Aktualisiert 04.05.2012 13:54

WM-Debütant mit 40Petr Nedveds langer Weg in die Heimat

Einst schlich sich der 17-jährige Petr Nedved an einem Juniorenturnier in Calgary davon, um seinem NHL-Traum zu folgen. Heute, 23 Jahre später, gibt er sein WM-Debüt für Tschechien.

von
F. Burkhard

Für Petr Nedved begann alles mit einer Flucht im Jahre 1989. Der tschechoslowakische Eishockeyspieler nahm mit der Nachwuchsabteilung seines heimischen Vereins Litvinov an einem Juniorenturnier in Calgary teil. Mitten im Turnier packte der damals 17-jährige Verteidiger seine Hockeytasche – und verschwand in der kanadischen Nacht.

Er liess sein Team im Stich und jagte seinem Ziel nach: Eine grosse Karriere in der NHL. «Dieses Überlaufen in dieser Nacht werde ich mein ganzes Leben lang in Erinnerung behalten. Es war die schwerste Entscheidung, die ich je treffen musste», sagte Nedved Jahre später dem «Calgary Herald». Er habe sich Sorge um seine Familie und darüber, ob er jemals wieder in die Heimat zurückkehren könne, gemacht.

Später kehrte der heute 40-Jährige in eine neue Heimat zurück. 1992 wurde der Bundesstaat der Tschechoslowakei in die selbständigen Staaten Tschechien und Slowakei geteilt. Für die Tschechen tritt Nedved nun rund 23 Jahre später zum ersten Mal an einer Hockey-WM an – obwohl er an den Olympischen Spielen in Lillehammer 1994 die Silbermedaille mit Kanada geholt hat. Ein Nationenwechsel ist im Eishockey erlaubt, sofern man vier Jahre in der entsprechenden Nation gelebt hat.

Verheissungsvoller Start in Kanada

Der 17-jährige Nedved ging seinen Weg in Kanada. 1989 sass er den politischen Konflikt in seiner Heimat in Calgary aus und wartete fünf Monate auf eine Aufenthaltsbewilligung. Sportlich kam er schnell bei den Seattle Thunderbirds in der Western Hockey League unter und brillierte als «Rookie des Jahres». Damit geriet er bald ins Visier der NHL-Klubs. Bereits 1990 wurde er in der ersten Runde als zweiter Spieler gedraftet. Die Vancouver Canucks sicherten sich die Dienste des jungen Talents.

So reibungslos der Einstieg in die beste Eishockey-Liga der Welt, so schwierig entwickelte sich seine Profikarriere. Der bekennende Fan von Wayne Gretzky - er imitierte dessen Buckel und die Art, Schlittschuh zu laufen und hatte einen ähnlichen Helm – konnte bei den Canucks nicht wirklich überzeugen. Erst in der Saison 1992/93 gelang ihm mit 71 Punkten in 84 Partien der Durchbruch. Danach kam allerdings der Bruch mit dem Klub, Streitigkeiten um den Vertrag machten eine weitere Zusammenarbeit unmöglich.

Eine von Wechsel geprägte NHL-Karriere

Nedved schloss sich in der Folge dank seiner frisch erworbenen Staatsbürgerschaft dem kanadischen Nationalteam an – und bestritt, wie erwähnt, die Olympischen Spiele 1994 für seine zweite Heimat. Damals traten die NHL-Spieler mehrheitlich nicht zum Grossanlass an. Für den klublosen Spieler mit tschechischen Wurzeln bedeutete dies die Möglichkeit, sich fit zu halten.

Am Gewinn der Silbermedaille trug er grossen Anteil und es sollte sein grösster Erfolg bleiben. Zwar fand er auch in der NHL wieder Unterschlupf, seine Karriere glich aber einer Odyssee – St. Louis Blues, New York Rangers, Pittsburg Penguins, Edmonton Oilers, Phoenix Coyote, Philadelphia Flyers. Seine erfolgreichste Saison spielte er 1995/96 an der Seite von Landsmann Jaromir Jagr bei den Pittsburg Penguins. Doch mit 45 Toren und 99 Punkten war auch diese Leistung Lichtjahre von jenen seines Idols Gretzky entfernt.

Trotzdem schlug sich Nedved weitere elf Jahre in der besten Liga der Welt durch – bis er 2007 zuerst nach Prag und ein Jahr später an jenen Ort zurückkehrte, dem er als 17-Jähriger den Rücken gekehrt hatte: seine Geburtsstadt Liberec. Nach fünf Saisons in der tschechischen Extraliga erfüllt sich für den Routinier mit der WM-Teilnahme für Tschechien nun einen Traum. In der Vorbereitung klappte es für ihn schon gut. Fünf Treffer in sechs Partien zeugen davon, wie motiviert der «Oldie» ist.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.