Angeschlagen: Peugeot-Citroën setzt neuen Chef ans Steuer

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AngeschlagenPeugeot-Citroën setzt neuen Chef ans Steuer

Der schwer angeschlagene französische Autobauer PSA Peugeot-Citroën hat seinen Chef Christian Streiff vor die Tür gesetzt. Die Entscheidung vom Sonntagabend droht das Unternehmen inmitten der Krise zunächst weiter zu destabilisieren.

Die Börse reagierte am Montag mit einem Kursverlust von zwischenzeitlich fast acht Prozent. Allerdings kam die Entlassung nicht überraschend: Nach einem Schlaganfall gesundheitlich angeschlagen, wegen seines selbstherrlichen Führungsstils kritisiert und bei Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Ungnade gefallen, fehlten Streiff zunehmend Kraft und Macht, den Konzern wieder auf Vordermann zu bringen.

«Der Aufsichtsrat hat einstimmig beschlossen, dass die aussergewöhnlichen Schwierigkeiten für die Autobranche einen Austausch des Vorstandsvorsitzenden erfordern», teilte das Unternehmen mit. Zum Nachfolger Streiffs wurde Philippe Varin nominiert, der am 1. Juni seinen Job antreten soll.

Neue Mannschaft mit wenig Erfahrung

Der 56-Jährige ist kein ausgewiesener Autoexperte. Einen Grossteil seiner Karriere absolvierte er beim französischen Aluminiumhersteller Pechiney, bevor er sich in den vergangenen vier Jahren beim britisch-niederländischen Stahlproduzenten Corus als Sanierer einen Namen machte. Zwar gilt er im Gegensatz zu Streiff als effektiver Teamplayer. Seine Aufgabe, PSA durch die Krise zu führen, wird allerdings nicht nur durch seine mangelnde Branchenerfahrung erschwert: Zahlreiche Spitzenkräfte haben Peugeot-Citroën in den vergangenen Monaten verlassen, so dass die neue Führungsmannschaft Einarbeitungszeit benötigen wird.

Streiff verlässt PSA mit einer durchwachsenen Bilanz. Er war 2006 von Verwaltungsratspräsident Thierry Peugeot rekrutiert worden, nachdem er nach nur drei Monaten als Airbus-Chef den Flugzeugbauer aus Frust über mangelnden Entscheidungsspielraum verlassen hatte. Aus seiner Feder stammte noch das Airbus-Sparprogramm «Power 8», das den Abbau von 10 000 Stellen bedeutete.

Auch bei Peugeot-Citroën sorgte Streiff in zwei Jahren für Kosteneinsparungen von 2,4 Milliarden Euro und schuf Synergieeffekte durch eine engere Zusammenarbeit beider Marken. Seit seinem Amtsantritt baute der Konzern bereits 18 000 Stellen ab. Dennoch machte PSA 2008 zum ersten Mal seit elf Jahren einen Verlust von 343 Millionen Euro. Und für 2009 werden ebenfalls rote Zahlen prognostiziert.

Entscheidungen aus dem Elfenbeinturm

Insider werfen dem 54-Jährigen vor, die Auswirkungen der Absatzkrise durch falsche Modellentscheidungen verschärft zu haben, etwa, indem er auf Sport- und Geländewagen setzte. Dass er seine Entscheidungen «aus einem Elfenbeinturm heraus» traf, wie ein Konzernmitarbeiter gegenüber der Zeitung «Le Figaro» bemerkte, schmälerte seinen Rückhalt weiter. Zudem brachte er den Élysée-Palast gegen sich auf, weil er Gegenleistungen für ein staatliches Hilfspaket in Milliardenhöhe lange Zeit ablehnte. Unmittelbar nach Bewilligung des Programms verkündete er den Abbau von weiteren 11 000 Stellen.

Selbst das Vertrauen von Thierry Peugeot hatte er zum Schluss offenbar verloren. Jedenfalls verzichtete der Konzernpatron in der Entlassungserklärung darauf, Streiff für seine Arbeit zu danken. Der geschasste Manager kartete in einer eigenen Stellungnahme nach. Die Entscheidung des Aufsichtsrates sei «unbegreiflich», er habe das Unternehmen gut gegen die Krise gewappnet. Mit Spannung wird nun erwartet, welche Abfindung der Ex-Chef zugesprochen bekommt. Auf seine Boni für 2008 hatte er freiwillig verzichtet. (dapd)

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