Gefahr für Kolonien: Pestizid schädigt Gehirne von jungen Hummeln
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Gefahr für KolonienPestizid schädigt Gehirne von jungen Hummeln

Das Insektenvernichtungsmittel Imidacloprid beeinträchtigt das Wachstum von Hummelgehirnen sowie die Lernfähigkeit der Bestäuber.

von
jcg
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Insektizide der Gruppe der Neonicotinoide werden für das sogenannte Bienensterben der letzten Jahre verantwortlich gemacht. Neben Bienen sind auch Hummeln betroffen.

Insektizide der Gruppe der Neonicotinoide werden für das sogenannte Bienensterben der letzten Jahre verantwortlich gemacht. Neben Bienen sind auch Hummeln betroffen.

Keystone/AP/Charlie Neibergall
Britische Forscher des Imperial College London haben nun einen weiteren Beleg für die Schädlichkeit eines der Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide gefunden. Das Insektengift Imidacloprid führt zu permanenten Schäden in den Gehirnen von Hummeln.

Britische Forscher des Imperial College London haben nun einen weiteren Beleg für die Schädlichkeit eines der Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide gefunden. Das Insektengift Imidacloprid führt zu permanenten Schäden in den Gehirnen von Hummeln.

Tara Cox/Imperial College London
Hummeln, die als Larven dem Imidacloprid ausgesetzt waren, zeigten eine «deutliche beeinträchtigte Lernfähigkeit». Das Insektizid führte dazu, dass die Hummeln kleinere und in ihrer Funktion eingeschränkte Gehirne haben. (Im Bild: CT-Scan eines Hummelhirns)

Hummeln, die als Larven dem Imidacloprid ausgesetzt waren, zeigten eine «deutliche beeinträchtigte Lernfähigkeit». Das Insektizid führte dazu, dass die Hummeln kleinere und in ihrer Funktion eingeschränkte Gehirne haben. (Im Bild: CT-Scan eines Hummelhirns)

Dylan Smith/Imperial College London

Britische Forscher haben einen weiteren Beleg für die Schädlichkeit von Imidacloprid für Hummeln gefunden. Das Pestizid aus der Gruppe der Neonicotinoide führt zu permanenten Schäden in den Gehirnen von Hummeln, wie sie im Fachjournal «Proceedings of the Royal Society B» berichten.

Für ihre Studie setzten die Forscher Hummeln im Larvenstadium kleinen Mengen des Insektenvernichtungsmittels aus. Dann wurde ihre Lernfähigkeit drei und zwölf Tage nach dem Erwachsenwerden gemessen. Die Hummeln, die als Larven dem Imidacloprid ausgesetzt waren, zeigten eine «deutlich beeinträchtigte Lernfähigkeit» im Vergleich mit der Kontrollgruppe, die keinen Kontakt mit dem Insektizid hatte.

Kleinere Gehirne

Für die Studie scannten die Forscher des Imperial College London die Gehirne von rund 100 Hummeln aus verschiedenen Kolonien. Dabei zeigte sich, dass die für das Lernen zuständige Gehirnregion der dem Insektizid ausgesetzten Hummeln kleiner war.

Richard Gill, der Hauptautor der Studie, sagte in einer Mitteilung: «Hummelkolonien funktionieren als Superorganismus. Wenn also Gifte in die Kolonie gelangen, können sie Probleme bei der Entwicklung von Babyhummeln verursachen.»

«Es ist beunruhigend. Wenn junge Hummeln mit Pestizid-verseuchter Nahrung gefüttert werden, wachsen Teile ihrer Gehirne schlechter, was dazu führt, dass ältere Hummeln kleinere und in ihrer Funktion eingeschränkte Gehirne haben.» Der Effekt dürfte permanent und unumkehrbar sein, so Gill.

Schaden für ganze Kolonien

Die Resultate zeigten auf, dass Kolonien auch noch Wochen nach dem Kontakt mit Pestiziden beeinträchtigt werden könnten, wenn aus den jungen erwachsene Tieren würden, die nicht richtig nach Nahrung suchen könnten, sagt Gill weiter.

Imidacloprid gehört zu den weltweit am meisten eingesetzten Pestiziden. Da es für Bienen und andere Bestäuber ein Risiko darstellt, ist in der Schweiz die Anwendung im Freiland seit Anfang 2019 verboten, zusammen mit den beiden anderen Neonicotinoiden Clothianidin und Thiamethoxam. Sie dürfen nur noch in dauerhaft errichteten Gewächshäusern verwendet werden.

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