Nati-Desaster: Petkovics Verlierertruppe im Einzel-Abrieb
Aktualisiert

Nati-DesasterPetkovics Verlierertruppe im Einzel-Abrieb

Die März-Testspiele haben den schwachen Formstand der Nati zum Vorschein gebracht. Nur drei Spieler haben überzeugt.

von
A. Stäuble & E. Tedesco

2 Spiele, 0 Siege, 0 Tore: Die Testspiel-Bilanz von Vladimir Petkovic fällt nüchtern aus. Nichtsdestotrotz konnten sich ein paar Akteure positiv in Szene setzen und sich für einen Platz im EM-Kader bewerben. Kein bisschen schlauer geworden ist der Nationaltrainer, was die Defensive angeht. Die Innenverteidigung ist und bleibt das grosse Sorgenkind im Hinblick auf die EM. Ein Überblick:

EM-Stammpersonal

Yann Sommer

Eine Position, um die sich Petkovic keine Gedanken machen muss. Keine Frage: Wenn die Schweiz in Frankreich etwas reissen will, braucht sie einen Sommer in Bestform.

Stephan Lichtsteiner

Auch auf der rechten Abwehrseite ist der EM-Platz bezogen. In Irland noch geschont, gegen Bosnien-Herzegowina bis zur 65. Minute als Captain auf dem Platz. Zu Beginn vor allem defensiv gefordert: Wies das neu formierte Innenverteidiger-Duo Senderos/Schär des Öfteren zurecht. In der Folge schaltete er sich immer mehr in die Offensive ein. Etwas stach dabei besonders ins Auge: Das gute Zusammenspiel mit Shaqiri-Ersatz Steffen.

Johan Djourou

Verpasste die beiden Partien wegen pfeifferschem Drüsenfieber. Die 180 Testminuten zeigten: Der Abwehrchef fehlt. Sollte sich der HSV-Captain bis zur EM nicht restlos erholen, vergrössern sich die Probleme in der Defensive massiv.

Ricardo Rodriguez

Zweimal von Beginn weg, zweimal bekamen die Fans nicht den Rodriguez zu sehen, den sie kennen. Für ihn gilt das Gleiche wie für Sommer: Die Nati braucht ihn an der EM in Bestform.

Valon Behrami

Aufgrund einer Erkältung stehen nur 71 Testspiel-Minuten in Dublin zu Buche. Den Platz im defensiven Mittelfeld hat Petkovics Aggressiv-Leader trotzdem auf sicher. In Normalform ist der Watford-Profi unverzichtbar.

Granit Xhaka

In Dublin konnte er es nicht abrufen, gegen Bosnien-Herzegowina lieferte er Petkovic den Beweis: Er ist der Chef im Mittelfeld. Er riskiert viel, verfügt über einen guten Pass und hat die Übersicht und das Selbstvertrauen eines Leaders und «alten Hasen».

Xherdan Shaqiri

Fehlte aufgrund muskulärer Probleme im Oberschenkel. Die torlosen Auftritte haben es gezeigt: Ohne Shaqiri in der Offensive geht es nicht.

Haris Seferovic

In Irland mangelte es ihm gemäss eigener Aussage an Torhunger, gegen Bosnien-Herzegowina verhungerte er. Der Stürmer, der im November letztmals traf, vergab diverse Hochkaräter, ist aber trotzdem Petkovics Mann im Sturm – oder wie es Lichtsteiner sagt: «An der EM gehen die dann schon rein.»

Kämpfen um einen Stammplatz

Fabian Schär

Sammelte in Dublin und gegen Bosnien-Herzegowina so viele Spielminuten wie schon lange nicht mehr: 135 insgesamt. Sie brachten die fehlende Spielpraxis schonungslos ans Licht. Der 24-jährige Hoffenheim-Verteidiger, der im Club derzeit um jede Minute kämpft, ist weit entfernt von seiner Bestform. Hat gegen Bosnien-Herzegowina mit seinem langen Zuspiel auf Mehmedi aber gezeigt, warum ihn Petkovic braucht: Sein Offensivdrang, seine öffnenden Pässe und seine Torgefahr (18 Länderspiele, 5 Tore) können Gold wert sein.

Timm Klose

Seit seinem Wechsel zu Norwich ist er Stammspieler – und es läuft richtig gut: «Sein Kopf ist ein Ballmagnet», wurde Klose vor der Nati-Pause auf der Insel gelobt. Auf der Insel funktionieren die Magnetfelder offenbar anders: Bereits in der zweiten Minute verfehlte sein Kopf den Ball, der zur Vorlage zum einzigen Gegentreffer wurde. Machte gegen Bosnien eine bessere Halbzeit und hat sein Interesse am Platz neben Djourou angemeldet. Der Basler bringt etwas mit, was Schär fehlt: Spielpraxis.

Breel Embolo

Seine Wucht, sein Durchsetzungsvermögen und das Geschick, Verteidiger auf sich zu ziehen, machen ihn wertvoll. Jetzt muss der 19-Jährige noch seine Torflaute (wartet seit Anfang November auf ein Tor) überwinden, dann ist er nicht zu halten. Ein absoluter Gewinn für die Nati. Gegen Irland und Bosnien lieferte der junge Bebbi in zwei Spielen engagierte 135 Minuten ab.

Als Backup an die EM

Michael Lang

Er ist die Nummer 2 auf der rechten Abwehrseite. Petkovic weiss, was er am Lichtsteiner-Ersatz hat – und Lang weiss, dass er noch Luft nach oben hat.

Gelson Fernandes

Stand gegen Bosnien in der Startelf, konnte Valon Behrami nicht vergessen machen. Nach 45 Minuten war Schluss für den Rennes-Söldner, aber sein Wert als dankbarer Allrounder bleibt.

François Moubandje

Nicht einmal annähernd ein adäquater Ersatz, sollte Rodriguez ausfallen. Aber so weit kommt es hoffentlich nicht.

Die Gewinner der März-Tests

Pajtim Kasami

Sein Auftritt gegen Bosnien-Herzegowina gefiel: Mental und physisch auf der Höhe, sehr aktiv. Er scheute keinen Zweikampf und ging meist als Sieger hervor. Er ist frech und engagiert – ein Gewinner im März.

Renato Steffen

Der Hingucker der ersten Halbzeit gegen Bosnien. Kann Shaqiri den Stammplatz nicht streitig machen, aber in dieser Form gehört der FCB-Flügel ins EM-Kader.

Shani Tarashaj

Zum ersten Mal mit dabei, mit zwei Kurzeinsätzen belohnt und vom Trainer zweimal gelobt. Ein Einstand nach Mass.

Die Verlierer der März-Tests

Admir Mehmedi

Darf zweimal von Beginn weg ran, bleibt zweimal blass. Ein weiterer Nati-Spieler, dem die fehlende Spielpraxis anzusehen ist. Die Hoffnung: Mehmedi ist ein Turnierspieler, der sich von Spiel zu Spiel steigern kann.

Blerim Dzemaili

Es ist immer noch keine Liebe, die Beziehung von Blerim Dzemaili zur Nationalmannschaft. Nach 71 schwachen und unglücklichen Minuten in Dublin (und einer unnötigen Schwalbeneinlage) hatte Petkovic genug gesehen. Blieb gegen Bosnien ohne Einsatz.

Philippe Senderos

Dieses Experiment geht in die Hose: Der Nati-Rückkehrer leistet sich gegen Bosnien-Herzegowina zwei kapitale Schnitzer, zweimal hat es ein Gegentor zur Folge. Seine Chance: Stammspieler bei GC und die Misere in der Nati, was Innenverteidiger angeht.

Luca Zuffi

Der Basler wurde für das Bosnien-Spiel in der Startelf erwartet, durfte aber erst nach der Pause mittun. Ob es trotzdem für einen Platz im EM-Kader reicht? Aufgrund der Leistungen hätte er es mehr als verdient.

Silvan Widmer

Der Backup des Backups. An Lichtsteiner gibt es kein Vorbeikommen und Lang hat mittlerweile klar die Nase vorn.

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