21.10.2020 12:51

Avenir Suisse-ForderungPersonen in Quarantäne sollen an der frischen Luft spazieren dürfen

Avenir Suisse schätzt, dass in den vergangenen Monaten über 200’000 Schweizer in Quarantäne mussten. Nur ein kleiner Teil sei positiv getestet worden. Darum sollen die Quarantäne-Regeln angepasst werden.

von
Daniel Waldmeier
Daniel Krähenbühl
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Schickt Menschen in die Quarantäne: Ein Zürcher Contact-Tracing-Team.

Schickt Menschen in die Quarantäne: Ein Zürcher Contact-Tracing-Team.

KEYSTONE
Laut einer Studie von «Avenir Suisse» waren in der Schweiz seit Juni 200’000 Menschen von Quarantänemassnahmen betroffen.

Laut einer Studie von «Avenir Suisse» waren in der Schweiz seit Juni 200’000 Menschen von Quarantänemassnahmen betroffen.

KEYSTONE
Rate steigend: Laut der Studie sind acht Prozent aller Personen in Quarantäne Corona-positiv.

Rate steigend: Laut der Studie sind acht Prozent aller Personen in Quarantäne Corona-positiv.

Keystone

Die liberale Denkfabrik Avenir Suisse fordert eine Anpassung der Schweizer Quarantäne-Massnahmen: Das bisherige Gebot, die eigenen vier Wände bis zu zehn Tage nicht zu verlassen, sei «weder angemessen noch erforderlich». Die Ausgestaltung des Quarantäne-Regimes sollte überdacht werden, sagt Jürg Müller, Co-Autor des Berichts: «Etwa Spaziergänge an der frischen Luft – eventuell mit Auflagen wie dem Tragen einer Maske – sollen erlaubt sein.»

10 Tage unter scharfen Hausarrest gestellt zu werden, sei «ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit», sagt Müller. Um eine solche Massnahme zu legitimieren, brauche es fundierte Zahlen der Kantone. Diese fehlten jedoch. «Unsere Sorge ist daher, dass darum das Verständnis für die Quarantänemassnahmen in der Bevölkerung sinkt.»

Über 200’000 Personen in Quarantäne gestellt

Zwar publiziere der Bund wöchentlich, wie viele Menschen in der Schweiz wegen eines Risikokontakts oder einer Reise in ein Risikogebiet unter Quarantäne stünden. Bislang liegen jedoch keine Zahlen vor, wie viele Leute schweizweit in Quarantäne mussten – und wie viele davon dann auch tatsächlich positiv getestet wurden.

Darum hat Avenir Suisse eine Schätzung erstellt. Das Ergebnis: In den vergangenen vier Monaten wurden in der Schweiz über 2000’000 Quarantänemassnahmen ausgesprochen. Auf Basis von kantonalen Daten kommt Avenir Suisse auf 265’000 bis 270’000 Personen, die seit Beginn der Pandemie unter Quarantäne gestellt wurden.

Quarantäne zielt oft ins Leere

Avenir Suisse hat auch die «Zielgenauigkeit» der Quarantäne-Massnahmen untersucht. Aufgrund von Kantonszahlen gehen die Forscher davon aus, dass maximal ein Drittel der rund 50’000 Personen, die zwischen Ende Juni und dem 19. Oktober positiv getestet wurden, zum Zeitpunkt des Tests bereits unter Quarantäne gestanden hatten.

So kommt der Thinktank zur Schätzung, dass weniger als 8 Prozent der seit dem Sommer unter Quarantäne gestellten Personen später auch positiv getestet wurden. Demnach wären rund 184’000 Personen «vergeblich» in Quarantäne geblieben.

Rückreise-Quarantäne sei «grundlegend zu überdenken»

Daraus folgern die Ökonomen, dass eine Debatte über das Quarantäne-Regime dringend nötig sei. Erstens seien verlässliche Daten zu erheben. «Es irritiert, dass keine einzige Behörde in diesem Land zu wissen angibt, wie viele Personen während ihrer Reiserückkehrer-Quarantäne positiv getestet wurden», schreiben die Autoren.

Zweitens seien die Massnahmen zu wenig «zielgenau». Die Autoren fordern den Bundesrat auf, insbesondere bei der Rückreise-Quarantäne über die Bücher zu gehen. «Besonders vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen im Inland ist die Rückreise-Quarantäne grundlegend zu überdenken.»

Wie es im Avenir-Suisse-Papier weiter heisst, stelle man mit dem kritischen Befund zum Schweizer Quarantäne-Regime das Prinzip einer Test-and-Trace-Strategie nicht infrage. Diese werde die Bevölkerung aber nur akzeptieren, wenn der Eingriff in die persönliche Freiheit gezielt und verhältnismässig erfolge.

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710 Kommentare
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Bernd S.

22.10.2020, 15:25

Ein gesundes Immunsystem ist bei Menschen ohne schwerwiegende Vorerkrankungen der beste Schutz gegen Covid-19. Warum spricht niemand über einen gesunden Vitamin D3, K2 und Magnesiumspiegel? Warum informiert niemand über die positive Wirkung von OPC und Vitamin C? In erster Linie schützt uns die gesunde Psyche und eine vitaminreiche Ernährung. (Quelle: Buch "Ein medizinischer Insider packt aus")

Münti

22.10.2020, 09:28

Das ist überhaupt nicht der Zweck einer Quarantäne und schadet nur.... Bleibt doch einfach Zuhause und geht dort eurem Sportdrang nach bei offenem Fenster so bleiben alle gesund!!!!!!!!

Wohl ein Witz

22.10.2020, 08:55

Dann ist es keine Qarantäne im Sinne des Wortes mehr. Andere können angesteckt werden. Nun, Avenir Suisse ist für mich untendurch, dies schon lange.