Drama von Biel: Peter K. ist auf der Flucht

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Drama von BielPeter K. ist auf der Flucht

Der 67-jährige Peter K. aus Biel versetzt seit Donnerstagmorgen das Lindenquartier in Angst und Schrecken. Mit Gewalt will der Rentner vermeiden, dass sein Elternhaus zwangsversteigert wird.

Peter K.* ist auf der Flucht. Am Donnerstagabend hat die Berner Kantonspolizei eine Grossfahndung nach dem Mann eingeleitet, ein Bild veröffentlicht und die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche gebeten. Die Polizeipräsenz in Biel und Umgebung wurde erhöht.

Zwei Leser-Reporter berichten, dass die Suche am Donnerstagnachmittag bis nach Büren an der Aare ausgeweitet worden war. Einer sah Polizisten mit einem Hund bei einem Wald. Ein anderer Leser schrieb, ein Superpuma ziehe dort seine Kreise sowie über Safern und Meinisberg. Auch über dem Wald des Lindenquartiers kreist nach Angaben eines dritten Leser-Reporters wieder ein Helikopter mit Wärmebildkamera.

Gefährlicher Querulant

Die Behörden gehen davon aus, dass Peter K. gewaltbereit ist. Gemäss «Schweiz Aktuell» ist der Schütze aus Biel ein bekannter Querulant. Am Mittwoch hätte er zum Psychiater gebracht werden sollen. Als die Beamten auftauchten, ging das Drama los. Gegen den 67-jährigen Schützen wurde angeblich ein fürsorgerischer Freiheitsentzug angeordnet.

Der Bieler Regierungsstatthalter Werner Könitzer hatte den Entzug, sprich die Verhaftung, befohlen. Als die Polizei vor seinem Haus auftauchte, verschanzte er sich mit seiner Waffe.

Nach K.s Flucht beschützte die Polizei das Amt des Regierungsstatthalters. Aufgrund verschiedener Briefwechsel habe man «eine Drohung ableiten können», sagte Könizer gemäss «Schweiz Aktuell».

Gefahr für die Bevölkerung

Polizeichef Gaudy sagte gemäss SDA, die Bevölkerung müsse zwar nicht beunruhigt sein. «Wir müssen allerdings davon ausgehen, dass der Mann bewaffnet ist - dies stellt immer eine Gefahr für die Bevölkerung dar», stellte Gaudy klar. Gemäss Gaudy ist der Schütze mit einem Gewehr bewaffnet. Ob es ein Sturmgewehr ist und ob der Mann einen Waffenschein besitzt, konnte der Polizeichef gemäss SDA nicht sagen.

Noch am frühen Nachmittag hatte sich die Polizei bei der Fahndung nach dem Schützen auf das Lindenquartier bei Biel konzentriert. Mittlerweile wurde für die direkten Anwohner aber Entwarnung gegeben, sie durften in ihre Häuser zurückkehren: «Um 19:15 Uhr teilte uns die Polizei mit, dass wir zurückkönnen. Wir wurden zu Fuss zu unserem Haus begleitet. Mit den Fahrzeugen durften wir nicht hinfahren», berichtet Stefanie, die zuvor mit vier weiteren Familienangehörigen in der Zivilschutzanlage ausharrte.

Wie das Drama seinen Anfang nahm

Die grosse Aufregung im Bieler Wohnquartier Linde begann am Mittwochmorgen. «Um 10 Uhr morgens gab es einen riesigen Krach, es fielen Schüsse. Dann wiesen uns Polizisten an, unsere Wohnungen innert fünf Minuten zu verlassen», sagt eine Anwohnerin zu 20 Minutes Online.

Nachdem verschiedene Behördenstellen versucht hatten, mit dem Mann in Kontakt zu treten, kam es schliesslich am Mittwochmorgen zum Polizeieinsatz. In deren Verlauf verbarrikadierte sich der Mann. Daraufhin versuchten Spezialisten der Polizei mehrmals mit dem Mann das Gespräch aufzunehmen - ohne Erfolg.

Bleibende Schäden beim Opfer?

Das Drama um Peter K.* war in der Nacht zu Donnerstag eskaliert: «Um 1 Uhr ist der Täter aus dem Haus gekommen und hat mit einem Gewehr ohne Vorwarnung auf die Polizisten geschossen», sagte ein Polizeisprecher. Der Beamte sei trotz einer schusssicheren Weste schwer verletzt worden. Nach einer Notoperation sei der Gesundheitszustand stabil. Gemäss einer Aussage des Berner Polizeidirektors Hans-Jürg Käser vor dem Grossen Rat in Bern sei aber nicht sicher, was aus dem Leben des Mannes in Zukunft werde.

Die Polizei suchte den ganzen Vormittag im Lindenquartier nach Peter K. «Ein Armeehelikopter kreiste zwischen 7 und 8 Uhr mehrmals über dem Gebiet», erklärten mehrere Leser-Reporter gegenüber 20 Minuten Online. Dieser habe mit einer Wärmebildkamera den bewaffneten Mann zu lokalisieren versucht, sagt ein Beobachter. Offenbar stellten die Spezialeinheiten erst am Nachmittag fest, dass sich der Senior nicht mehr in seinem Haus aufhielt. «Die Polizei hat aber bereits um 10 Uhr gesagt, dass der bewaffnete Mann in der Gegend herumirre», sagte eine Anwohnerin zu 20 Minuten Online. Die Polizei weitete daraufhin das Suchgebiet laufend aus. Es machte den Anschein, als hätte die Polizei lange Zeit keine Ahnung gehabt, wo sich der flüchtige Rentner aufhielt.

Wer ist der bewaffnete Mann?

Wer ist der 67-Jährige, der sich seit über 28 Stunden einen aussichtslosen Kampf mit Spezialeinheiten der Polizei liefert? «Er ist im Quartier als komischer Kauz bekannt», sagte eine Anwohnerin zu 20 Minuten Online. Seit mehr als einem Jahr seien in dem dreistöckigen Haus die Rollläden geschlossen. Der Garten sei völlig verwildert. «Er hat manchmal mitten in der Nacht mit einer Stirnlampe auf dem Kopf den Rasen gemäht», sagte eine Nachbarin. Der Mann habe ihre Grüsse nie erwidert. Er sei sowieso fast nur nachts aus dem Haus gegangen. Der Mann habe schon mit seinen Eltern in dem Haus gelebt, das nun einer Erbgemeinschaft gehöre.

Nach einem Entscheid des Zivilgerichts Biel soll das Haus jetzt zwangsversteigert werden. Der Senior drehte gestern Morgen offenbar durch, als der erste Besichtigungstermin für sein Haus anberaumt war.

Zu einer Zwangsversteigerung kann es kommen, wenn Zahlungsverpflichtungen gegenüber Banken nicht erfüllt werden, wie der Regierungsstatthalter erklärte. Möglich ist eine Versteigerung auch in einem Erbschaftsfall, wenn sich die Erbengemeinschaft nicht einig wird. Dann wird die Liegenschaft versteigert und der Erlös den Erben zugeteilt.

*Name der Redaktion bekannt

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