Aktualisiert 30.03.2014 21:06

NachwuchsproblemPfadi verliert immer mehr Mitglieder

Der Pfadi mangelt es seit Jahren an Mitgliedern. Um diesem Trend entgegenzuwirken, will man nun auch vermehrt Jugendliche mit Migrationshintergrund als Pfader gewinnen.

von
dos
Waren es vor 20 Jahren noch 60'000 Pfader, zählt die Pfadi heute noch 42'454 Mitglieder.

Waren es vor 20 Jahren noch 60'000 Pfader, zählt die Pfadi heute noch 42'454 Mitglieder.

Abenteuer in der Natur, spannende Lagerfeuer und Freunde fürs Leben – dies alles verspricht die Pfadi. Trotzdem wollen sich seit den 90er-Jahren in der Schweiz immer weniger Jugendliche in der Pfadi engagieren. Waren es damals 60'000 Mitglieder, sind es heute noch 42'454 Pfader. Und die Tendenz ist sinkend: In den letzten vier Jahren verlor die Pfadi laut der «SonntagsZeitung» ganze 2339 Mitglieder.

«Es ist schwieriger geworden, Leute zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren», sagt Pfader «Plato» und aktueller Kantonsrat Rolf Steiner (62). Emanuela Chiapparini, Jugendforscherin vom soziologischen Institut an der Universität Zürich, hingegen erklärt den Mitgliederschwund mit der grossen Vielfalt an Freizeitangeboten, die im Vergleich zu früher immer grösser wird. «Die Jugendliche sind mobiler und nicht nur lokal verankert.»

Pfadi-Flyer in verschiedenen Sprachen

Chiapparini hat unter 1240 Jugendlichen eine Befragung durchgeführt. Ergebnis: Am schlechtesten vertreten sind in den Vereinen Mädchen mit Migrationshintergrund, die aus einkommensschwachen Milieus kommen und auch in der Schule leistungsschwächer sind. Rolf Steiner meint auch, dass manchmal Personen wegen ihrer Herkunftskultur nicht den Weg in die Pfadi finden. Es komme vor, dass Jugendliche aus den Balkanstaaten zum Beispiel Mühe hätten, Uniformen zu tragen. Weiter sei die Pfadi in Spanien und Italien eher nur in der mittleren bis oberen Gesellschaftsschichten bekannt. Deshalb hätten sie oft kein Bezug zu der Pfadi oder würden sie gar nicht kennen. Zudem würden die Jungen heute lieber zusammen in den Fussballklub anstatt in die aus der Mode gekommene Pfadi gehen.

Um auch Mitglieder aus dieser Bevölkerungsgruppe zu erreichen, publiziert beispielsweise die Pfadi Luzern Flyer in verschiedenen Sprachen wie Albanisch, Tamilisch und Portugiesisch. Trotzdem bezweifelt Léonie Wanner, 29-jährige Kinder- und Jugendpsychologin, dass die Aktion alle erreichen wird. In der afrikanischen Kultur zum Beispiel mache eine solche Freizeitstruktur wenig Sinn. Für Afrikaner sei es normal, dass Kinder selbstständig miteinander spielen. Zudem spricht sie Scheidungskinder an, die manchmal an jedem Wochenende den Wohnort wechseln.

Auch Jugendforscherin Chiapparini spricht die Bedeutung des Ortsbezug an. Ziehe eine Familie oft um, sei es für Kinder schwierig, sich in einem Verein zu engagieren und Freundschaften zu pflegen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.