Eifersucht als Motiv?: Pfarrerin soll Kollegin mit Briefen bedroht haben
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Eifersucht als Motiv?Pfarrerin soll Kollegin mit Briefen bedroht haben

Gegen eine reformierte Pfarrerin von Fällanden ZH wurde Anzeige eingereicht. Sie soll ihre Kollegin mit wüsten Stalking-Briefen belästigt haben.

von
som
Eine Pfarrerin der reformierten Kirche Fällanden ist angezeigt wegen Drohung, versuchter Nötigung, Beschimpfung und übler Nachrede.

Eine Pfarrerin der reformierten Kirche Fällanden ist angezeigt wegen Drohung, versuchter Nötigung, Beschimpfung und übler Nachrede.

Kein Anbieter/Gemeinde Fällanden

Die happigste Post erhielt die reformierte Pfarrerin Malinee Müller aus Fällanden gleich zu Beginn: Es war ein Brief zusammen mit einem Paket. Darin war ein Kettengürtel mit der schriftlichen Aufforderung an Müller: «Gehen Sie doch!» Bis jetzt soll sie etwa acht anonyme Briefe mit beleidigendem Inhalt erhalten haben – weitere Empfänger sind laut dem «Glatttaler» zwei Gemeindemitglieder, die Müller immer unterstützt haben.

Pfarrerin Müller fühlte sich bedroht und holte sich eine Anwältin, die den «hässlichen Inhalt» bestätigte und Anzeige erstattete. «Einer der Briefe ist mit Schreibfehlern gespickt, und trotzdem verbirgt sich dahinter ein intelligenter Geist – und vor allem jemand, der die Interna des Pfarrkonvents kennt», sagt Anwältin Heidi Affolter zur Zeitung. Nach aufwendigen Recherchen kam für die Opfervertreterin die Pfarrkollegin von Müller als Urheberin der Briefe in Frage. «Allenfalls ist eine weitere Person als Täter involviert.»

Drohung, versuchte Nötigung, Beschimpfung und üble Nachrede

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft – Pfarrerin Annemarie Pfiffner ist laut der Zeitung angezeigt wegen Drohung, versuchter Nötigung, Beschimpfung und übler Nachrede. Das Motiv könnte Eifersucht oder die Enttäuschung über Müllers Wahl sein, sagt ihre Anwältin Affolter: «Oder es handelt sich um eine sehr gespaltene, gestörte Persönlichkeit.»

Trotz der Anzeige ist eine Freistellung von Pfarrerin Pfiffner derzeit kein Thema, sagt Nicolas Mori, Sprecher des Kirchenrats: «Bis zum Abschluss des Strafverfahrens gilt für die Pfarrerin die ­ Unschuldsvermutung.» Zudem stehe das Strafverfahren nicht in Zusammenhang mit ihrer pfarramtlichen Tätigkeit. «Aufgrund von Mutmassungen ergreift der Kirchenrat keine Sanktionen», sagte er der Zeitung.

Konflikt hat eine lange Vorgeschichte

Laut dem «Glatttaler» hat der Konflikt eine lange Vorgeschichte. Anfang Jahr wollte Pfarrerin Müller trotz Aufforderung der Kirchenpflege ihre Arbeitszeit nicht erfassen. Der Kirchenpflegepräsident machte diesen Umstand im monatlichen Kirchenblatt öffentlich und soll damit ihre bevorstehende Wiederwahl gefährdet haben. Müller wurde trotzdem in ihrem Amt bestätigt – kurz darauf erhielt sie die anonymen Briefe.

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