Aktualisiert 08.08.2018 09:10

Kommunikationsexperte

«Petkovic hat bei Behrami versagt»

Beim Nati-Aus des Fussballstars lief vieles in der Kommunikation schief. Ein Experte kritisiert Verband und Trainer.

von
Dominic Benz
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Valon Behrami verbreitete am 6. August 2018 auf Twitter die Nachricht, die in der Schweiz grosses Erstaunen auslöste. «Meine internationale Karriere ist zu Ende», schrieb der Tessiner.

Valon Behrami verbreitete am 6. August 2018 auf Twitter die Nachricht, die in der Schweiz grosses Erstaunen auslöste. «Meine internationale Karriere ist zu Ende», schrieb der Tessiner.

Twitter
«Vladimir Petkovic hat mich angerufen», sagte Behrami zu RSI. «Ich hatte gedacht, es sei ein Anruf aus Höflichkeit. Aber nein. Er telefonierte, um mir zu sagen, dass ich nicht mehr in dieser Mannschaft spielen werde.»

«Vladimir Petkovic hat mich angerufen», sagte Behrami zu RSI. «Ich hatte gedacht, es sei ein Anruf aus Höflichkeit. Aber nein. Er telefonierte, um mir zu sagen, dass ich nicht mehr in dieser Mannschaft spielen werde.»

Keystone/Laurent Gillieron
Hintergrund ist ein Telefonat mit Nati-Coach Vladimir Petkovic. Der 54-Jährige hat Behrami und weiteren Spielern mitgeteilt, dass er im Herbst vermehrt jüngeren Spielern Einsatzzeit gewähren will.

Hintergrund ist ein Telefonat mit Nati-Coach Vladimir Petkovic. Der 54-Jährige hat Behrami und weiteren Spielern mitgeteilt, dass er im Herbst vermehrt jüngeren Spielern Einsatzzeit gewähren will.

Keystone

Herr Huber*, Behrami kommunizierte eigenmächtig. Was halten Sie davon?

Jahrelang hat er für die Nati die Knochen hergegeben. Doch gerade jetzt in seinem Liebestaumel mit Lara Gut kommt das Aus. Er ist offenbar sehr in seinem Stolz verletzt. Zudem hat sich mit der Doppeladler-Geschichte viel Frust aufgestaut. Petkovic hingegen hat es nicht geschafft, die Kommunikation in der Hand zu haben.

Hat Petkovic versagt?

Er ist ein schlechter Kommunikator. Schon nach dem WM-Aus hätte er etwas sagen sollen, tat es aber nicht. Er kann einfach nicht mit Medien umgehen. In Interviews wirkt er ängstlich und reserviert. Andere Trainer sind da viel souveräner. Das gehört einfach zum Geschäft. Von einem Trainer mit Millionensalär darf man das verlangen.

Wie hätte der Verband reagieren sollen?

Petkovic ist ein Einzelgänger. Offenbar hat er sich gar nicht mit dem Verband abgesprochen. Wenn das Vertrauen nicht da ist, passieren solche Fehler. Die ganze Situation kommt sehr hilflos rüber. Der Verband muss nun alles aufwischen. Bei so vielen Emotionen ist das aber schwierig. Der Verband hätte schon während der WM die Wogen glätten sollen.

Hat der Verband Petkovic nicht im Griff?

Der Verband hätte proaktiver handeln müssen. In der Kommunikation hat er aber nur Erfolg, wenn Petkovic mitmacht. In Sachen Kommunikation hat man ihn zu wenig geführt. Man hat es verpasst, eine gemeinsame Medienstrategie zu entwickeln. Zudem hat Petkovic sicher nie ein Medientraining erhalten. Wenn man merkt, dass jemand kommunikativ schlecht ist, dann muss man handeln. Der Verband hat das versäumt und Petkovic alleingelassen.

Wie sagt man den Fussballstars, dass sie nicht mehr erwünscht sind?

Sicher nicht per Telefon, auch nicht per Mail und schon gar nicht per SMS. Behrami hätte es verdient, wenn Petkovic sich persönlich mit ihm an einen Tisch gesetzt hätte. Alles andere ist respektlos. Hier zeigt es sich, was ein grosser Trainer ausmacht. Kommunikation ist ein wichtiger Teil im Trainer-Job.

Was hat schlechte Kommunikation zur Folge?

Dass die Leute sehr emotional reagieren. Aber bei Behrami hätte Petkovic das wissen müssen. Auf dem Spielfeld macht Behrami das ja auch. Von einem Trainer darf man Empathie erwarten. Doch da hat Petkovic versagt.

Hat Behramis Tweet den Verband alt aussehen lassen?

Man kann Spielern einer Nationalmannschaft nicht vorschreiben, was sie auf sozialen Medien dürfen und was nicht. Dennoch sollte man die Spieler dafür sensibilisieren. Twitter oder Facebook müssen heute ein Teil der Medienstrategie sein – sowohl bei Unternehmen als auch bei einem Verband.

Wie kann ein Verband die Kommunikation nach aussen kontrollieren?

Ein Unternehmen kann den Mitarbeitern vorschreiben, welche internen Infos nach draussen dürfen und welche nicht. Eine Missachtung kann ein Kündigungsgrund sein. Bei einer Fussballmannschaft funktioniert das nicht. Als Verband kann man nur hoffen, dass die Mitglieder im Sinne des Verbands handeln.

Das ist alles?

Eine Möglichkeit ist, diverse Krisenszenarien durchzuspielen. Weiss man, was alles passieren kann, kann man auch entsprechend reagieren. Professionelle Unternehmen machen das. Der Verband hat das offenbar nicht gemacht – oder das Gelernte nicht begriffen.

*Roger Huber ist Kommunikationsexperte und Gründer der Huber Media Consulting GmbH.

Wie soziale Medien die Kommunikation von Firmen verändert

Laut Kommunikationsexperte Andreas Bantel führen soziale Medien zu einer Demokratisierung der Kommunikation: Mit Twitter oder Facebook haben sehr viele Menschen ein Instrument in der Hand, um Informationen zu verbreiten, sagt Bantel zu 20 Minuten. Die Deutungshoheit wandere so von den herkömmlichen Medien zu jedem einzelnen Facebook- oder Twitter-User. Für Unternehmen heisst das: Sie müssen heute schneller, flexibler und transparenter kommunizieren. Nur mit einer proaktiven Kommunikation behält man die Deutungshoheit in der Hand, so Bantel. Die Kommunikationsabteilung ist gleichzeitig eine Informationszentrale des Konzerns. Diese muss hohe Kenntnisse haben im Erkennen von News und Storys, die potentiell viral gehen können. Nur so kann auf die Dynamik in den sozialen Medien reagieren.

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