Caliente: Personalmangel bei Mega-Events – jetzt helfen Ukrainerinnen und Ukrainer aus

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CalientePersonalmangel bei Mega-Events – jetzt helfen Ukrainerinnen und Ukrainer aus

Die Personalnot bei Events und Festivals ist derzeit so gross, dass nun auch ukrainische Flüchtlinge zum Einsatz kommen – zu bescheidenen Löhnen.

von
Fabian Pöschl
Michelle Ineichen
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Beim Caliente arbeiten wegen der Personalnot zwei Ukrainerinnen als Helferinnen.

Beim Caliente arbeiten wegen der Personalnot zwei Ukrainerinnen als Helferinnen.

Caliente
«Die Unterstützung aus der Ukraine kam gerade im richtigen Moment. Ich bin begeistert von der Arbeitsqualität der beiden», sagt Festival-Organisator Roger Furrer. 

«Die Unterstützung aus der Ukraine kam gerade im richtigen Moment. Ich bin begeistert von der Arbeitsqualität der beiden», sagt Festival-Organisator Roger Furrer. 

Tamedia AG
Sie flüchteten im März vor dem Krieg.

Sie flüchteten im März vor dem Krieg.

REUTERS

Darum gehts

  • Beim Caliente ist die Personalnot gross.

  • Deshalb helfen jetzt zwei Ukrainerinnen beim Latin-Festival aus.

  • Auch bei Openairs arbeiten diesen Sommer Ukrainerinnen und Ukrainer.

Sommer ist Festival-Zeit: An den Openairs und Stadtfesten brauchts jeweils zahlreiche Helferinnen und Helfer, die im Service arbeiten oder Müll wegräumen. Doch wie in der Gastronomie und anderen Branchen, etwa der Flugbranche, spüren nun auch diese Events den Personal- und Fachkräftemangel. Auch beim Zürcher Caliente ist die Personalnot gross, wie Festival-Organisator Roger Furrer sagt. «Es fehlt uns an allen Ecken und Enden an Personal.»

Auch deshalb habe das Caliente zwei ukrainische Flüchtlinge angestellt, die in ihrer Heimat als Veranstalterinnen arbeiteten (siehe Box). «Die Unterstützung aus der Ukraine kam gerade im richtigen Moment. Ich bin begeistert von der Arbeitsqualität der beiden», sagt Furrer. 

Die im Festivalbetrieb erfahrenen Ukrainerinnen verteilten hauptsächlich Flyer und kommunizieren auf Englisch. Dafür bekommen sie laut Furrer etwa 25 Franken pro Stunde, geregelt in einem mündlichen Arbeitsvertrag. «Leider kann ich ihnen nach dem Ende des Festivals keine Festanstellung anbieten», so Furrer. Er hoffe jedoch, dass die Ukrainerinnen durchs Netzwerken bei der Arbeit einen Anschlussjob finden.

«Wir sind unglaublich dankbar»

Karyna Yamtsun und Oleksandra-Mariia Yaholnyk sind aus der Ukraine geflüchtet und helfen nun beim Caliente aus. In ihrem Heimatland organisierten die beiden bereits Festivals und Konzerte. Sie flohen Anfang März. «Durch Zufall landeten wir in der Schweiz, wo der Staat uns Schutz gewährte. Dafür sind wir sehr dankbar», sagt Yamtsun. Auf der Suche nach Arbeit seien die beiden dann auf das Festival gestossen. «Wir sind dem Caliente unglaublich dankbar. Das Team ist für uns zu einer zweiten Familie in unserem neuen Land geworden», sagt Yaholnyk.

Auch beim Openair St. Gallen meldeten sich Personen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft als freiwillige Helferinnen und Helfer, wie es auf Anfrage heisst. Ob es geflüchtete Menschen sind, sei allerdings unklar. Als freiwillige Helfer gibts etwa einen Openair-Vier-Tages-Pass und Verpflegung.

Bei der Streetparade sei man offen, ukrainische Flüchtende einzustellen, sagt Sprecher Stefan Epli. Da sich die Techno-Party jedoch noch in der Personalrekrutierung befinde, lasse sich nicht mehr dazu sagen.

Sechs Franken pro Stunde beim Schwingfest

Das Eidgenössische Schwingfest (ESAF) im Baselbiet sucht ebenfalls Helferinnen und Helfer für Acht-Stunden-Einsätze am Tag in Gastrobetrieben und an Flaschen-Rücksammelstellen, auch ukrainische Flüchtlinge seien willkommen. Dafür bekämen sie – wie die anderen Helferinnen und Helfer auch – sechs Franken pro Stunde. Wegen möglicher Sprachprobleme könne das Schwingfest an Infoständen aber nur Personen einsetzen, die Deutsch sprechen und verstehen.

Lohndumping verhindern

Flüchtende sollten denselben Zugang zu solchen Einsätzen wie alle anderen haben, heisst es bei der Gewerkschaft Unia. «Problematisch wird es, wenn kommerzielle Veranstalter von Grossevents versuchen, mit dem Helfer-Modell ordentliche Arbeitsplätze zu ersetzen und damit die branchenüblichen Löhne zu umgehen», sagt Sprecher Christian Capacoel Guzmán.

Ukrainische Flüchtende müssten gleich behandelt werden wie Schweizer Arbeitnehmende. Sonst bestehe die Gefahr des Lohndumpings. Wenn sie als Arbeitnehmende für eine reguläre Arbeit nur sechs Franken bekämen, sei das skandalös. Das müsste man noch abklären. 

Kantone kontrollieren Löhne

Der Bund bewertet die Einsätze der Flüchtlinge positiv: Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat laut einem Sprecher ein «grosses Interesse» daran, dass Geflüchtete aus der Ukraine am Arbeitsmarkt teilnehmen. «Jede Erwerbstätigkeit senkt die Abhängigkeit von der Sozialhilfe», so der Sprecher.

Vor Stellenantritt brauche es beim Kanton des Arbeitsortes eine Arbeitsbewilligung. Dazu sei ein Arbeitsvertrag nötig. Die Kantone prüfen, ob die geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Beim Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit heisst es auf Anfrage, dass keine Fälle von zu geringer Bezahlung bekannt sind. 

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