Studie zeigt: Pflanzengift Trifluoracetat kommt verbreitet in Schweizer Trinkwasser vor
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Studie zeigtPflanzengift Trifluoracetat kommt verbreitet in Schweizer Trinkwasser vor

Eine «SRF»-Reportage deckt flächendeckendes Vorkommen von Trifluoracetat im Schweizer Wasser auf. Obwohl der Stoff toxisch ist, gibt es bislang keinen gesetzlichen Höchstwert.

von
Dominik Fischer
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In allen Schweizer Wasserproben lässt sich Trifluoracetat (TFA) nachweisen. Hier sprüht ein Helikopter Fungizide über Weinreben in Martigny (VS), 2012.

In allen Schweizer Wasserproben lässt sich Trifluoracetat (TFA) nachweisen. Hier sprüht ein Helikopter Fungizide über Weinreben in Martigny (VS), 2012.

REUTERS
Das Pflanzengift kommt in Pestiziden, Medikamenten und Kältemitteln vor. 

Das Pflanzengift kommt in Pestiziden, Medikamenten und Kältemitteln vor. 

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Wenn die Pestizide im Boden versickern, gelangt TFA ins Grundwasser. Bild: Ein Bauer sprüht Pestizide auf sein Feld, Centreville, Maryland, USA, 25. April 2022.

Wenn die Pestizide im Boden versickern, gelangt TFA ins Grundwasser. Bild: Ein Bauer sprüht Pestizide auf sein Feld, Centreville, Maryland, USA, 25. April 2022.

AFP

Darum gehts

  • Eine Untersuchung des «SRF» wies das Pflanzengift Trifluoracetat (TFA) flächendeckend im Schweizer Trinkwasser nach. 

  • Auch im Mineralwasser ist der Giftstoff enthalten. 

  • Experten warnen: «TFA kann kaum herausgefiltert werden, sodass die Konzentrationen künftig nur noch zunehmen dürften.»

  • Dennoch gibt es in der Schweiz noch keinen gesetzlichen Höchstwert für TFA. 

Das Pflanzengift Trifluoracetat (TFA) wurde flächendeckend im Schweizer Trinkwasser nachgewiesen, wie das SRF am Dienstag bekanntgab. Das Umweltgift wird in unzähligen Produkten verwendet, beispielsweise in Pestiziden, Medikamenten und Kältemitteln, die beispielsweise in Klimaanlagen von Autos Verwendung finden.  

«Am Ende regnet es TFA vom Himmel»

TFA gelangt zum Beispiel ins Grundwasser, wenn Pestizide im Boden versickern. Die Kältemittel wiederum steigen in die Atmosphäre und werden dann durch das Sonnenlicht abgebaut, erklärt Karsten Nödler von Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe auf Anfrage des SRF. «Am Ende regnet es TFA vom Himmel», so Nödler.

Das SRF schickte Nödler und dem Technologiezentrum Wasser mehrere Proben zur Untersuchung. Darunter war das Wasser von zehn Trinkwasserhähnen aus Schweizer Gemeinden, ebenso wie die sieben meistverkauften Mineralwasser-Sorten. Nödlers Fazit: «Wir haben in allen Proben TFA nachweisen können.» Es seien Konzentrationen zwischen 0,08 und 1,5 Mikrogramm pro Liter gemessen worden. «Wer Wasser trinkt, trinkt TFA», schliesst der wissenschaftliche Mitarbeiter.

«TFA kann kaum herausgefiltert werden»

TFA gilt als leicht toxisch für Pflanzen. Eine laufende Studie zeige zudem, dass TFA bei sehr hohen Konzentrationen zu Missbildungen bei Kaninchen führt. Die Gesundheit von Menschen sei nach heutigem Wissen nicht gefährdet, Fachleute warnen jedoch, dass auch in der Vergangenheit immer wieder Risiken übersehen wurden. Zudem zeigen sich Wasser-Expertinnen und Experten besorgt: «TFA kann kaum herausgefiltert werden, sodass die Konzentrationen künftig nur noch zunehmen dürften.» Bei immer höheren Konzentrationen dürfte der Stoff auch für Menschen schädliche Folgen haben. 

Dennoch: Schweizer Behörden messen TFA-Konzentration bislang nicht, wie das SRF berichtet. So gebe es bislang keinen gesetzlichen Höchstwert. Auf Anfrage des SRF antwortet das Bundesamt für Umwelt in einer  Stellungnahme, es laufe derzeit eine erste Studie, je nach Ergebnissen würde die Situation neu evaluiert. Der Bund wartet also bei dem TFA-Problem noch ab. 

Andernorts wird das «langlebige Pflanzengift» überwacht

In Deutschland hingegen gibt es bereits einen TFA Höchstwert. Auch die EU untersucht etliche Stoffe, die sich zu TFA abbauen. Somit ist denkbar, dass die EU TFA-Stoffe in Zukunft stärker regulieren oder verbieten könnte, spekuliert das SRF. Warum nicht die Schweiz? Bereits vor über 20 Jahren habe das Wasserforschungsinstitut Eawag dem Bund empfohlen, das «langlebige Pflanzengift» TFA zu überwachen. 
Einzig in der Luft wird die TFA-Konzentration von der Forschungsanstalt Empa seit einigen Jahren gemessen, berichtet das SRF. Der Kassensturz vom Dienstag um 21.05 wird sich ebenfalls mit dem Thema «TFA im Trinkwasser» befassen. 

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