Aktualisiert 04.06.2015 10:59

Bischof muss eingreifen

Pfarrer mit Fluch belegt – weil er Schwule segnete

Ein moderner Pfarrer hat in einer badischen Gemeinde für einen Eklat gesorgt. Der Landesbischof musste den Fluch wieder aufheben.

Hat die Gemeinde voll hinter sich: Pfarrer Ulrich Kriesel.

Hat die Gemeinde voll hinter sich: Pfarrer Ulrich Kriesel.

Aufruhr in Langenalb bei Pforzheim: Weil Ulrich Kriesel ein schwules Paar nach dessen standesamtlichen Trauung öffentlich gesegnet hatte, meldeten sich sofort Kritiker der Aktion zu Wort. Sie sahen in der Aktion des Gemeindepfarrers einen «Verstoß gegen die kirchliche Ordnung».

Kurz darauf bekam der 71-Jährige Post von einem ortsansässigen Hausbibelkreis. In dem Brief wurde er aufgeforderte, sich zu erklären. Dazu kam es aber gar nicht. Am Telefon musste sich Kriesel beschimpfen lassen. «Gott hat dich verflucht!», rief ein erbostes Bibelkreis-Mitglied in den Hörer.

Ein Schock für den Pfarrer. «Mich hat das alles sehr bewegt», sagt Kriesel mit bewegter Stimme zu 20 Minuten. Auch Tage nach dem Telefonat hat Kriesel das Gespräch noch nicht verarbeitet.

Bischof musste Fluch wieder aufheben

Um sicher zu gehen, ob er noch Gottesdienste abhalten dürfe, brachte Kriesel die Angelegenheit sogar vor den Landesbischof. Dessen Stellvertreter konnte Kriesel beruhigen und hob den Fluch offiziell wieder auf.

Was Kriesel getan hatte, sei vollkommen richtig gewesen, hieß es. Auch seine Gemeinde erklärte sich solidarisch mit ihrem Pfarrer. Immerhin begrüße sie auch die Vereinigung vom örtlichen Bürgermeister und dessen Partner, die Kriesel um die Segnung gebeten hatten.

Schon immer ein politischer Prediger

Warum ihn der Gefühlsausbruch des Bibelkreis-Mitglieds derart erschüttert hat, erklärt Kriesel mit seinem derzeitigen Lebenssituation. «Ich bin vor Kurzem an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und weiß nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt. Und ich will nicht als verfluchter Mensch vor Gott stehen, wenn es soweit ist.»

Für Kriesel ist es nicht das erste Mal, dass seine Haltung ihn in Schwierigkeiten gebracht hat. 1981 wurde er aus der DDR ausgewiesen. «Ich war halt schon immer ein politischer Prediger.»

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