Aktualisiert 15.08.2013 08:23

Goldau SZ / Sargans SGPfadilager und Openair von Sturm verwüstet

Zelte wurden 30 Meter in die Luft geschleudert und zerstört – orkanähnliche Böen haben gestern ein Pfadilager und ein Openair dem Erdboden gleichgemacht. 100 Kinder mussten evakuiert werden.

von
Tanja Bircher

Die brutalen Windböen von Dienstagabend haben vielerorts grosse Schäden angerichtet. In Goldau SZ hat der Sturm, der sich von der Rigi rasant näherte, eine ganze Pfadi-Zeltstadt zerstört. «Es sah aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte», sagte Beat Diener, Chef des Gemeindeführungsstabs Arth, zum «Boten der Urschweiz». Der Lagerleiter der Adventjugend Schweiz, einer christlichen Pfadfinder-Organisation aus Zürich, sagte, er habe zwar laufend das Wetterradar beobachtet, die Heftigkeit des Unwetters aber unterschätzt.

Als die orkanähnlichen Böen um 19 Uhr das Lager erreichten, konnten sich die 100 Kinder im Alter zwischen 8 und 16 Jahren in eine nahegelegene Scheune retten. «Glücklicherweise campierten die Pfadfinder auf einem Bauernhof, so konnten die Kinder rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden», sagt Pfadi-Sprecher Herbert Bodenmann. Der Gemeindeführungsstab von Arth organisierte umgehend eine Notunterkunft und einen Extrabus, der die Teilnehmer ins Schulhaus Bifang nach Oberarth brachte.

Den Zelten hingegen war nicht mehr zu helfen. «Eines steht noch, alle anderen sind zerstört, verbogen und zerrissen», so Bodenmann. Er ist auf dem Weg nach Goldau, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen.

«Eine riesige Monsterböe zerstörte alles»

Auch in Sargans mussten gestern einige Zelte dem heftigen Wind überlassen werden. Die Vorbereitungen für das regionale Openair «Out in the Gurin» wurden von einer Sekunde auf die andere unterbrochen: «Wir waren mit den Aufbauarbeiten beschäftigt, als eine Monsterböe kam und die Zelte in die Luft riss», sagt OK-Mitglied Maria Teofani. Nur die Hauptbühne stehe noch, drei Zelte, ein Pavillon und die neue Jubiläumsbar seien komplett zerstört worden. «Die Second Stage wurde 30 Meter in die Luft geschleudert, das war unglaublich – da sind Stahlträger drin.»

Das OK habe von den Unwettern gewusst und deswegen grössten Wert auf Sicherheit gelegt, zusätzliche Verankerungen im Vorfeld angebracht und mit einen Meter langen Nägeln die Zelte befestigt. «Die Böe hat sie innerhalb von wenigen Sekunden aus dem Boden gerissen.» In der Föhn-Region sei zwar mit heftigem Wind zu rechnen, aber so etwas habe man in der 10-jährigen Geschichte des Openairs noch nie erlebt.

Glücklicherweise sei niemand ernsthaft verletzt worden, nur ein Mann wurde von der durch die Luft wirbelnden zweiten Bühne gestreift. «Jetzt legen wir erst richtig los», habe der Chef des OKs erklärt. Die zerstörten Zelte werden vom Zeltbauer gratis nachgeliefert. «Wir versuchen unser Bestes, damit bis zum Freitag alles bereit ist», so Teofani. Das Openair dauert bis Sonntag.

Boote, Bäume und ein Brand

Bei der Kantonspolizei Schwyz gingen laut der Nachrichtenagentur SDA am Dienstagabend zwischen 18.30 und 21.15 Uhr drei Dutzend Notrufe vor allem wegen losgerissener Boote, umgestürzter Bäume und herumfliegender Gegenstände ein. Menschen oder Tiere seien keine verletzt worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. In Gross fing zudem ein kleines Stallgebäude nach einem Blitzschlag nach 19 Uhr Feuer. Die Feuerwehr Einsiedeln konnte das Gebäude jedoch nicht mehr retten. Es brannte vollständig ab.

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