Aktualisiert 20.09.2017 18:01

Taktik«Peter Spuhler will in den Bundesrat»

Der Stadler-Rail-Chef tritt am Tag der Bundesratswahl als CEO ab. Das sei ein geschickter Schachzug, sagt ein Kommunikationsexperte.

von
Dominic Benz
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Der Kapitän tritt im Unternehmen kürzer: Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler am Unternehmenssitz in Bussnang TG. (7. Juni 2017)

Der Kapitän tritt im Unternehmen kürzer: Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler am Unternehmenssitz in Bussnang TG. (7. Juni 2017)

Keystone/Gian Ehrenzeller
Er rückt als Chef der Stadler-Rail-Gruppe nach: Der bisherige Stellvertreter Thomas Ahlburg. (Bild: Stadler Rail)

Er rückt als Chef der Stadler-Rail-Gruppe nach: Der bisherige Stellvertreter Thomas Ahlburg. (Bild: Stadler Rail)

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Die Nachfolge von Ahlburg als Leiter des Werks in Bussnang übernimmt Georg Kapeller (v.l.): Kappeler, Spuhler und Ahlberg. (Bild: Stadler Rail)

Die Nachfolge von Ahlburg als Leiter des Werks in Bussnang übernimmt Georg Kapeller (v.l.): Kappeler, Spuhler und Ahlberg. (Bild: Stadler Rail)

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Peter Spuhler gibt seinen CEO-Posten bei Stadler Rail auf Anfang 2018 ab. Das gab er am Mittwoch bekannt. Genau an dem Tag, an dem Ignazio Cassis zum neuen Bundesrat gewählt wurde. Eine Sprecherin des Thurgauer Zugbauers spricht von Zufall.

Für den Kommunikationsprofi Roger Huber ist aber klar: Die Ankündigung am Tag der Bundesratswahl sei bestimmt kein Zufall. Er folgert: «Spuhler will in den Bundesrat.» Die heutige Bekanntgabe seines Rücktritts sei aus kommunikativer Sicht ein strategisch geschickter Schachzug, um seine Rückkehr in die Politik aufzugleisen.

«Das wäre die Krönung»

Die Aussage von Stadler Rail, es sei ein Zufall, sei eine reine Notlüge in der Öffentlichkeit, sagt Huber. Seit jeher plane das Unternehmen seine Auftritte in der Öffentlichkeit sehr genau.

Der Kommunikationsprofi ist sich sicher, dass Spuhler mit der Politik noch nicht abgeschlossen hat. Als Unternehmer habe er schon alles erreicht. «Da wäre der Bundesrat die Krönung, eine Märchengeschichte.»

«Er folgt dem Ruf der Nation»

Seit langem kursieren Gerüchte rund um eine Rückkehr von Spuhler nach Bundesbern. «Aus kommunikativer Sicht klingt es so, als ob Spuhler nun dem Ruf der Nation folgt», so Huber.

Mit der Ankündigung am Bundesrats-Wahltag befeuert Spuhler erst recht die Gerüchteküche. Für Huber gehört das zur Politik. Er spricht von einer Art Testlauf: «Man sendet Signale aus und sieht, wie die Reaktionen in der Öffentlichkeit sind.» Das sei klug. In Sachen Kommunikation sei Spuhler schon immer sehr gut gewesen, etwa bei der Eröffnung von Fabriken.

«Er ist wie Sepp Blatter»

Mit seiner Kommunikationstaktik könnte Spuhler nicht nur die Rückkehr in die Politik vorbereiten. Die Strategie unterstützt auch einen allfälligen Verkauf oder Börsengang von Stadler Rail. Die Aufmerksamkeit ist nun auf Stadler Rail gerichtet – auch international. «Das schadet dem Wert des Unternehmens sicher nicht.»

Zu konkreten Aussagen hinsichtlich Bundesrats-Absichten oder Verkauf und Börsengang von Stadler Rail dürfte sich Spuhler nicht drängen lassen. «Er ist wie ein Sepp Blatter: Er setzt die Agenda und spielt mit den Medien sehr gut.»

Für Unternehmensberater Benedicht Luginbühl ist es Zufall, dass der Spuhler-Abgang mit der Bundesratswahl zusammenfällt. Ein internationaler Konzern wie Stadler Rail folge einer internationalen Agenda. «Schweizer Begebenheiten, auch BR-Wahlen, sind vor diesem Hintergrund ohne direkten Einfluss.»

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