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Keine FormsacheFür Petkovic hat jeder Gegner Respekt verdient

Das letzte EM-Qualispiel in Gibraltar scheint auf dem Papier eine klare Sache. Vladimir Petkovic fordert aber Respekt für den Fussballzwerg.

von
E. Tedesco
Gibraltar

So beantwortet Nati-Trainer Vladimir Petkovic die Frage, ob beim EM-Qualifikationsspiel in Gibraltar noch etwas schief gehen kann. (Video: 20 Minuten/ete)

Die Nummer 13 in der Weltrangliste trifft auf die Nummer 196. Für Aussenstehende, Fans, Experten und Medien ist das letzte Qualifikationsspiel am Montag in Gibraltar wohl nur noch eine Formsache. Als Vladimir Petkovic am Tag vor dem Auswärtsspiel am südlichsten Zipfel der Iberischen Halbinsel auf das Thema angesprochen wird, ist er nicht gerade begeistert.

«Wir lehren unseren Kindern, jedem und jeder Mannschaft Respekt entgegenzubringen», sagt Petkovic. «Ich wünsche mir allgemein mehr Respekt gegenüber Gegnern. Das hat mir in letzter Zeit ein bisschen gefehlt, egal ob wir gegen den Weltmeister oder die letzte Mannschaft im Ranking spielen. Auch wir müssen, dieses Verständnis haben, aber natürlich auch Selbstvertrauen, denn wir sind am Montag die bessere Mannschaft. Aber das muss man auf dem Platz auch zeigen.»

Noch ein Punkt bis zur EM-Qualifikation

Die Schweizer brauchen noch einen Punkt auf der Affeninsel, um das Ticker für 2020 zu lösen. Petkovic begründet auch, warum seine Mannschaft den Fussballzwerg, der von 27 EM- und WM-Ausscheidungsspielen kein einziges gewonnen und ein Torverhältnis von 7:128 aufweist, nicht unterschätzen soll. «Diese Mannschaft hat zuhause gegen Irland nur 0:1 verloren, und gegen Georgien, gegen das wir einige Mühe hatten, ein 0:2 aufgeholt und erst in letzter Minute das 2:3 bekommen. Das sind Signale, die wir aufnehmen.»

Aber die Mannschaft darf auch das Selbstbewusstsein an den Tag legen, das sie in den letzten Jahren verarbeitet hat. Sie hat auch in jüngster Vergangenheit Erfahrung mit vermeintlich kleinen Gegnern sammeln können. Gegen Teams, die im Fifa-Ranking auf Platz 90 oder schlechter platziert sind, hat die Schweiz in der Amtszeit von Petkovic 18 Partien ausgetragen. Davon konnte sie 17 Partien gewinnen. Das einzige Duell, das verloren ging, war ein Testspiel in Lugano gegen Katar (0:1).

Ein Jubiläumsspiel für Petkovic

Petkovic steht auf Gibraltar zum 60. Mal als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft an der Seitenlinie seit seinem Amtsantritt im September 2014. 33 Partien hat er gewonnen und nur 16 verloren. Das Torverhältnis lautet 108:51. Damit ist er der erfolgreichste Schweizer Nationalteam-Trainer in der Geschichte des SFV. Ausserdem: Qualifiziert sich die Nati in Gibraltar, wäre es für die Schweiz die vierte Endrunden-Teilnahme in Folge und für Petkovic nach der EM 2016 in Frankreich und der WM 2018 in Russland (jeweils Aus im Achtelfinal) die dritte in Serie.

Eine Zwischenbilanz wollte Petkovic nicht ziehen, obwohl die Ziellinie der Qualifikation schon in Sicht ist. «Das werde ich im Dezember machen. Meine Konzentration gilt jetzt dem letzten Spiel, aber ich denke, dass wir in dieser Kampagne mehr Dänemark- als Georgien-Phasen hatten.» Will heissen: In Dänemark hat die Mannschaft gut gespielt, aber verloren. Gegen Georgien war die Leistung weniger gut, dafür hat die Schweiz gewonnen. Vielleicht schafft sie es in der britischen Kolonie für einmal beides auf den Kunstrasen zu bringen.

Bilanzen im Dezember und Januar

Erst danach, genauer am 13. Dezember, wird Petkovic seine Jahresbilanz präsentieren. Schliesslich wird Anfangs Januar Pierluigi Tami mit der Aussicht auf die Zukunft und seinen Projekten an die Öffentlichkeit gehen. Bis dahin hat sich der Team-Manager selber eine «Silencio stampa» auferlegt. Ob dann auch die Zukunft von Petkovic, dessen Vertrag nach der EM-Endrunde im kommenden Sommer ausläuft, ein Traktandum ist? Petkovic sagt über seine Zukunft: «Meine Zukunft ist heute.»

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