Gewalt gegen Frauen: Per Autostopp in den Missbrauch
Aktualisiert

Gewalt gegen FrauenPer Autostopp in den Missbrauch

Vorsicht vor Mitfahrgelegenheiten, die sich aus flüchtigen Bekanntschaften ergeben: Dieses vermeintlich günstige Zusammentreffen wird für Frau nicht selten zur Falle.

von
Runa Reinecke
Bild: Colourbox

Bild: Colourbox

Wenn es um Gewalt geht, sind Frauen überall auf der Welt besonders exponiert – auch in der Schweiz. Dem Bundesamt für Statistik zufolge waren im Jahr 2009 mehr als 70 Prozent aller Opfer von Gewalttaten in unserem Land weiblichen Geschlechts. Genau wie männliche Teenager sind auch Mädchen und junge Frauen häufig gerne unterwegs, abenteuerlustig und unbefangen. Eine Unbefangenheit, die sie unverhältnismässig häufiger zu Opfern von Belästigungen, Vergewaltigungen oder anderen Formen von Gewalt macht.

So erging es vergangene Woche auch einer 14-Jährigen aus Luzern: Das Mädchen willigte in das Angebot eines Mannes ein, es nachhause zu bringen. Doch die vermeintliche Heimreise endete im Wald – dort vergewaltigte der Unbekannte das Mädchen (20 Minuten Online berichtete). Dank Hinweisen aus der Bevölkerung konnte die Luzerner Polizei am Freitag im Kanton Luzern einen 38-jährigen Verdächtigen festnehmen, welcher der Beschreibung des Mädchens entspricht.

Der Täter ist meistens kein Fremder

Dass das Opfer den Täter vermutlich nicht kannte, ist eher untypisch: «Bei sexuellen Übergriffen sind es mehrheitlich Verwandte, häufig Bekannte, in den seltensten Fällen ist der Täter fremd», sagt Martin Boess von der Schweizerischen Kriminalprävention SKP. Bei der Beratungsstelle für Frauen in Zürich hat man ähnliche Erfahrungen gemacht, wie die Psychologin Barbara Dahinden bestätigt: «An unserer Stelle treten alle genannten Varianten auf. Meistens sind die Täter den Frauen vorher bekannt. Es ist bei uns eher selten, dass die Frau von einem ihr gänzlich unbekannten Mann sexuelle Gewalt erlebt.»

Selber schuld, wenn sie einsteigt?

Auf Verständnis stossen die zumeist jungen Opfer trotzdem nicht immer. Dass sich weibliche Teenager und junge Frauen vor Übergriffen fürchten müssen und sich nicht im gleichen Masse autark bewegen können wie ihre männlichen Kollegen und Freunde, wird als Selbstverständlichkeit hingenommen. Frauen seien – so eine immer noch geläufige Meinung - doch selbst schuld, wenn sie alleine zu einem ihnen mehr oder weniger bekannten Mann ins Auto steigen. Für Experten unverständlich: «Die Verantwortung für sexuelle Gewalt liegt bei den Tätern, nicht bei den Opfern», wie Barbara Dahinden gegenüber 20 Minuten Online unterstreicht.

Frauen müssen sich schützen

Damit es erst gar nicht zu einem Übergriff kommt, rät Boess Frauen, nie alleine bei einem fremden oder einem nur flüchtig bekannten Mann einzusteigen. Zudem zeige die Erfahrung, dass Frauen mit einem selbstsicheren Auftreten seltener zu Opfern von Übergriffen würden. Speziell nach dem Konsum von Alkohol oder Drogen rät Martin Boess zu grosser Vorsicht: «Die Urteilsfähigkeit kann dadurch stark getrübt sein.» Auch das Annehmen einer Mitfahrgelegenheit bei einem vermeintlich «lieben Kollegen» sollte dem Experten nach kritisch überprüft werden: «Vertrauen ist gut, trotzdem ist eine gewisse Portion Misstrauen in manchen Situationen besser».

Wurden Sie schon als Mitfahrerin Opfer von Missbrauch?

Wurden Sie Opfer von (sexueller) Gewalt? Die Beratungsstelle für Frauen bietet Hilfe an - auch wenn Sie anonym bleiben möchten: www.frauenberatung.ch.

Deine Meinung