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Abgas-KrisePersonalkarussell bei VW dreht sich schneller

Die Abgas-Affäre hat weitere Konsequenzen auf das Personal. Die Produktion wird zurückgefahren, es gilt ein Einstellungsstopp und auslaufende Verträge werden nicht verlängert.

von
nab
Produktionen werden zurückgefahren: Zwei Angestellte von VW bei der Arbeit. (Archivbild)

Produktionen werden zurückgefahren: Zwei Angestellte von VW bei der Arbeit. (Archivbild)

Nachdem Volkswagen in den letzten Tagen immer wieder negativ Schlagzeilen machte, erreicht der Skandal nun auch den Alltag vieler Mitarbeiter. Im Motorenwerk Salzgitter wurde erstmals die Produktion zurückgefahren, sagte eine Werkssprecherin und bestätigte damit einen Bericht der «Wolfsburger Allgemeinen».

Vorsorglich sei eine Sonderschicht pro Woche abgesagt worden. In Salzgitter, nach Konzernangaben eines der grössten Motorenwerke der Welt, werden täglich rund 7100 Otto- und Dieselmotoren hergestellt. Im Werk arbeiten rund 7000 Mitarbeiter.

Mündliche Zusagen gilten nach wie vor

Im rund 20 Kilometer entfernten Braunschweig verhängte darüber hinaus die VW-Finanztochter Volkswagen Financial Services bis zum Jahresende einen Einstellungsstopp. «Bereits mündlich gegebene Zusagen für Stellenbesetzungen sind davon aber unberührt», sagte Sprecher Stefan Voges der Deutschen Presse-Agentur.

Ferner sollen alle in diesem Jahr auslaufenden Verträge von Werkstudenten und Zeitarbeitern zunächst nicht verlängert werden. Nach dpa-Informationen sind knapp 30 Zeitverträge betroffen.

Zudem gab es einen weiteren Wechsel in der Führungsebene. Der bisherige Produktionsvorstand Oliver Blume folgt auf den früheren Porsche-Chef Matthias Müller, der vergangene Woche neuer VW-Konzernchef wurde.

Nach Informationen des «Manager Magazin» wurden ein Dutzend VW-Mitarbeiter beurlaubt. Sie seien an Entwicklung und Einsatz der zur Manipulation von Abgaswerten genutzten Software beteiligt gewesen oder hätten zumindest frühzeitig davon gewusst. Deshalb würden sie bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt. Betroffen seien Entwickler und Manager in Deutschland sowie den USA.

Fördergelder zurück

In Frankreich sagte Umweltministerin Ségolène Royal dem französischen Fernsehsender BFMTV, wenn der der Verkauf angeblich sauberer Fahrzeuge mit Fördergeldern zusammenhänge, «dann müssen diese öffentlichen Hilfen zurückgezahlt werden».

Auch Spanien sucht nach rechtlichen Wegen, wie eine Erstattung von Subventionen für schadstoffarme Autos geltend gemacht werden kann, wie Industrieminister José Manuel Soria sagte.

Nach Volkswagen stellte auch die Konzerntochter Audi Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt. «Damit wollen wir den Prozess der Aufklärung unterstützen», erklärte ein Audi-Sprecher.

Weitere Klagen gegen VW

In den USA gingen weitere Klagen gegen Volkswagen ein. Das Harris County in Texas fordert wegen Luftverpestung durch mindestens 6000 in der Region verkaufte VW-Diesel mehr als 100 Millionen Dollar, wie das Büro des zuständigen Staatsanwalts Vince Ryan in Houston mitteilte.

Der Konzern hatte mitgeteilt, dass alleine von der Kernmarke VW fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten geholt werden sollen. Die betroffenen VW-Kunden sollen demnächst per Post informiert werden, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. Vor zehn Tagen war herausgekommen, dass VW in den USA mit einem Computerprogramm die Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert hat. Weltweit sind nach Konzernangaben rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. (nab/sda)

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