zu. Diese Schädlinge können die Ausbeute bei der Ernte reduzieren und das Aussehen der Peperoni verschlechtern, wodurch diese unverkäuflich werden.

Beides führt zu wirtschaftlichen Einbussen für Peperoni-Bauern. Dagegen ist jedoch ein Kraut gewachsen: Eine in Jamaika wachsende, wilde Paprikapflanze ist gegen den Befall der Schädlinge resistent.

Syngenta gelang es, diese Resistenz in konventionelle Peperoni zu integrieren, wodurch neue insektenresistente Peperoni gezüchtet werden konnten. Diese hat das Unternehmen mit Sitz in Basel im Mai letzten Jahres vom Europäischen Patentamt patentieren lassen. Das Patent ist in zahlreichen europäischen Ländern gültig, auch in der Schweiz.

«Keine Erfindung»

Erklärung von Bern und Swissaid sind solche Patente ein Dorn im Auge. Sie haben am Montag zusammen mit 32 anderen Organisationen aus 27 europäischen Ländern Einspruch gegen das Peperoni-Patent erhoben. Da die Resistenz bloss aus einer wilden jamaikanischen Sorte in eine kommerzielle Peperoni eingekreuzt wurde, handle es sich nicht um eine Erfindung von Syngenta, teilten die beiden Organisationen am Montag mit.

Auch der Schweizer Bauernverband hält nichts von dieser Art von Patenten: «Was die Natur geschaffen hat, sollte nicht von einigen Konzernen exklusiv genutzt werden können», sagte Christa Gerber gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Syngenta wehrt sich gegen den Vorwurf, einzig die Natur zu kopieren, und hält fest, dass die neue Peperoni verbesserte Eigenschaften enthalte: «Während eine wilde Paprikasorte für das ursprüngliche Zucht- und Entwicklungsprogramm verwendet wurde, unterscheidet sich die resultierende Eigenschaft substanziell aufgrund besserer Leistungen und der Abwesenheit jeglicher unvorteilhafter Bestandteile», teilte Syngenta auf Anfrage mit.

Dem wiederum widerspricht François Meienberg von der Erklärung von Bern. «Syngenta hat eine Kopie geschaffen, deren Resistenz nicht so gut ist wie beim Original», sagte Meienberg. Dies gehe aus dem Patent selbst hervor. Die Schädlingsresistenz der wilden, jamaikanischen Peperoni sei besser als diejenige der neu durch Syngenta geschaffenen Sorte, sagte Meienberg.

Anreiz für Innovationen

Zwar halten es auch die Gegner des Peperoni-Patents für richtig, dass Firmen einen Anreiz für Innovationen erhalten und für die getätigten Investitionen in Form von Exklusivrechten entschädigt werden. «Diese Rechte werden jedoch durch das Sortenschutzrecht mehr als gewährleistet, während Patente deutlich weitergehen und unerwünschte Nebeneffekte haben», sagte Fabio Leippert von Swissaid gegenüber der SDA.

Diese betreffen vor allem andere Pflanzenzüchter: Denn im Gegensatz zum Sortenschutzrecht können die Inhaber von Patenten andere Züchter von der Verwendung des geschützten Pflanzenmaterials für die Entwicklung neuer Sorten ausschliessen. Syngenta tut dies nicht, der Konzern verlangt jedoch Lizenzgebühren für die Verwendung der geschützten Pflanzen.

«Um die Möglichkeit von Innovationen zur Förderung der Ernährungssicherheit zu schaffen, stellt Syngenta die neue Eigenschaft allen interessierten Züchtern zu fairen, angemessenen und nicht diskriminierenden Konditionen über ihre E-Lizenz-Plattform TraitAbility zur Verfügung», teilte Syngenta in einer schriftlichen Stellungnahme mit. (sda)

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