«Internationale Legion» – Freiwillige aus der Schweiz wollen für die Ukraine in den Krieg ziehen
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«Internationale Legion»Freiwillige aus der Schweiz wollen für die Ukraine in den Krieg ziehen

Aus den USA, Grossbritannien oder Kanada strömen derzeit Hunderte in die Ukraine, um am Verteidigungskampf gegen Russland teilzunehmen. Auch in der Schweiz haben sich bereits Freiwillige gemeldet.

von
Daniel Krähenbühl
Noah Knüsel
Tanya Vögeli
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Hunderte Personen sind dem Aufruf des ukrainischen Präsidenten bereits gefolgt und wollen für die Ukraine kämpfen.

Hunderte Personen sind dem Aufruf des ukrainischen Präsidenten bereits gefolgt und wollen für die Ukraine kämpfen.

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«Jeder, der sich der Verteidigung der Ukraine, Europas und der Welt anschliessen will, kann kommen und Seite an Seite mit den Ukrainern gegen die russischen Kriegsverbrecher kämpfen», sagte Selenski.

«Jeder, der sich der Verteidigung der Ukraine, Europas und der Welt anschliessen will, kann kommen und Seite an Seite mit den Ukrainern gegen die russischen Kriegsverbrecher kämpfen», sagte Selenski.

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Wer bei der «internationalen Legion» kämpfen wolle, soll sich bei der jeweiligen ukrainischen Botschaft im Land melden, so der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba.   

Wer bei der «internationalen Legion» kämpfen wolle, soll sich bei der jeweiligen ukrainischen Botschaft im Land melden, so der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba.   

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Darum gehts

  • Ukraines Präsident rief die «Bürger der Welt» dazu auf, sich dem Kampf gegen die russischen Truppen anzuschliessen.

  • Wer bei der internationalen Legion kämpfen will, soll sich bei der jeweiligen ukrainischen Botschaft im Land melden, so der Aufruf. 

  • In der Schweiz haben sich bisher zwei Personen bei der Botschaft gemeldet. 

  • Der Zustrom ausländischer Kämpfer in der Ukraine vergrössere das Risiko für eine weitere Eskalationsspirale mit Russland, warnt Tobias Vestner, Programmleiter «Sicherheit und Recht» am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik.

«Die Ukraine ruft! Schliesse dich heute noch an»: Mit Aufrufen auf Twitter, Instagram und Facebook werden derzeit Freiwillige dazu aufgefordert, sich am Kampf gegen die russischen Streitkräfte zu beteiligen. Anlass dazu gab der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, der am Sonntag die Gründung einer internationalen Legion mit 16’000 Kämpfern ankündigte.

Ausländische Staatsbürger, die in der Ukraine kämpfen wollten, sollten sich bei der ukrainischen Botschaft in ihrem Land melden. «Jeder, der sich der Verteidigung der Ukraine, Europas und der Welt anschliessen will, kann kommen und Seite an Seite mit den Ukrainern gegen die russischen Kriegsverbrecher kämpfen», sagte Selenski. Damit sind sie nicht allein: Hunderte Personen aus Grossbritannien, Kanada, den USA und sogar Japan sind auf dem Weg in die Ukraine oder bereits vor Ort. Die britische Aussenministerin Liz Truss sprach in einer BBC-Sendung kampfwilligen Briten gar offenherzig ihre Unterstützung aus.

Auch Personen aus der Schweiz wollen sich offenbar beteiligen: Wie eine Person aus dem nahen Umfeld der ukrainischen Botschaft in der Schweiz gegenüber 20 Minuten bestätigt, haben sich bereits zwei Personen gemeldet, um für die Ukraine in den Krieg zu ziehen. Die Botschaft prüfe derzeit ihren Eintritt in den Militärdienst. Ob es sich um Schweizer Staatsangehörige handelt, bleibt unklar.

Aus gutem Grund: Schweizer Staatsbürger, die dem Aufruf Selenskis folgen, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, sagt Florian Menzi, Mediensprecher der Militärjustiz. Dabei spiele es keine Rolle, ob man in der Logistik oder Sanität Dienst leistet oder Kampfeinsätze absolviert. «Der Dienst in einer fremden Streitkraft ist allen Schweizer Staatsangehörigen grundsätzlich verboten», so Menzi. Im Rahmen der Strafzumessung könne es aber durchaus von Relevanz sein, ob ein Kampfeinsatz geleistet worden sei oder nicht.

Bisher drei Verfahren eingeleitet 

Es wäre nicht das erste Mal, dass das Thema die Militärjustiz beschäftigt: Im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine seit 2014 seien bisher drei Verfahren wegen Leistens von fremdem Militärdienst eingeleitet worden, sagt Menzi. Ob im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen weitere Personen mit Schweizer Staatsbürgerschaft in die Ukraine zwecks Leistens von fremdem Militärdienst gereist sind, sei jedoch nicht bekannt. «Sollte die Militärjustiz von solchen Fällen Kenntnis erhalten, wird ein Verfahren eingeleitet.»

Tobias Vestner, Programmleiter «Sicherheit und Recht» am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, hält es für richtig, dass die Schweiz ihre Staatsbürger vom Söldnerdienst abhält: «Dass gewisse europäische Staaten es sogar aktiv unterstützen, dass ihre Bürger als Söldner in einer fremden Armee eingesetzt werden, ist sehr gefährlich.»

«Putin könnte das als Kriegserklärung verstehen»

Das Risiko einer weiteren Eskalationsspirale mit Russland steige dadurch extrem – auch, weil vor Ort nicht erkennbar sei, ob eine Person von einem ausländischen Spezialkommando geschickt wurde oder wirklich aus eigener Initiative kämpfe, sagt Vestner. «Wenn Amerikaner, Briten oder Franzosen mit der Einwilligung ihrer Staaten gegen Russland kämpfen, könnte Putin das als Kriegserklärung verstehen.»

Die Unterstützung des Westens für die internationale Legion sei als «Überreaktion» zu verstehen, sagt Vestner. «Europa ist von Putin auf dem falschen Fuss erwischt worden und reagiert jetzt hastig.» Dabei wäre es jetzt sehr wichtig, Missverständnisse zu vermeiden und langfristig zu denken. «Wenn jetzt ein ‹free for all› entsteht und der Söldnerdienst legitimiert wird, könnte das in Zukunft zum Bumerang werden.»

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