Tierschutz: «Pferde gehören nicht mehr an die Fasnacht»

Aktualisiert

Tierschutz«Pferde gehören nicht mehr an die Fasnacht»

19 Chaisen verteilten an der Basler Fasnacht Süssigkeiten. Der Tierschutzbund Basel Regional fordert nun, dass die Kutschen an der Fasnacht verschwinden.

von
Matthias Kempf
Geht es nach dem Tierschutzbund Basel Regional, wird es an der kommenden Fasnacht keine Chaisen mehr geben.

Geht es nach dem Tierschutzbund Basel Regional, wird es an der kommenden Fasnacht keine Chaisen mehr geben.

Keystone/Georgios Kefalas

«Pferde gehören einfach nicht mehr an die Fasnacht», sagt Nadja Wüthrich, Präsidentin vom Tierschutzbund Basel Regional. «Wir müssen uns von dieser Tradition verabschieden, weil die Fasnacht für die Pferde extrem stressig ist.» Die Tiere ziehen während der Basler Fasnacht die Kutschen, im Volksmund Chaisen genannt. «Pferde sind Fluchttiere und lärmempfindlich. Der Cortège ist eine Qual für sie», so Wüthrich. Ausserdem würden viele Tiere zuvor mit Beruhigungsmitteln sediert.

Während und nach der Fasnacht habe sie viele Meldungen von besorgten Bürger erhalten, die den Tierschutzbund zum Handeln aufforderten. «Wir haben das Thema Pferde an der Fasnacht seit zwei Jahren auf dem Schirm, aber jetzt muss etwas getan werden.» Wüthrich habe selbst gesehen, wie ein Chaisen die ganze Zeit über hinter einer lauten Guggenmusik gelaufen sei. «Das macht mich wütend.»

Kein Interesse, den Pferden zu schaden

Auf Seiten der Chaisen reagiert man überrascht ob der Forderungen des Tierschutzbundes. «Wir haben vor über 20 Jahren die IG Chaisen gegründet und haben mit dem Tierschutzbund und dem Kantonstierarzt Abmachungen getroffen», sagt Lothar Hollenstein, IG Chaisen-Gründungspräsident und Mitglied der Chaisen-Clique D Breesmeli. Damals habe man Bestimmungen für die Nutzung von Pferden an der Fasnacht definiert. Zum Beispiel, dass immer eine erfahrene Begleitperson dabei sein oder dass Abstand zu anderen Einheiten gehalten werden muss.

Dass der Tierschutzbund nun die Chaisen abschaffen wolle, ist für ihn unverständlich. «Wir sind alles erfahrende Pferdehalter und haben nicht das geringste Interesse daran, den Tieren Schaden zuzufügen», sagt Hollenstein. Seine Clique musste auch schon auf eine Fasnacht verzichten, da eines der Tiere nicht 100 Prozent fit war. Das Argument der Lärmempfindlichkeit hält Hollenstein für übertrieben. «Der Lärm macht das Pferd nicht wirklich nervös.» Ein Problem seien aber die Pauken der Guggenmusik. «Die meisten sind sich dessen bewusst und pauken weniger stark, wenn wir vorbeigehen.»

Veterinäramt sieht keinen Handlungsbedarf

Wüthrich hat noch nicht mit den Verantwortlichen Chaisen-Cliquen gesprochen, will dies aber noch tun. «Vielleicht können wir eine Einigung treffen.» Sie könnte sich vorstellen, dass zum Beispiel ein Kantonstierarzt vor dem Cortège alle Tiere untersucht und sein Okay gibt. Dazu sieht man beim Basler Veterinäramt aber keinen Anlass. «Ich bin der Meinung, dass die aktuellen Bestimmungen ausreichen», sagt Kantonstierarzt Michel Laszlo. «Wir haben keine Kenntnisse über Missstände an der Fasnacht.»

Die Tiere würden oft im Vorfeld an die Fasnachtsmusik gewöhnt. «Meistens werden nur erfahrene Pferde eingesetzt, die bereits an das Prozedere gewöhnt sind.» Das Veterinäramt wolle nun aber das Gespräch mit dem Tierschutzbund suchen, um mögliche Anpassungen zu diskutieren. «Eine Abschaffung der Chaisen ist aber nicht der Sinn», so Laszlo.

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