Pflanzenseuche wütet so schlimm wie noch nie
Aktualisiert

Pflanzenseuche wütet so schlimm wie noch nie

Der Feuerbrand hat bisher Kernobstbäume in 495 Schweizer Gemeinden befallen. Das sind 130 mehr als im bisher schlimmsten Jahr 2000. Damit wird die Pflanzenseuche Kosten von über 20 Millionen Franken verursachen.

Der Höhepunkt dürfte laut der Forschungsanstalt Agroscope bald erreicht sein. In der Deutschschweiz hat seit Anfang Jahr nur der Kanton Obwalden noch keinen Feuerbrandfall gemeldet, wie Edi Holliger, Projektleiter Feuerbrand bei Agroscope Changins-Wädenswil am Dienstag auf Anfrage sagte. Als letzter Kanton kam vor kurzem Uri dazu, wo das gefährliche Bakterium in der Gemeinde Seelisberg bestätigt wurde. Uri hatte seit dem Auftauchen der meldepflichtigen Krankheit in der Schweiz im Jahr 1989 noch nie Feuerbrand gemeldet.

Am meisten betroffen sind, wie berichtet, die Ostschweiz mit St. Gallen und Thurgau sowie der Kanton Luzern, wo ebenfalls tausende Bäume gerodet werden mussten. Aus der Westschweiz gingen bisher nur wenige Meldungen ein. Ein Fall bei Zierpflanzen stammt laut Holliger aus dem Val de Bagnes im Wallis. Im Rhonetal wurde bisher noch nie Feuerbrand in einer Obstanlage gemeldet. Laut Holliger hat sich die Lage im Vergleich zu früheren Jahren insofern verändert, als dass die Krankheit zunehmend auch in Lagen über 800 Metern Höhe anzutreffen ist.

Laut Holliger wird 2007 als schlimmstes Feuerband-Jahr in die Geschichte eingehen. Bisher seien 495 Gemeinden vor allem in der Deutschschweiz betroffen. 365 waren es im Spitzenjahr 2000. «Bereits mussten 95 Hektaren vernichtet werden, das entspricht 200.000 bis 300.000 Niederstamm-Bäumen», sagte der Experte. Aber auch zehntausende von Kernobst-Hochstammbäume seien befallen. Ein Grossteil werde wohl in den Befallzonen zurückgeschnitten.

Von den rund 140.000 Kernobst-Hochstammbäumen im Kanton Zürich beispielsweise sind gut 3.500 befallen, wie die Zürcher Behörden am Dienstag bilanzierten. Die meisten seien aber nur leicht betroffen, so dass sie nicht gerodet werden müssten. Dazu kämen 25 oft nur sehr schwach befallene Niederstammkulturen. Laut Holliger dürften sich die Schäden samt Bekämpfungsmassnahmen in diesem Jahr auf landesweit über 20 Millionen Franken belaufen.

Die Westschweiz habe bereits in den vergangenen Jahren nur eine geringe Anzahl von Gemeinden mit befallenen Pflanzen gezeigt, erklärte Holliger zum regionalen Unterschied. Gründe seien die viel geringere Hochstammdichte, aber auch die der Befallsituation angepassten Kontrollen. Von den bisher landesweit eingegangenen 4.100 Proben stammen bisher weniger als 100 aus der Romandie. Es sei aber damit zu rechnen, dass auch dort weitere Fälle auftauchten, primär bei Ziergewächsen und Wildgehölzen wie Weissdorn.

Privatpersonen rief Holliger dazu auf, bei einem Befallsverdacht an Kernobstbäumen und Ziergewächsen die Gemeindeverwaltung einzuschalten. Keinesfalls sollten Zweige und Blätter berührt und zur Kontrolle ins Gartenzentrum getragen werden. Damit werde die hochansteckende Krankheit direkt verbreitet. (dapd)

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