«Keine Zeit»: Peter K. schickt seinen Anwalt in die Wüste
Aktualisiert

«Keine Zeit»Peter K. schickt seinen Anwalt in die Wüste

Der Bieler Amok-Rentner Peter K. will sich in seinem Prozess selber verteidigen. Deshalb trennt er sich nun von seinem ihm zugeteilten Anwalt.

von
jam

Der renitente Rentner von Biel hat keine Zeit mehr. Das sagt er zumindest selber und zieht die Konsequenz daraus: Er trennt sich von seinem Anwalt. «Ich werde von jetzt an alles selber machen, so wie ich das mein ganzes Leben lang getan habe», schreibt Peter K. in einem Brief, welcher der Redaktion des «Bieler Tagblatts» vorliegt. Darin begründet der Mann, dessen Haus vergangenen September zwangsgeräumt wurde und der daraufhin die Stadt Biel tagelang in Atem gehalten hat, seinen Schritt.

Er habe viel Zeit damit verloren, seinem Anwalt Philipp Kunz alles zu erklären. Doch beim anstehenden Prozess gehe es um die Aufarbeitung «eines seit 25 Jahren dauernden Albtraums. Ein Anwalt müsste viele Monate opfern, um sich in das alles einzuarbeiten.» Deshalb will sich Peter K. jetzt selber vor Gericht verteidigen.

Keine Feindschaft

Der Anwalt war Peter K. als amtlicher Verteidiger zugeteilt. Doch der Amok-Rentner ist ihm nicht böse. «Ich habe Herrn Philipp Kunz gegenüber keine schlechten Gefühle», so Peter K., «ich glaube nach wie vor, dass er ein sehr guter Anwalt ist.» Auch Kunz trägt seinem Noch-Mandanten nichts nach. «Ich mag Herrn K. nach wie vor gut leiden», sagt er. Er habe bislang gerne mit ihm zusammengearbeitet und respektiere jetzt auch seinen Willen.

Wie es nun weitergehen soll, ist unklar. Peter K. will sich beim anstehenden Prozess selber verteidigen. Ob er das auch darf, ist umstritten. Einerseits besagt die Europäische Menschenrechtskonvention, dass es verfassungsrechtlich festgeschrieben sei, dass ein Angeklagter sich selber verteidigt. Andererseits schreibt die neue Strafprozessordnung eine Pflichtverteidigung eines Angeschuldigten vor, wenn mindestens einer der Punkte des Artikels 130 erfüllt ist (siehe Infobox).

Notwendige Verteidigung

ist gegeben, wenn

die Untersuchungshaft mehr als zehn Tage dauert.

eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentziehende Massnahme droht.

die Staatsanwaltschaft persönlich auftritt.

die beschuldigte Person wegen ihres körperlichen oder geistigen Zustandes oder anderen Gründen ihre Interessen nicht wahren kann.

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