Drama in Biel: Peter K. schlief neben Urnen der toten Eltern
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Drama in BielPeter K. schlief neben Urnen der toten Eltern

Gut eine Woche nach der Verhaftung des Amok-Rentners kommen neue Details über sein Leben ans Licht. Dem angeschossenen Polizisten geht es derweil immer besser.

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Seit sechs Tagen sitzt der Amok-Rentner Peter K. in einem Bieler Knast. Der Untersuchungsrichter hat ihn bereits mehrmals befragt. Ob der 67-jährige Mann sich selbst verteidigt oder überhaupt aussagt, ist unklar: «Die Voruntersuchungen sind geheim», sagt Polizeisprecherin Daniela Siegrist. Auf Anfrage von 20 Minuten Online will die Polizei auch nicht sagen, ob die Beamten mittlerweile die Waffen von Peter K. oder sein Versteck gefunden haben. Siegrist sagt nur so viel: «Das Polizeidispositiv ist stark reduziert worden.» Dem angeschossenen Polizisten gehe es immer besser. «Die Ärzte rechnen allerdings mit einer längeren Erhohlungsphase», so Siegrist.

Derweil kommen neue Details über das Leben des Peter K. ans Licht. In einem Gastbeitrag in der «Weltwoche» zeichnet ein Bekannter der Familie ein umfassendes Bild des Amok-Rentners. So habe der schiesswütige Rentner die Urnen mit den Überresten seiner verstorbenen Eltern bis zum Amoklauf am 8. September 2010 in seinem Zimmer «bewacht». Auch die Berner Kantonspolizei bestätigte dies gegenüber 20 Minuten Online.

Die Geschichte eines erfolgreichen Sohnes

Peter K. galt laut dem Artikel schon als Kind als Sonderling, der lieber Bücher las als Fussball zu spielen. Auf Druck des Vaters macht er eine Lehre als Schwachstromapparatemonteur. Danach flüchtete er sich in verschiedene Auslandsaufenthalte, etwa in Israel oder Schottland, und kehrte nur zum Geldverdienen zurück in die Schweiz. Zu Hause wurde weiter die Geschichte eines erfolgreichen Sohnes erzählt, der ein Studium absolviert und an seiner Dissertation schreibe. Seine Angehörigen drängen ihn dazu, endlich eine richtige Stelle als Ingenieur anzunehmen. Er könne seinen Beruf unmöglich ausüben, sagte er seiner Schwester, «weil ich damit die Welt zerstören würde.» Erste paranoide Züge lassen sich in seinen Aussagen erkennen.

Peter K. hat zusehends Mühe, sein Doppelleben weiterzuführen. Er zieht sich immer weiter zurück. Seine Frauenbekanntschaften sind rar und flüchtig. In seiner Isolation kriegt er Verfolgungsängste, sympathisiert angeblich mit der RAF. Für Waffen selbst hat Peter K. nie etwas übrig – dies im Gegensatz zu Vater und Schwester, die beide Mitglied in einem Schiessklub waren.

Peter K. lebt als 40-jähriger Mann immer noch bei seinen Eltern. Das Verhältnis zu seinem Vater verschlechtert sich, er bezeichnet Peter als «faulen Hund.» Laut «Weltwoche» hält aber die geliebte Mutter zu ihm.

Verteidigungsschrift lässt aufhorchen

Als die Eltern 2001 kurz nacheinander sterben, gerät das Leben des Peter K. endgültig aus den Fugen. Er kapselt sich komplett von der Aussenwelt ab, will keine neuen Mieter im dreistöckigen Haus, da «solche viel zu gefährlich seien.» Darauf beschliesst Schwester Christine, das Haus zu verkaufen und den Erlös zu teilen. Peter K. wehrt sich mit allen Mitteln, wirft der Schwester vor, sie «vernichte die Familie.» Dem «Bieler Tagblatt» liegt eine 97-seitige «Verteidigungsschrift» vor, die er dem Schlichtungsanwalt seiner Schwester schickte (siehe Bild oben). Dort entwickelte Peter K. wilde Vergewaltigungstheorien ohne jeden Bezug zum Erbschaftsstreit. Er forderte den Anwalt auf, sein Mandat niederzulegen. «Sonst könne er sein Leben wegschmeissen», sagte K.

Vier Jahre später wirft Peter K. sein Leben tatsächlich weg. Am 8. September verschanzt er sich in seinem Haus, schiesst einem Polizisten in den Kopf und flüchtet danach während neun Tagen vor Spezialeinheiten aus der ganzen Schweiz. Laut Strafrechtsexperten ist es gut möglich, dass Peter K. bis an sein Lebensende hinter Gittern verwahrt wird.

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