Die grosse Versuchung: Petr Sykora, der Echte

Aktualisiert

Die grosse VersuchungPetr Sykora, der Echte

Noch selten war die Suche nach Ersatzausländern so heikel: Bei der Suche nach ausländischen Verstärkungen gibt es die Taube auf dem Dach (Petr Sykora) und den Spatzen in der Hand (Simon Gamache).

von
Klaus Zaugg
Die Taube und der Spatz: Petr Sykora und Simon Gamache.

Die Taube und der Spatz: Petr Sykora und Simon Gamache.

Petr Sykora ist die ganz grosse Versuchung, die Taube auf dem Dach. Er heisst gleich wie der Stürmer des HC Davos, gilt aber als «Petr Sykora, der Echte»: Während Arno Del Curtos Petr Sykora 12 NHL-Spiele (2 Tore, 2 Assists) bestritten hat, ist der andere Sykora ein Weltstar: 935 NHL-Spiele, 302 Tore, 375 Assists, zwei Stanley Cups (New Jeresey 2000, Pittsburgh 2009) und drei WM-Titel (1996, 1999, 2005).

Zuletzt verdiente der Tscheche bei Pittsburgh 2,5 Millionen Dollar und letzte Saison beendete eine Hüftverletzung nach dem Wechsel zu Minnesota seine NHL-Karriere.

Was kann er noch?. In der NHL war er einer der smartesten Spieler, offensiv und defensiv. Im Boxplay und im Powerplay. Beweglich, mit goldenen Händen für Zuckerpässe und Schüsse aller Art, beweglich und schnell. Kein Mann der harten Checks weil ihm dazu die Postur fehlt (183 cm/83 kg). Aber er ist ohne Furch und Tadel. Nur eben: Das alles war. Aber niemand weiss, was ist.

Seit ein paar Tagen wird Sykora nun in der Schweiz angeboten. Er verhandelt mit mehreren Klubs aus der Tschechischen Extraliga. Das Ziel: Ein bis zur Nationalmannschaftspause im November befristeten Vertrag mit Freigabeklausel fürs Ausland. Kommt so ein Deal zustande, bietet sich für die Sportchefs die Chance, ihn im Ernsteinsatz zu beobachten. In fünf bis acht Stunden sind viele Spielorte der höchsten Tschechischen Liga von der Schweiz aus mit dem Auto zu erreichten. Theoretisch hat Sykora alles, um ein NLA-Superstar zu sein.

Spatz in der Hand

Auf der anderen Seite der Risikoskala steht Simon Gamache (29), der kanadische Schillerfalter des SC Bern, zurzeit als Temporärarbeiter zweitbester Skorer bei Fribourg (6 Spiele, 4 Tore, 5 Assists). Er ist der Spatz in der Hand und jeder Sportchef weiss mehr oder weniger, was Gamache kann und was nicht.

Er steht noch beim SC Bern bis Saisonende unter Vertrag, ist jedoch in der Ausländerhierarchie nur die Nummer 5 und hat noch für die Berner noch kein Spiel bestritten, seine Lizenz hat der SCB daher noch nicht «verbraucht». Nach der Partie gegen Davos läuft das auf sieben Spiele befristetes Gastspiel des Kanadiers bei Fribourg aus - und nach wie vor hat er kein neues konkretes Angebot. SCB-Sportchef Sven Leuenberger ist bereit, über einen Transfer zu verhandeln. Gerne würde er Gamache gleich für die ganze Saison geben.

Leuenbergers Überlegung ist einfach: Kann er Gamache wegtransferieren, bekommt er Geld in die «Transfer-Kriegskasse» und hat viel Zeit, um einen neuen fünften Ausländer zu suchen. Schon zweimal hat der SCB im Laufe der Saison kanadische Ausländer gefunden, die sich dann zu meisterlichen Leitwölfen entwickelt haben: Yves Sarault und Brett McLean. Der tüchtige SCB-Sportchef geht richtigerweise davon aus, dass nach Abschluss der NHL-Trainingscamps diese oder jene Rolex auf die internationalen Transferwühltische kommt.

Selten war die Ausländersuche für die Sportchefs so heikel: Die Taube auf dem Dach (Sykora) oder doch lieber den Spatz in der Hand (Gamache) oder Warten und auf die Rolex auf dem internationalen Transferwühltisch hoffen - mit dem hohen Risiko, dass es dann keine echte Rolex ist. Sondern nur eine vom Chinesenmarkt.

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