Impfstoff-Preise: Pfizer/Biontech verlangte zuerst fast 20 Mal mehr als die Konkurrenz
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Impfstoff-PreisePfizer/Biontech verlangte zuerst fast 20 Mal mehr als die Konkurrenz

Aus einem internen Dokument wird ersichtlich, zu welchem Preis der Hersteller Pfizer/Biontech seinen Impfstoff zunächst der EU anbieten wollte: umgerechnet 58,50 Franken pro Dosis. Ein «unseriöser Preis», sagen Experten.

von
Reto Heimann
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Pfizer/Biontech wollte zunächst fast 60 Franken pro Impfdosis.

Pfizer/Biontech wollte zunächst fast 60 Franken pro Impfdosis.

20min/Taddeo Cerletti
Das geht aus einer Vertragsofferte an die EU aus dem Juni 2020 hervor.

Das geht aus einer Vertragsofferte an die EU aus dem Juni 2020 hervor.

REUTERS
«Ein unseriöser Preis», sagen Experten.

«Ein unseriöser Preis», sagen Experten.

sac

Darum gehts

  • Die Verhandlungen zwischen der EU und dem Impfstoffhersteller Pfizer/Biontech zogen sich über Monate hin.

  • In einer ersten Offerte aus dem Juni 2020 verlangte Pfizer/Biontech umgerechnet 58,50 Franken pro Impfdosis.

  • Der tatsächlich vereinbarte Preis soll nun deutlich tiefer liegen.

Die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Impfstoffhersteller Pfizer/Biontech um die Lieferung von Impfstoff zogen sich letztes Jahr in die Länge. Nun zeigt ein internes Dokument, das der «Süddeutschen Zeitung» vorliegt: Pfizer/Biontech bot der EU den Impfstoff für umgerechnet 58,50 Franken an – pro Dosis.

Gemäss Informationen der «Süddeutschen Zeitung» verlangte Pfizer/Biontech damit einen 20 Mal höheren Preis als etwa die Konkurrentin Astrazeneca. Dementsprechend sagt der Vorsitzende der Deutschen Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft Wolf Dieter Ludwig: «Ich halte den Preis für unseriös. Ich sehe darin ein Profitstreben, das in der jetzigen Situation der Pandemie in keiner Weise gerechtfertigt ist.»

Pfizer/Biontech verteidigte in der Offerte von Juni den Preis. Er richte sich nicht nur nach den Kosten, die für Forschung und Entwicklung ausgegeben wurden, sondern auch danach, welchen medizinischen Nutzen die Impfung verspreche. In einer Pandemie, die die EU alleine 3,8 Milliarden pro Tag koste, sei dieser Nutzen sehr gross, so Pfizer/Biontech.

Pfizer/Biontech sprach in der Offerte davon, dass das Angebot an die EU ein grosszügiges sei und «den höchsten prozentualen Rabatt» enthalte, der je einem Industrieland angeboten worden sei. Würde man die Abermilliarden, die die Pandemie an Schäden verursache, in ein «traditionelles Kosten-Wirksamkeits-Modell» übertragen, komme man auf einen Preis für eine Dosis Impfstoff, der «unangemessen wäre während einer globalen Pandemie», soll es in der Vertragsofferte vom Juni heissen.

Der Vorstandsvorsitzende von Pfizer/Biontech Ugur Sahin sagte Mitte 2020: Kein Pharmaunternehmen werde sich mit dem Impfstoff «eine goldene Nase» verdienen. Der genaue Inhalt des Vertrags, den die EU schliesslich im November mit Pfizer/Biontech abschloss, ist geheim. Insidern zufolge beläuft sich der Preis pro Dosis nun auf knapp 17 Franken pro Dosis.

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