Vibrio vulnificus - Person stirbt nach Bad in Ostsee – wegen fleischfressenden Bakterien
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Vibrio vulnificusPerson stirbt nach Bad in Ostsee – wegen fleischfressender Bakterien

In Deutschland ist eine Person an den Folgen einer Infektion mit Bakterien der Art Vibrio vulnificus gestorben. Diese können schwere Durchfälle und Wundinfektionen auslösen, aber auch zum Tod führen.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • An der deutschen Ostsee ist es zu einer tödlichen Vibrionen-Infektion gekommen.

  • Je nachdem, wie die Bakterien in den Körper gelangen, können sie schwere Durchfälle auslösen, aber auch zum Tod führen.

  • Vibrionen werden auch als «fleischfressende Bakterien» bezeichnet.

  • Die verstorbene Person war wohl mit offener Wunde und chronischer Vorerkrankungen baden gegangen.

  • Wegen anhaltender Hitzeperioden hat es in den Meeren mehr gefährliche Bakterien.

Im deutschen Schleswig-Holstein ist ein älterer Mensch nach einer Vibrionen-Infektion gestorben. Die Person sei vermutlich trotz offener Wunde und chronischer Vorerkrankungen in der Ostsee baden gegangen, teilte die Kreisverwaltung am Donnerstag mit. Am 27. Juli sei sie dann im Spital gestorben. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kiel war es in diesem Jahr der erste gemeldete Infektionsfall in dem Bundesland.

Immer wieder kommt es zu solchen Zwischenfällen. Und die Zahl der Vorkommnisse dürfte noch steigen, wie die Expertinnen und Experten vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung BfR schon im vergangenen Jahr warnten. Denn «durch den Klimawandel wird aufgrund steigender Wassertemperaturen weltweit eine Zunahme von Vibrionen erwartet.» Dabei handelt es sich um Bakterien, die je nach Einfallsort am menschlichen Körper Durchfälle oder Wundinfektionen auslösen können:

Kontaminierte Lebensmittel oder verseuchtes Wasser

Zu einer Infektion mit Vibrionen kann es einerseits durch den Verzehr kontaminierter Meeresfrüchte – vor allem von Austern, rohem Fisch und nicht ausreichend erhitzten Produkten – und das Schlucken von kontaminiertem Wasser kommen.

Neben einer solchen lebensmittelbedingten Vibrionen-Infektion, die vor allem Durchfälle hervorruft, kann es durch den Kontakt mit vibrionenhaltigem Wasser zu Ohr- und Wundinfektionen kommen. Verantwortlich dafür ist meist der Keim Vibrio vulnificus, der mitunter lebensgefährliche Blutvergiftungen (Sepsis) hervorrufen kann. Die Bakterien dringen durch offene Wunden ein und gelangen so ins Blut.

Infektionen, Amputationen, Tod

Wird nicht schnell genug gegengesteuert (siehe Box), endet der Kontakt mit Vibrionen mitunter mit Amputationen oder sogar tödlich, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt. Nicht umsonst werden die Erreger als fleischfressende Bakterien bezeichnet.

Wie schnell eine Vibrionen-Infektion voranschreiten kann, zeigen Fälle aus den letzten Jahren (siehe Bildstrecke). Problematisch ist, dass die Betroffenen oft nicht merken, wenn sich die Keime am Körper zu schaffen machen. Als erste Symptome gelten lokaler Schmerz, Fieber und Schüttelfrost. Manche Betroffene erzählen aber auch, dass sie lediglich einen kleinen Fleck am Körper entdeckten, diesen aber auf einen Spinnenbiss zurückführten.

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Das Schwimmen in der Ostsee kann mitunter gefährlich werden.

Das Schwimmen in der Ostsee kann mitunter gefährlich werden.

Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Immer wieder kommt es vor, dass Personen nach einem Bad in der Ostsee versterben.

Immer wieder kommt es vor, dass Personen nach einem Bad in der Ostsee versterben.

Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Sie hatten sich mit Vibrionen-Bakterien infiziert.

Sie hatten sich mit Vibrionen-Bakterien infiziert.

Stefan Sauer/dpa

Menschen mit einem schwachen Immunsystem, Krebserkrankte oder solche mit Leber- oder Nierenschwäche sind besonders gefährdet.

Schnelles Handeln wichtig

Besteht der Verdacht auf eine Vibrionen-Infektion, sollte man keine Zeit verlieren und sich sofort zum Arzt oder ins Spital begeben. Denn Hausmittelchen helfen nicht, und die Infektion schreitet rasch voran. Um schlimme Verläufe zu verhindern, müssen – gerade bei Risikopatienten – Antibiotika gegeben werden, wie das Robert-Koch-Institut betont. Es empfiehlt ausserdem, einen Wundabstrich zu machen, um den genauen Erreger identifizieren zu können. Bei «dringendem Verdacht» sollte die Therapie jedoch «unverzüglich erfolgen».

Gefahr steigt weltweit

Die stäbchenförmigen Erreger fühlen sich bei Wassertemperaturen ab 20 Grad pudelwohl und vermehren sich dann rasant, so das BfR. Die Keime kommen weltweit vor allem in Meeren und Flussmündungen vor. Auch in Brackwasser und Lagunen sind sie anzutreffen. «Gewässer mit Süsswasser sind in der Regel nicht betroffen.»

Wie stark die Gefahr durch Vibrionen zugenommen hat, zeigt unter anderem eine im Januar 2020 im Fachjournal «Advances in Atmospheric Science» veröffentlichte Auswertung von Forschenden um den Ozeanografen und Atmosphärenphysiker Cheng Lijing. Demnach sind die vergangenen fünf Jahre die fünf wärmsten Jahre, die je gemessen wurden.

Auf ein erfrischendes Bad muss jedoch niemand verzichten: Das Wasser an den Badeorten wird regelmässig kontrolliert, und die Behörden warnen bei bestehender Gefahr. Wie man die Gefahr einer Vibrionen-Infektion weiter senken kann, zeigt das obige Video.

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