Kirchgemeinde Tobel TG: Pfarrer abgetreten – «Er war ein kleiner König und machte, was er wollte»

Aktualisiert

Kirchgemeinde Tobel TGPfarrer abgetreten – «Er war ein kleiner König und machte, was er wollte»

Der Pfarrer der Katholischen Kirche in Tobel wurde abgewählt, dachte aber nicht daran zu gehen. Nach Monaten der Streitigkeiten hat er nun doch seine Demission eingereicht. 

von
Ammar Jusufi
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Der Pfarrer der Kirchgemeinde Tobel TG, Leo Schenker, wurde aufgrund der neuen Verordnung der Thurgauer Kirchgemeinden abgewählt.

Der Pfarrer der Kirchgemeinde Tobel TG, Leo Schenker, wurde aufgrund der neuen Verordnung der Thurgauer Kirchgemeinden abgewählt.

Privat
Schenker zeigte keine Einsicht und bezog sich auf das kanonische Weltkirchenrecht CIC, wonach er zwar durch die Wahlen mit einer Lohnkürzung, aber nicht mit einer Freistellung einverstanden war.

Schenker zeigte keine Einsicht und bezog sich auf das kanonische Weltkirchenrecht CIC, wonach er zwar durch die Wahlen mit einer Lohnkürzung, aber nicht mit einer Freistellung einverstanden war.

20min/ Marion Alder
Letztlich hat der Pfarrer seine kirchenrechtliche Demission bei Bischof Gmür eingereicht, aber den Kirchenpräsidenten dennoch enttäuscht.

Letztlich hat der Pfarrer seine kirchenrechtliche Demission bei Bischof Gmür eingereicht, aber den Kirchenpräsidenten dennoch enttäuscht.

20min/ Marion Alder

Darum gehts

  • Seit dem ersten Januar müssen sich leitende Personen in Thurgauer Kirchgemeinden alle vier Jahre zur Wiederwahl aufstellen.

  • Der Pfarrer Leo Schenker konnte das absolute Mehr nicht erreichen und musste somit sein Amt ablegen.

  • Das hat der 55-jährige Pfarrer nicht eingesehen und wehrte sich zuerst mit Bezug auf das kanonische Weltkirchenrecht CIC.

  • Nun hat er sich doch entschieden, seine Demission kirchenrechtlich einzureichen, verlässt die Kirchgemeinde aber ohne Einsicht und begleitet von Spannungen.

  • Während der Kirchenpräsident enttäuscht ist, zeigt Pfarrer Marcel Ruepp Mitgefühl. 

Seit dem ersten Januar dieses Jahres gilt in verschiedenen Thurgauer Kirchgemeinden eine neue Verordnung: Leitende Personen müssen sich alle vier Jahre zur Wiederwahl aufstellen, darunter auch der Pfarrer. In der Kirchgemeinde Tobel TG sorgte das für Spannungen. Pfarrer Leo Schenker konnte das absolute Mehr nicht erreichen und war somit gezwungen, sein Amt als Pfarrer niederzulegen. Der 58-Jährige war mit diesem Entscheid jedoch nicht einverstanden und bezog sich auf das kanonische Weltkirchenrecht CIC.

Der Leiter der Kommunikation der Katholischen Landeskirche, Manuel Bilgeri, sagte im Februar gegenüber 20 Minuten, dass die Situation «durchaus kompliziert» sei. «Wir werden nun Gespräche suchen und hoffen, dass eine Lösung gefunden werden kann, ohne dass es Streitigkeiten gibt», so Bilgeri. Nun scheint diese Lösung gefunden worden zu sein: Pfarrer Leo Schenker hat seine Demission doch noch eingereicht – aber nicht ohne Streitigkeiten. 

«Ich bin jetzt sein Feind»

«Er spricht nicht mehr mit mir, hat den Kontakt abgebrochen, ich bin jetzt sein Feind, obwohl ja nicht ich ihn abgewählt habe», sagt Norbert Weber, der Kirchenpräsident nun zu der «Wiler Zeitung» (Bezahlartikel). Schenker habe verlangt, dass das Resultat der Wahlen zwar einen Einfluss im Lohnbereich haben solle, jedoch nicht dazu führen könne, dass er sein Amt ablegen müsse. 

Die katholische Kirchgemeinde bestätigt im aktuellsten Mitteilungsblatt aus Braunau, dass Schenker bei Bischof Felix Gmür vom Bistum Basel kirchenrechtlich seine Demission per 31. Juli eingereicht habe. Damit verliert der 58- jährige Pfarrer seine Stelle und muss aus dem Pfarrhaus an der Erikonerstrasse ausziehen. Doch was wäre passiert, wenn Schenker stur geblieben wäre? «Im schlimmsten Fall hätten wir ihm ein Hausverbot gegeben und es polizeilich durchgesetzt», meint Kirchenpräsident Weber. 

Kirchenpräsident ist enttäuscht

So weit kam es dann nicht. Dennoch: Der Kirchenpräsident ist von der ganzen Situation und Schenkers Verhalten enttäuscht. Die Kirchgemeinde wollte am kommenden Sonntag für Schenkers letzten Gottesdienst einen offiziellen Abschied vorbereiten, was der ehemalige Pfarrer jedoch strikt abgelehnt habe. Schenker zeige bis heute noch keine Einsicht und sei stets von sich überzeugt. Für 20 Minuten war Leo Schenker am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ab dem 1. August übernimmt der Pastoralraum Nollen Lauchetal Thur die interimistische Leitung der Pfarrei Tobel. Bischof Gmür hatte schon länger den Wunsch, Tobel in einen grösseren Pastoralraum zu integrieren. Dies war in den letzten Jahren nicht möglich – wegen Pfarrer Schenker. «Leo Schenker sagte immer: ‹Der Bischof ist nicht mein Chef. Aber der Bischof wohnt in Solothurn und ist weit weg. Wir schauen hier in Tobel selbst.› Er war ein kleiner König und machte, was er wollte», sagt Norbert Weber. 

Nachfolger zeigt Mitgefühl

Der Pfarrer Marcel Ruepp übernimmt nun die fachliche und operative Führung der Tobler Angestellten. Bei ihm stösst die Geschichte Schenkers auf Mitgefühl. Ruepp spricht gegenüber der «Wiler Zeitung» von einem «lieben, lustigen und grosszügigen Menschen, der auch seine Anhänger hat, aber im Ton nicht überall gut verstanden wurde». 

«Es ist nicht mehr zeitgemäss, dass ein Pfarrer die ganze Verantwortung trägt, sondern das Team von Seelsorgerinnen und Sekretariatsmitarbeiterinnen wird dabei einbezogen», so Ruepp. Er will von einer gespaltenen Kirchgemeinde Tobel nichts mehr wissen, denn in Zukunft gehe es nur gemeinsam. 

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