Drive4less: Per App günstiger zum Fahrausweis

Aktualisiert

Drive4lessPer App günstiger zum Fahrausweis

Zwei HSG-Studenten haben eine App entwickelt, um Fahrschüler und Hobby-Fahrlehrer für Übungsstunden zusammenzubringen. Nicht alle begrüssen das Projekt.

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mlü/nc

«Der Weg zum Fahrausweis ist viel zu teuer für einen Studenten», sagt die 19-jährige Michèle Rohr. Deshalb hat sie sich bei der App Drive4less angemeldet. Damit ist sie nicht alleine. Bereits 100 Fahrschüler und 100 Begleiter sind mittlerweile registriert. Das Angebot gibt es seit Anfang August – es kann in der ganzen Schweiz genutzt werden.

Ziel der App ist es, Fahrschüler und Begleiter zusammenzubringen, so dass Fahranfänger Übungsmöglichkeiten haben, wenn aus ihrem Bekanntenkreis niemand mit ihnen fährt. «Wir verstehen uns als Couchsurfing für Fahrschüler», erklärt Tobias Bienz aus Steffisburg BE, Mitgründer des Vereins Drive4less. Laut Bienz kostet der Erwerb des Fahrausweises im Schnitt rund 3500 Franken: «Für viele 18- bis 24-Jährigen ist das schlicht zu teuer.»

Idee entstand bei einem Bier

«Die Idee von Drive4Less hatten wir bei einem Bier», erzählt Mitgründer Paolo Piffaretti aus Freiburg. Ende 2014 war der HSG-Student daran, seinen Fahrausweis zu erwerben. «Da ich in St. Gallen studiere und meine Eltern in Freiburg wohnen, blieb mir nichts anderes übrig, als 90 Franken pro Fahrstunde auszugeben», sagt der 21-Jährige. Für ihn war klar: «Das muss doch auch anders gehen.»

Via Drive4less können Fahrschüler und Begleiter mittels Kalender und Chatfunktion ihre Verfügbarkeit und die Details zur Übungsstunde abklären. «Vielleicht erwischt jemand eine hübsche Begleitperson. Dann kann man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen», so Piffaretti.

Fahrlehrer sind skeptisch

Bei Michèle Rohr aus Freiburg hat das neue Konzept geklappt. «Dank Drive4less habe ich viel Geld gespart», sagt die 19-Jährige. Sie konnte sich mit Hilfe der Begleitung super auf die praktische Fahrprüfung vorbereiten und bestand diese beim ersten Mal. «Die zusätzliche Übung mit dem Begleiter hat mir Sicherheit gegeben», so Rohr.

Fahrlehrer sind von der App weniger begeistert. «Ich befürchte, dass die Fahrschüler falsche Abläufe erlernen», sagt Ravaldo Guerrini, Präsident des Ostschweizer Fahrlehrerverbandes. Als Konkurrenz sieht er die App nicht: «Die Fahrlehrer haben eine lange Ausbildung hinter sich und ihr Wissen kann kein Laie ersetzen. Zudem kann ein Laie ohne Doppelpedal nicht in allen Gefahrensituationen effizient eingreifen.»

Auch beim Kantonal-Bernischen Autofahrlehrer-Verband hat man gemischte Gefühle: «Ein positiver Effekt wird die verbesserte Routine der Fahrschüler bei der Prüfung sein», sagt Präsident Urs Röthlisberger gegenüber dem «Thuner Tagblatt». Dennoch befürchtet er, dass die App für die Fahrschüler nicht nur Vorteile hat: «Unsere Erfahrungen zeigen, dass Fahrschüler, welche oft mit Eltern oder Angehörigen Praxis sammeln, oft veraltete oder falsche Techniken anwenden und sich diese angewöhnen.»

Röthlisberger kann sich auch vorstellen, dass Fahrlehrer durch die App mit Einbussen rechnen müssen – jedoch nur kurzfristig. «Die Fahrausbildung ist bereits heute stark auf die Prüfung ausgerichtet. Wenn die Fahrschüler versuchen, mit möglichst wenigen Lektionen die Prüfung zu bestehen, werden sich die Misserfolge früher oder später häufen. Dies könnte einen Jojo-Effekt zugunsten der Fahrlehrer auslösen.»

Zweifel an Legalität

Guerrini zweifelt zudem an der Legalität der App. «Es ist ein Graubereich, weil die Begleitpersonen einen Unkostenbeitrag erhalten. Zudem heisst es im SVG Art. 15 Abs. 3: Wer gewerbsmässig Fahrunterricht erteilt, bedarf des Fahrlehrerausweises. Dies ist bei den vermittelten Personen nicht der Fall», sagt Guerrini.

Bienz widerspricht: «Wir sind ein Verein und jeder ist freiwillig dabei. Der Schüler bezahlt nur ein Unkostenbeitrag von 73 Rappen pro Kilometer an die Begleitperson», so der 24-Jährige. Zudem wurde die rechtliche Seite im Vorfeld mit einem Anwalt geklärt. Bienz versteht die App auch nicht als Fahrlehrer-Ersatz, sondern als Ergänzung. Nur wer bereits zehn Stunden bei einem Fahrlehrer absolviert hat, darf sich bei der App anmelden. Die Begleitpersonen müssen aber eine Vollkasko-Versicherung besitzen.

Im Video erklären die Erfinder nochmals alles genau:

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