ALV-Revision: «Personen mit hohem Lohn profitieren»
Aktualisiert

ALV-Revision«Personen mit hohem Lohn profitieren»

Jean Christophe Schwaab, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, erklärt, weshalb er gegen die 4. Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (ALV) ist.

von
Gérard Moinat

Warum lehnen Sie die ALV-Revision ab?

Jean Christophe Schwaab: Sie diskriminiert Jugendliche und Normalverdienende. Kommt die Revision durch, zahlen sie mehr für weniger Leistungen. Personen mit hohen Einkommen profitieren.

Zwar sind 4,9 Prozent der Jungen ohne Arbeit, aber zwei Drittel haben nach sechs Monaten wieder einen Job. Zudem sind Junge doch flexibler?

Ja, flexibler sind sie. Aber dies ist kein Grund, die Bedingungen zum Taggeldbezug zu verschärfen. Denn wenn Jugendliche wirklich nicht auf die ALV angewiesen wären, bräuchte es keine Gesetzesänderung, die 46 Millionen Franken einspart.

Und wieso profitieren Reiche?

Mit der Revision müssen selbst Millionen-Verdiener nur ALV-Beiträge bis 315 000 Franken bezahlen. Das ist viel zu wenig. CS-CEO Brady Dougan mit einem Lohn von über 90 Millionen Franken würde lediglich 0,001 Prozent an die ALV beitragen oder in Zahlen 4662 Franken.

Was ist Ihr Plan?

Auch wir wollen das 7-Milliarden-Loch stopfen, aber nicht verbunden mit einem Leistungsabbau. Die jetzige Revision will sie auf dem Buckel der Normalverdiener sanieren. Würden ALV-Beiträge aber wie bei der AHV auf die gesamte Lohnsumme erhoben, bezahlten also Besserverdienende mehr, dann wären die Finanzen der Arbeitslosenversicherung ausgeglichen.

Saniert ist sie damit nicht.

Das stimmt. Um die Schulden abzubauen, schlägt der Bundesrat ein Solidaritätsprozent für hohe Einkommen vor. Damit sind wir einverstanden.

Sparpotenzial von 622 Mio Fr

Am 26. September wird über die 4. Revision der Arbeitslosenversicherung abgestimmt. Bürgerliche Parteien, der Bundesrat und der Arbeitgeberverband wollen damit das ALV-Defizit sanieren. Veranschlagt ist ein Sparpotenzial von insgesamt 622 Millionen Franken. Die linken Parteien, die Gewerkschaften, aber auch die Städte sind dagegen. 20 Minuten lässt in der heutigen Ausgabe die Gegner zu Wort kommen, morgen sind die Befürworter dran.

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