Bonobos: Per Handsignal zum Schäferstündchen
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BonobosPer Handsignal zum Schäferstündchen

Bonobos sind uns Menschen gar nicht so unähnlich. Wie wir verständigen sich auch die Affen mit Gesten. Beispielsweise, wenn sie das andere Geschlecht ins Nest locken wollen.

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Bonobos (Pan paniscus) sind nah mit den Schimpansen verwandt, haben aber auch etwas mit den Menschen gemeinsam. So können auch sie mit Gesten kommunizieren, wie Neuenburger Forscher im Fachjournal «Current Biology» berichten. Sie setzen diese gerne ein, um andere etwa zu einem Schäferstündchen einzuladen. Das zeuge den Wissenschaftlern zufolge davon, dass die Primaten Zeigegesten vorsätzlich und in einem bestimmten Kontext einsetzen - eine Eigenschaft, die bis anhin nur dem Menschen zugetraut wurde.

Die Studie hat es mit einem Foto auf die Titelseite der aktuellen Ausgabe des Journals geschafft. Dieses zeigt einen weiblichen Bonobo, der mit ausgestrecktem Arm und offener Hand einen abseits sitzenden Artgenossen herüberwinkt, um sich zusammen zum Geschlechtsverkehr zurückzuziehen. Die Szene wurde im Reservat Lola Ya Bonobo in der Demokratischen Republik Kongo beobachtet.

Menschenaffen benutzen häufig und zielgerichtet Gesten bei ihren sozialen Interaktionen, schreiben Emilie Genty und Klaus Zuberbühler von der Universität Neuenburg und britische Kollegen. Doch bisher habe der Beweis für einen semantischen Inhalt - also eine Bedeutung - der Gesten gefehlt.

Kommunizieren und verstanden werden

Die Beobachtungen zeigten, dass Bonobos Artgenossen mit menschenähnlichen Gesten dazu auffordern, woanders zusammen Sex zu haben, schreiben die Forscher. Das Verhalten ist ihrer Ansicht nach «intentional, ikonisch und deiktisch» - was in der Sprachwissenschaft bedeutet, dass die Gesten sowohl absichtlich, symbolisch (mit einer bestimmten Bedeutung) und auf einen Ort respektive einen Partner bezogen eingesetzt werden.

Die Geste weist in die Richtung, in die sich die - oder der - Gestikulierende gerne zurückziehen würde. Die Reaktion des Aufgeforderten zeuge davon, dass die Bedeutung verstanden werde, schreiben die Forschenden. Sie konnten dieses Verhalten insgesamt 40-mal bei zehn Männchen und vier Weibchen mit Videos dokumentieren.

Schon der gemeinsame Vorfahr

Die Resultate sind mit der Hypothese vereinbar, dass sich die Fähigkeit, auf räumliche Dinge hinzuweisen, noch vor der Trennung der Abstammungslinien des Menschen und der anderen Primaten entwickelt hat. Sie war vermutlich bereits beim gemeinsamen Vorfahren präsent, schliessen die Forschenden.

Menschliche Babys machen ihre ersten auf Personen oder Gegenstände gerichteten Gesten mit etwa zehn Monaten und die ersten symbolischen Signale mit zwölf Monaten. Die Fähigkeit, die Bedeutung von Symbolen zu erkennen, entwickelt sich jedoch nicht vor 26 Monaten, wenn das Kind die entsprechenden Wörter lernt. Symbole sind demnach kognitiv schwieriger zu erfassen.

Bonobos sind bekannt dafür, häufig sexuelle Interaktionen zu haben. Diese dienen vermutlich der Reduktion von sozialen Spannungen und werden unabhängig von Alter, Geschlecht oder Rangstufe ausgelebt. Etwa drei Viertel der Sexualkontakte zwischen Bonobos dienen nicht der Fortpflanzung. (fee/sda)

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