«Sie wiederholen die Lügen»: Peter Hans Kneubühl bleibt seinem Verwahrungs-Prozess fern
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«Sie wiederholen die Lügen»Peter Hans Kneubühl bleibt seinem Verwahrungs-Prozess fern

Am Mittwoch entscheidet das Obergericht des Kantons Bern über die Zukunft von Peter Hans Kneubühl. Dem 77-Jährigen droht die Verwahrung. Trotzdem schwänzt er den Prozess – und liefert per Brief seine Gründe dazu.

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Das Obergericht im Berner Länggasse-Quartier befasst sich heute mit Hans Peter Kneubühl.
Tamedia/Franziska Rothenbuehler

Das Obergericht im Berner Länggasse-Quartier befasst sich heute mit Hans Peter Kneubühl.
Tamedia/Franziska Rothenbuehler

Mit diesem Fahndungsfoto wurde er im September 2010 landesweit gesucht. Der Seeländer hatte sich mit Waffengewalt gegen die Zwangsversteigerung seines Hauses gewehrt.

Mit diesem Fahndungsfoto wurde er im September 2010 landesweit gesucht. Der Seeländer hatte sich mit Waffengewalt gegen die Zwangsversteigerung seines Hauses gewehrt.

Kantonspolizei Bern
Im März 2020 wurde er vom Regionalgericht zu einer Verwahrung verurteilt. Dagegen wehrt sich der heute 77-Jährige nun. 

Im März 2020 wurde er vom Regionalgericht zu einer Verwahrung verurteilt. Dagegen wehrt sich der heute 77-Jährige nun.

Screenshot SRF

Darum gehts

  • Das Obergericht des Kantons Bern befasst sich am Mittwoch erneut mit Peter Hans Kneubühl.

  • Der Bieler Rentner ist nicht mit der angeordneten Verwahrung des Regionalgerichts einverstanden.

  • Nun streickt der Seeländer jedoch am Berufungsprozess.

  • Die Richter haben entschieden, dass dieser nun ohne Kneubühl stattfindet.

2010 hielt er für mehrere Tage die Schweiz in Atem. Mit Waffengewalt wehrte er sich gegen die Zwangsräumung seines Hauses, verletzte einen Polizisten durch einen Schuss schwer und versteckte sich danach lange vor der Polizei. Im März 2020 entschied das Regionalgericht in Biel, dass der Rentner verwahrt werden soll. Dagegen wehrte sich der Seeländer – tauchte nun jedoch nicht an die Berufungsverhandlung im Berner Obergericht auf.

Wie der «Blick» schreibt, streikt der Querulant. Per Brief hat er sich laut dem Gerichtspräsidenten abgemeldet: «Leider muss ich feststellen, dass zum Prozess nur Leute vorgeladen werden, die bereits gegen mich geurteilt haben. Sie wiederholen einfach die Lügen», liesst der Richter das Schreiben im Gerichtssaal vor. Kneubühl verlangt darin nicht nur eine Neubeurteilung seiner Verwahrung, sondern auch, dass seine Taten von September 2010 vom Gericht neu eingeschätzt werden. Das Obergericht will letzterem jedoch nicht nachkommen. Auch wird die Verhandlung nun ohne Kneubühl von statten gehen. «Herr Kneubühl weiss, um was es gegangen wäre hier und hat entschieden, nicht zu kommen.»

Folge von Therapie-Verweigerung

Im März letzten Jahres verhängte das Regionalgericht in Biel Peter Hans Kneubühl zu verwahren. Es entsprach damit einem Antrag der Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD) des Kantons Bern. Sie hatten 2018 die vom Bieler Gericht gegen Kneubühl verhängte stationäre Massnahme aufgehoben, weil sich der renitente Bieler Rentner nicht therapieren lassen wollte.

Die Tat von Peter Hans Kneubühl

Wegen Peter Hans Kneubühl herrschte im September 2010 tagelang Ausnahmezustand in Biel. Seine Liegenschaft im Lindenquartier sollte öffentlich versteigert werden. Ursache für die Räumung des Hauses war ein langer Erbschaftsstreit mit seiner Schwester. Am Tag der geplanten Hausbesichtigung, dem 8. September, verschanzte sich Kneubühl im Haus. Kontaktversuche durch Behörden und die Polizei scheiterten. An den folgenden Tagen gab der Rentner mehrere Schüsse ab. Einer verletzte einen Polizisten schwer am Kopf. Danach gelang Kneubühl die Flucht. Mehrere Tage lang fahndete ein Grossaufgebot der Polizei erfolglos nach ihm. Erst am 17. September wurde er gefasst.

(cho)

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