Valon Behrami: Petkovics unverzichtbarer Mastermind

Aktualisiert

Valon BehramiPetkovics unverzichtbarer Mastermind

Spieler-Casting hin oder her: Der Test gegen Weissrussland hat gezeigt, dass Vladimir Petkovic einen Mann nicht ersetzen kann.

von
E. Tedesco
Neuenburg

Valon Behrami analysiert die Leistung gegen Weissrussland. (Video: 20 Minuten)

«Niemand ist unersetzbar» ist eine der gern zitierten Plattitüden, auf die man gut verzichten kann. In denen kann allerdings auch gut und gern viel Wahres stecken. Niemand in der Nati ist unverzichtbar – bis auf Valon Behrami, der «Krieger», der grosse Bruder und Leader.

Nach rund einer Stunde fand sich der defensive Mittelfeldspieler im Test gegen Weissrussland (1:0) plötzlich auf der Position des Innenverteidigers wieder. Timm Klose kam für Nico Elvedi, der nach 45 Minuten in der Kabine blieb, und dann machte sich plötzlich der Rücken von Johan Djourou bemerkbar. «Eine Verhärtung, aber nicht weiter schlimm», sagte Petkovic.

Wieder als Innenverteidiger im Einsatz

Aber mehr Innenverteidiger hatte der Nati-Coach nicht, und so rückte Behrami nach hinten in die zentrale Abwehr. Obwohl der 32-Jährige kurz zuvor ebenfalls signalisiert hatte, dass er ausgewechselt werden wollte.«Es war einen Versuch wert, hat aber leider nicht geklappt», witzelte Behrami später.

Dafür klappte der Versuch von Petkovic, den Watford-Söldner als Innenverteidiger zu testen, umso besser. «Valon hat das sehr gut gemacht. Und ich habe ihn in einer neuen Rolle gesehen. Das ist eine Alternative mehr. Ich bin froh, so einen Mann im Kader zu haben.»

Behrami in Zukunft ein Innenverteidiger? Der Routinier lacht, als er von 20 Minuten auf diese Option angesprochen wird: «Sie wissen, wie das ist: Vom Mittelfeld in die Innenverteidigung, dann auf die Bank und schliesslich landet man auf der Tribüne.» Dann aber fügt er an: «Ich habe mich sehr gut gefühlt. Besser als letztes Mal bei Watford, als ich mit einem Linksverteidiger die zentrale Abwehr gebildet habe. Zwei auf einer ungewohnten Position, das war nicht so gut, aber mit Timm (Klose, die Red.) ging es sehr gut. Ich konnte immer zur Seite schauen und mich an ihm orientieren.»

«Wir sollten und müssen noch mehr geben»

Das sagt Nati-Trainer Vladimir Petkovic nach dem 1:0-Sieg im Testspiel gegen Weissrussland. (Video: 20 Minuten)

Plastik ist nicht sein Ding

Dabei orientiert sich die Mannschaft normalerweise an Behrami. Er ist eine der wichtigsten Stützen in der Nati und unverzichtbar. Das hat der Tessiner nicht nur in seinem 74. Länderspiel (zwei Tore) in Neuenburg deutlich unter Beweis gestellt. Was der Captain gegen Weissrussland und Vize von Stephan Lichtsteiner ackerte, abgrätschte, antrieb und pushte, war einmal mehr eindrücklich. Dabei ist die künstliche Unterlage der Maladière Gift für seinen vom grenzenlosen Einsatz malträtierten Körper.

«Plastik wird nie mehr eine von mir bevorzugte Unterlage sein», sagte Behrami, der aber unbedingt auflaufen wollte, obwohl Petkovic ihm angeboten hatte, sich zu schonen. Behrami: «Zwei Spiele gehen schon, zudem haben wir jetzt zwei, drei Tage frei. Da kann ich mich wieder erholen.»

Liebe auf den zweiten Blick

Dabei war es zwischen der Schweizer Nationalmannschaft und Behrami keine Liebe auf den ersten Blick. Seine Rebellion und die Extravaganz der Anfangsjahre hatten ihm das Leben neben bodenständigen Spielern wie Alex Frei und Beni Huggel nicht immer einfach gemacht. Er litt unter Missverständnissen, mangelnder Akzeptanz und fehlenden Einsätzen. In den elfeinhalb Jahren seit seinem Debüt ist der Eigenbrötler verschwunden, Behrami wurde zum Sympathieträger und Mastermind der Nati.

Ist er unverzichtbar? «Valon gehört zu meinen Leadern, wie auch Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka», sagt Petkovic. «Sie sind das Salz und der Pfeffer unserer Mannschaft. Aber egal, ob die ersten elf, vierzehn oder dreiundzwanzig – alle sind wichtig.»

«Wir sollten und müssen noch mehr geben»

Das sagt Nati-Trainer Vladimir Petkovic nach dem 1:0-Sieg im Testspiel gegen Weissrussland. (Video: 20 Minuten)

«Wir sollten und müssen noch mehr geben»: Vladimir Petkovic nach dem 1:0 gegen Weissrussland. (Video: 20 Minuten)

Das Sorgenkind

Und alle werden mithelfen müssen, in einer Woche die Färöer zu bezwingen. Denn dann geht es wieder um Punkte für die WM-Ausscheidung. Wie Petkovic ist auch Behrami mit dem letzten Test zufrieden, aber auch er sieht das aktuelle Sorgenkind der Nati: die Offensive.

Behrami: «Wir haben gut angefangen, obwohl es gegen die Weissrussen, die zu acht verteidigt haben, nicht einfach war. Wir haben gesehen, dass wir in einer Woche mental bereit sein müssen, denn auch die Färinger werden hinten reinstehen und auf Konter lauern. Solche Chancen, wie sie Admir Mehmedi zweimal hatte, können den Unterschied ausmachen. Das ist derzeit auch der Unterschied zwischen den Topmannschaften und uns – Topteams nutzen ihre Chancen konsequent aus.»

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