Aktualisiert 24.05.2013 06:46

Wegen Attentat

Pfefferspray-Schutz für Moslems

Der Islamische Zentralrat der Schweiz warnt Muslime vor Übergriffen nach dem Attentat von London. Wer traditionelle muslimische Kleidung trage, solle sich mit einem Pfefferspray schützen.

von
lüs

Die Warnung des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS) ging am frühen Donnerstagmorgen per SMS und E-Mail an 3000 Personen: Darin ruft der IZRS Muslime in der Schweiz zu «erhöhter Wachsamkeit» auf: Wegen der offenbar von Islamisten verübten Bluttat von London, bei der ein Soldat auf offener Strasse geköpft worden ist, sei auch in der Schweiz mit einer Zunahme von Übergriffen zu rechnen. Solche hat es in England schon kurz nach dem Bekanntwerden des Attentats gegeben.

Der IZRS gibt Muslimen auch eine Empfehlung, wie sie sich schützen können: Verschleierte muslimische Frauen, traditionell gekleidete Männer und Imame würden mit Vorteil einen Pfefferspray auf sich tragen. Dies sei ein legales Mittel zur Selbstverteidigung. «Denn die Erfahrung zeigt, dass Passanten bei antiislamischen Übergriffen selten helfend eingreifen, und gerade Musliminnen, die oft mit Kindern und Kinderwagen unterwegs sind, haben Mühe, sich zu wehren», sagt IZRS-Sprecher Qaasim Illi zu 20 Minuten.

Auch in der Schweiz komme es immer wieder zu - meist verbalen - Angriffen, von denen meist verschleierte Musliminnen betroffen seien. Zudem verweist Illi auf einen Vorfall, der sich in der Nacht auf den 18. Mai in Winterthur ereignete: Unbekannte hatten versucht, das Minarett der dortigen Moschee zu zerstören und rissen den auf dem Minarett befestigten Halbmond ab. «Dies zeigt, dass es auch in der Schweiz antimuslimische Aktivitäten gibt.»

IZRS befürchtet ähnliche Wirkung wie bei Ermordung von Theo van Gogh

Wegen der durch das Attentat von London aufgeheizten Stimmung wachse auch hier die Gefahr, dass es zu weiteren solchen Vorfällen und Attacken auf erkennbar muslimische Einzelpersonen komme. Die Wirkung des jüngsten Vorfalls sei für den IZRS vergleichbar mit dem Attentat auf den niederländischen Regisseur Theo van Gogh, dem 2004 mitten in Amsterdam ein Islamist die Kehle durchschnitt, so Illi.

Das Attentat von London verurteile der IZRS, stellt Illi klar -«darin schliessen wir uns der Stellungnahme des britischen Muslimrats an».

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