Aktualisiert 05.05.2015 13:34

Soziale MedienPer Facebook-Inserat Escort-Girls gesucht

Junge Schweizer Frauen sind empört. Auf ihren Facebook-Seiten wurde ein Inserat eingespielt, das sie aufforderte, sich zu prostituieren.

von
ann

Johanna traute ihren Augen nicht, als sie am Mittwochmorgen durch ihre Facebook-Seite scrollte. Zwischen den Posts von ihren Freunden stach ihr eine leuchtend rote Werbung ins Auge. «Du magst Luxus, siehst gut aus, brauchst Cash, aber willst nicht viel dafür tun?», stand dort. Darunter war ein Schuh von Jimmy Choo abgebildet und das Stichwort Studentenjob. Johanna fand die Anzeige dubios.

Dennoch klickte sie drauf und landete überraschenderweise auf einer Internetseite mit einem Video, in dem eine junge Frau die Arbeit als Escort-Girl anpries. Danach fordert sie die anderen Frauen auf, sich ebenfalls zu prostituieren. «Das ist voll krass, ich fühle mich angegriffen und beleidigt», sagt Johanna. Die junge Studentin ist nicht die einzige, der Facebook das Inserat einspielte. Mehrere weitere junge Frauen meldeten sich empört bei 20 Minuten.

Prostitution von Studentinnen nimmt offenbar zu

Für Marija Jozic, Fachmitarbeiterin bei der St. Galler Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe, ist diese Masche neu. «Von gezielten Inseraten bei jungen Frauen in sozialen Netzwerken haben wir noch nie gehört.» Dass über das Internet nach neuen Mitarbeitenden gesucht werde, sei hingegen normal. Das Video zeichnet laut Jozic zudem ein einseitiges Bild der Sexarbeit.

Dass solche Inserate geschaltet werden, beweist gemäss Maritza Le Breton, Professorin für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz, dass die Werber damit bei Studentinnen zum Teil Erfolg hätten. «Es gibt klare Hinweise, dass Prostitution in diesem Bereich auch in der Schweiz zunimmt.» Studieren sei teuer.

Facebook nimmt zum Einzelfall keine Stellung

Laut Social-Media-Experte Simon Künzler von der Agentur Xeit zeigt dieses Inserat, wie gezielt man über Facebook seine Wunschklientel finden könne. «Leider in diesem Fall auch für wenig seriöse Angebote.» Der geübte User durchschaue die Anzeige aber schnell und falle in der Regel nicht darauf herein.

Bei Facebook will man zum konkreten Fall keine Stellung beziehen. Grundsätzlich habe die Sicherheit der Menschen auf Facebook für das Unternehmen die höchste Priorität. «Inhalte, die gegen die Richtlinien verstossen, werden umgehend gelöscht», so ein Sprecher. Darum könnten Nutzer jegliche Inhalte, die gegen die Richtlinien verstossen, melden.

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