Aktualisiert 17.03.2011 08:55

Sonne statt AKWPersönlicher Ausstieg aus der Atomenergie

Wegen der Nuklearkatastrophe in Japan wenden sich viele Schweizer vom Atomstrom ab. Bei Schweizer Stromlieferanten steigt die Nachfrage nach Ökostrom.

von
Sandro Spaeth
Alternativenergie ist Trumpf. Die Anbieter von Ökostrom erfreuen sich steigender Nachfrage.

Alternativenergie ist Trumpf. Die Anbieter von Ökostrom erfreuen sich steigender Nachfrage.

Hauptsache Strom. Lange Zeit war es einem Grossteil der Schweizer egal, welche Art Elektrizität aus der Steckdose kommt. Es zählte einzig, dass Kaffeemaschine und Fernseher laufen und die Herdplatte für heisses Teewasser sorgt. Ob mit Atom-, Wasser- oder Solarstrom spielte eine untergeordnete Rolle.

Die Negativmeldungen über die Reaktorkatastrophe in Japan haben nun zu einem Umdenken geführt. Heute überlegt sich manch einer den persönlichen Ausstieg aus dem Atomstrom.

Kunden verzichten auf Atomstrom

Die Nachfrage nach erneuerbarer Stromproduktion sei gestiegen, sagt Natalie Cartier von Energie Wasser Bern zu 20 Minuten Online. «Die Leute fragen im Kundencenter nach, welche Art Strom sie zurzeit beziehen. Enthält ihr Produkt Atomstrom, wollen sie von nun an nur noch erneuerbare Energie beziehen», erklärt die EWB-Sprecherin.

Für Ökostrom müssen die Kunden aber tiefer in die Tasche greifen: Kostet die Kilowattstunde mit überwiegend Atomstrom bei EWB 9,5 Rappen, schlägt die gleiche Menge Solarstrom mit 75 Rappen zu Buche. Strom aus Wasserkraft kostet bei EWB 18 Rappen pro Kilowattstunde.

Wie viele Kunden in den letzten Tagen auf Alternativenergie umgestiegen sind, will Cartier nicht genau quantifizieren. «Es handelt sich um einen leichten aber merklichen Anstieg.»

Private steigen um – Grosskunden zögern

Auch beim Zürcher Stromlieferanten EWZ hat die Nachfrage nach Ökostrom zugenommen. Laut EWZ Sprecher Harry Graf erhält der Stromkonzern derzeit täglich zwischen 20 und 30 Bestellungen von Privatpersonen für Ökostromprodukte. Das entspricht etwa der selben Anzahl während einer Ökostromkampagne. Vereinzelte Anfragen gäbe es auch von KMU-Kunden, zurückhaltend seien die Grosskunden.

Noch macht die Nachfrage nach Ökostrom bei EWZ erst einen verschwindend kleinen Anteil aus. Lediglich 1,6 Prozent der von EWZ ausgelieferten Strommenge entfällt auf Windenergie, 1,2 Prozent auf Biomasse und 0,3 Prozent auf Solarenergie.

Grössere Mengen Ökostrommengen auf dem Markt zu beschaffen, sei nicht mehr so einfach möglich wie vor dem Ereignis in Japan, so EWZ-Sprecher Graf. Die Schweiz könne nicht von heute auf morgen auf erneuerbare Energien umsteigen.

Umstieg bei Negativschlagzeilen

Eine stark gestiegene Nachfrage nach Ökostrom verzeichnet auch Deutschland: Bei der Energie-Genossenschaft Greenpeace Energy gab es im Vergleich zum normalen Niveau acht Mal mehr Anmeldungen für Ökostrom. Es gilt als bekanntes Phänomen, dass die Bereitschaft zum Wechsel auf umweltfreundlichen Strom dann stark zunimmt, wenn das Thema Atomkraft in der öffentlichen Diskussion viel Raum einnimmt. Letztmals ist dies laut der Nachrichtenagentur AFP bei der Pannenserie im südlich von Hamburg gelegenen Atomkraftwerk Krümmel vor zweieinhalb Jahren der Fall gewesen.

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