«Wollte Herde verteidigen» – Landwirt vertreibt Wolf durch Schuss – Staatsanwalt ermittelt
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«Wollte Herde verteidigen» Landwirt vertreibt Wolf durch Schuss – Staatsanwalt ermittelt

Ein Bauer in der Region Surselva im Kanton Graubünden hat Anfang Oktober einen Wolf per Schussabgabe verscheucht. Die Staatsanwaltschaft Graubünden ermittelt nun, ob eine Notstandssituation den Schuss rechtfertigt.

von
Pascal Eicher
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Ein Bauer in der Surselva vergrämte am 9. Oktober einen Wolf, der sich seiner Kuhherde näherte, per Schussabgabe (Symbolbild).

Ein Bauer in der Surselva vergrämte am 9. Oktober einen Wolf, der sich seiner Kuhherde näherte, per Schussabgabe (Symbolbild).

Pexels/Pixabay
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob eine Widerhandlung gegen das Waffengesetz vorliegt (Symbolbild).

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob eine Widerhandlung gegen das Waffengesetz vorliegt (Symbolbild).

imago images/blickwinkel
Wolfsproblem in Graubünden: Im September wurde der Abschuss von drei Jungwölfen des Beverinrudels genehmigt.

Wolfsproblem in Graubünden: Im September wurde der Abschuss von drei Jungwölfen des Beverinrudels genehmigt.

Amt für Jagd und Fischerei GR

Darum gehts

  • Ein Bauer in der Surselva vergrämte am 9. Oktober einen Wolf durch eine Schussabgabe.

  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob eine Notstandssituation die Schussabgabe rechtfertigt.

  • Der Kanton Graubünden fordert präventive Massnahmen zur Regulierung der Wolfsbestände.

Ein Bauer in der Surselva verscheuchte am 9. Oktober einen Wolf per Schussabgabe, wie die Südostschweiz (Bezahlartikel) am Dienstag berichtete. Der Bauer hatte den Wolf gesichtet, als er nach seiner Mutterkuhherde sah. Nachdem er erfolglos versuchte, den Wolf verbal zu verscheuchen, vergrämte er ihn mit einem Schuss aus seiner Jagdflinte. Der Wolf wurde dabei nicht getroffen. Im Anschluss zeigte sich der Bauer selber an.

Die Staatsanwaltschaft Graubünden ermittelt in diesem Fall, ob eine Notstandssituation als gesetzlicher Rechtfertigungsgrund vorliegt. Laut Staatsanwalt Franco Passini handelt rechtmässig, wer eine Straftat begeht, um das Eigentum, also die Mutterkühe, aus einer nicht anders abwendbaren Gefahr zu retten, wenn man dadurch höherwertige Interessen wahrt. Ob das im Falle des Landwirts zutrifft und ob er verhältnismässig gehandelt hat, wird nun untersucht. Im konkreten Fall stünde aber auch die Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Vordergrund der Ermittlungen, sagt Passini auf Anfrage von 20 Minuten.

Silvan Caduff, Präsident des Bauernvereins Surselva, äussert sich zum Vorfall: «Perfide ist, dass er sich für den Schuss rechtfertigen muss, obwohl er einfach seine Herde verteidigen wollte», sagt er auf Anfrage von 20 Minuten.

Prävention gefordert

Wolfsrisse sind im Kanton Graubünden kein neues Problem. Bereits im September wurde der Abschuss von drei Jungwölfen des Beverinrudels genehmigt. Laut Caduff reicht das aber nicht aus: «Der Wolf hat gelernt, Herdenschutzmassnahmen zu umgehen und geht den Weg des geringsten Widerstandes. Die Kleinviehherden sind nun gut geschützt, deshalb greifen die Wölfe vermehrt Grossviehherden an, die nicht geschützt werden können», sagt er.

Caduff weist zudem auf die touristischen Probleme hin, die sich aufgrund der vielen Herdenschutzhunde ergeben. Die Hunde sähen alles, was nicht zur Herde gehört, als Fremdobjekt an, egal ob das ein Wolf oder ein Mensch sei. Für den Präsidenten des Bauernvereins Surselva ist deshalb klar: «Es wird nur mit präventiven Massnahmen funktionieren. Man müsste eine Obergrenze für den Wolfsbestand bestimmen und diese konsequent durchsetzen», sagt Caduff weiter. Mit seiner Ansicht steht Silvan Caduff jedenfalls nicht alleine: Auch seitens Kanton Graubünden wird die Prävention gefordert, wie das St. Galler Tagblatt am Dienstag berichtet.

Laut David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz, ist dies keine sinnvolle Lösung: «Präventive Wolfsabschüsse verhindern keine Wolfsrisse und sind deshalb keine taugliche Alternative. Wenn suggeriert wird, dass sich Konflikte mit präventiven Wolfsabschüssen lösen lassen, verspricht das den Tierhaltenden einen Schutz, den es nicht geben wird», sagt er. Ausserdem bewegten sich die Wolfsrisse im selben Rahmen wie im Vorjahr und der Bestand im Kanton stabilisiere sich bereits natürlicherweise, sagt Gerke weiter.

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