Nach Zertifikats-Panne – Pfeifen die Behörden Antikörper-Tests von Zürcher Start-up zurück?
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Nach Zertifikats-PannePfeifen die Behörden Antikörper-Tests von Zürcher Start-up zurück?

Chaos bei den Antikörper-Zertifikaten: Obwohl sie seit Dienstag möglich sein sollten, wurde noch kein einziges ausgestellt. Tests für zu Hause wurden schon zu Hunderten verkauft – sind aber womöglich gar nicht legal.

von
Christina Pirskanen
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Seit Dienstag dürfen Personen mit einem positiven Antikörpertest ein Zertifikat erhalten.

Seit Dienstag dürfen Personen mit einem positiven Antikörpertest ein Zertifikat erhalten.

20min/Marco Zangger
Am Donnerstag wurde bekannt, dass das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) die Ausstellung der Antikörper-Zertifikate bereits am Dienstag wieder einstellte.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) die Ausstellung der Antikörper-Zertifikate bereits am Dienstag wieder einstellte.

20min/Simon Glauser
Grund dafür sei eine mögliche Fehlerquelle bei der Ausstellung der Zertifikate. Somit ist noch kein einziges Zertifikat auf Basis eines positiven Antikörpertests ausgestellt worden.

Grund dafür sei eine mögliche Fehlerquelle bei der Ausstellung der Zertifikate. Somit ist noch kein einziges Zertifikat auf Basis eines positiven Antikörpertests ausgestellt worden.

URS JAUDAS

Darum gehts

  • Seit Dienstag kann auf Basis eines positiven Antikörpertests ein Zertifikat ausgestellt werden.

  • Am Donnerstag wurde bekannt, dass aufgrund einer möglichen Fehlerquelle die Ausstellung der Zertifikate noch am Dienstag gestoppt wurde.

  • Währenddessen prüft die Gesundheitsdirektion Zürich die neuen Antikörpertests für zuhause, welche von einem Zürcher Start-up angeboten werden.

  • Gemäss BAG und Covid-19-Verordnung könnte dieses Angebot illegal sein.

Seit Dienstag ist das neue Covid-Zertifikat auf Basis von positiven Antikörpertests zugelassen. Das Interesse daran war gross, die Termine in Apotheken für Antikörpertests wurden rege genutzt. Am Donnerstagmorgen wurde aber bekannt, dass das Bundesamt für Information und Telekommunikation (BIT) die Ausstellung von Antikörper-Zertifikaten kurz nach Inbetriebnahme am Dienstag aufgrund eines technischen Fehlers bereits wieder einstellen musste.

Für die Labors ist das äusserst mühsam: «Es führt zu einer massiven Überlastung der Telefonie und unzähliger Anfragen unserer Kunden per E-Mail», sagt Dr. Karin Lemuth, Leiterin Qualitätsmanagement bei medica Medizinische Laboratorien Dr. F. Kaeppeli AG. Ähnlich klingt es von Patricia Mehlfeld, Geschäftsleiterin des Labors Analytica: «Die Auswirkungen sind, dass wir sehr unzufriedene Bürger und Bürgerinnen haben, die gerne das Antikörpertest-Zertifikat hätten.»

Tests für zu Hause wohl illegal

Ebenfalls im Geschäft mit Antikörper-Tests mitmischen will das Zürcher Start-up «Health Yourself» – mit Tests, die zu Hause durchgeführt werden. Um zu überprüfen, dass niemand betrügt, filmen sich die Kunden zu Hause bei der Blutentnahme selbst. «Wir richten uns primär an Kunden, die keine Lust oder keine Zeit haben, in der Apotheke einen Test durchzuführen, und sind zuversichtlich, Missbrauch so verhindern zu können», sagt CEO Anna Rosenkanz gegenüber 20 Minuten.

Nun zeigt sich aber, dass das möglicherweise illegal ist. BAG-Mediensprecher Jonas Montani sagt auf Anfrage, dass die Antikörpertests primär für die Fachanwendung bestimmt seien und die Probenentnahme «gemäss den Instruktionen des Testherstellers erfolgen soll, damit ein korrekter Einsatz des Tests gesichert ist».

Montani weiter: «Unter Berücksichtigung der Covid-19-Verordnung ist eine Probenentnahme für die Antikörpertests zur Ausstellung eines Zertifikats nur in den in der Verordnung genannten und vom Kanton genehmigten Einrichtungen zulässig.» Somit sei «eine Blutentnahme durch die testende Person selbst auszuschliessen». Sprich: Mit der Aufforderung, Antikörpertests zu Hause durchführen zu lassen und das Blut dann einzuschicken, bewegt sich Health Yourself zumindest in einem Graubereich, möglicherweise ist das sogar illegal.

Zürcher Gesundheitsdirektion ist informiert

Vor einigen Monaten intervenierten die Behörden, als das Geschäft mit Covid-Tests für zu Hause lukrativ wurde. Das droht nun auch Health Yourself: «Wir leiten auffällige Fälle an die zuständigen Ämter und Behörden weiter», sagt Montani. Im Falle des Start-ups wäre das die Zürcher Gesundheitsdirektion. Dort heisst es auf Anfrage lediglich, man habe Kenntnis von den Antikörpertests für zu Hause. «Unsere Fachspezialisten arbeiten mit Hochdruck daran, den Fall zu beurteilen und das weitere Vorgehen festzulegen», sagt ein Sprecher.

Bei Health Yourself ist man sich offenbar bewusst, dass die relativ neue BAG-Verordnung Blutentnahmen nur im Labor oder von Fachpersonal vorsieht: «Wir sind dabei, uns proaktiv an das BAG zu wenden, um eine Lösung zu finden», sagt Health Yourself in einem Statement am Donnerstag. «Natürlich werden wir alles tun, um den Service für unsere Kunden zu erhalten und einen Beitrag zu leisten, stark ausgelastete Gesundheitsdienstleister wie Ärzte und Apotheken zu entlasten.» Es sei nun Zeit, zusammenzuarbeiten, um die Pandemie zu beenden, so das Zürcher Unternehmen. «Wir unterstützen die Intention der neuen Verordnung des BAG», so das Start-up. Deshalb sei auch die Validierung des korrekten Probenentnahmeprozesses für ihr Angebot zentral.

Labors machen Tests, BAG stellt Zertifikate aus

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation stellte am Dienstag die Funktionalität der Zertifikatsausstellung als Vorsichtsmassnahme ein, nachdem eine mögliche Fehlerquelle entdeckt wurde. Aufgrund der Verzögerung der Zertifikate auf Basis von Antikörpertests liefen am Donnerstag die Telefone der Laboratorien heiss. Dabei sind es nicht die Labore, welche die Zertifikate ausstellen, sondern das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Labore führen einzig die Tests durch. «Das positive Testergebnis wird vom Labor an das BAG mitgeteilt. Dieses erstellt das Zertifikat und gibt dieses zur Übermittlung an das Labor frei», erklärt Dr. Karin Lemuth, Leiterin Qualitätsmanagement bei medica Medizinische Laboratorien Dr. F. Kaeppeli AG.

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