Aktualisiert 04.07.2020 17:39

Zoo Zürich«Ein Zoo-Mitarbeiter rannte mit einem Gewehr zum Gehege»

Im Zoo Zürich ist es am Samstag zu einem tragischen Zwischenfall gekommen. Eine Tierpflegerin wurde von einem Tiger angegriffen und tödlich verletzt.

von
Thomas Mathis, Tobias Wedermann, Tunya Koch
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Der Bereich um das Tigergehege im Zoo Zürich war am Samstagnachmittag abgesperrt.

Der Bereich um das Tigergehege im Zoo Zürich war am Samstagnachmittag abgesperrt.

Leser-Reporter
Eine Tierpflegerin war in einem Gehege von einem Tiger angegriffen worden.

Eine Tierpflegerin war in einem Gehege von einem Tiger angegriffen worden.

Leser-Reporter
Trotz sofortiger Reanimationsmassnahmen kam für die 55-jährige Frau jede Hilfe zu spät.

Trotz sofortiger Reanimationsmassnahmen kam für die 55-jährige Frau jede Hilfe zu spät.

BRK News

Von einem «tragischen Vorfall» schreibt der Zoo Zürich in einer Mitteilung. Kurz vor 13.20 Uhr habe die interne Notfallstelle die Mitteilung erhalten, dass eine Tierpflegerin in der Tigeranlage von einem Amurtiger angegriffen worden sei. Eine Gruppe Tierpfleger rückte darauf sofort zur Anlage aus. Es sei ihnen gelungen, die Tigerin Irina mit Rufen von der Tierpflegerin weg, aus der Anlage und in den Stall zu locken.

Die sofort ausgerückten Spezialisten von Schutz & Rettung konnten dann laut Mitteilung der Stadtpolizei Zürich in die Tiger-Anlage, um sich sofort um die verletzte Tierpflegerin zu kümmern. Trotz sofortigen Reanimationsmassnahmen kam für die 55-jährige Frau jede Hilfe zu spät.

Eigentlich werden die Tiger im Zoo Zürich ohne menschlichen Kontakt gepflegt. Das heisst, dass Pfleger und Tiger nie im selben Raum sein dürfen. «Dass sich Tier und Pflegerin im selben Gehege befinden, sollte nicht sein», sagte der Zoo-Direktor Severin Dressen. Weshalb dies hier nicht der Fall war, wird nun untersucht. Das Institut für Rechtsmedizin sicherte Spuren, die weitere Untersuchung wird nun von der Staatsanwaltschaft geführt. Eventuell habe es sich um ein Missverständnis gehandelt, bei dem die Pflegerin in dem Moment davon ausging, dass die Tigerin nicht dort ist.

Aufgrund des tragischen Vorfalls vom Samstag bleibe der Zoo am Sonntag aus Pietätsgründen geschlossen, teilte der Zoo mit. «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Mitarbeiterin», hiess es am Samstagabend auf Twitter.

«Schockierte Gesichter»

Viktoria Meyer war mit zwei Kindern im Zoo, als der Vorfall passierte. Sie habe mitbekommen, wie eine Frau vom Vorfall erzählt habe. «Die Frau hat eine Person mit einer Schaufel im Gehege gesehen, die um Hilfe schrie.» Später seien die Besucher weggeschickt worden. «Sie machten schockierte Gesichter, manche weinten.» Darauf seien bald schon Polizei und Krankenwagen gekommen. «Auch ein Mitarbeiter mit einem Gewehr in der Hand ging zum Gehege.»

Wie es genau zum tragischen Vorfall gekommen ist, weshalb sich die Tierpflegerin zur gleichen Zeit wie der Tiger in der Anlage aufgehalten hat, wird jetzt durch die zuständige Staatsanwaltschaft, die Stadtpolizei Zürich, das Forensische Institut Zürich sowie dem Institut für Rechtsmedizin abgeklärt. Für Mitarbeitende und Zoobesuchende, die die Attacke miterlebt haben, wurde ein Care-Team aufgeboten.

Im Zoo leben zwei Amurtiger – das fünfjährige Weibchen Irina und das viereinhalbjährige Männchen Sayan. Ein Leser-Reporter war im Shop des Zoos Zürich, als drei Polizeiautos angefahren kamen. «Die Einsatzkräfte rannten mit Gummischrot und Pfefferspray auf das Zoo-Areal», so der Leser. Anschliessend sei ein grosser Bereich des Zoos für die Besucher abgesperrt worden.

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Erst im Dezember war es im Zoo Zürich zu einem tragischen Vorfall gekommen. Ein männliches Philippinen-Krokodil musste erschossen werden. Es hatte eine Tierpflegerin während Reinigungsarbeiten in die Hand gebissen und minutenlang nicht mehr losgelassen.

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