Aktualisiert 06.02.2008 15:53

Pflegekind bei Prostituierten: Lügt der Gemeinderat?

In der Aargauer Gemeinde Reinach wurde ein Pflegekind zweimal bei Sexworkerinnen untergebracht. Jetzt behauptet der Gemeinderat, nichts gewusst zu haben.

Es klingt wie die Handlung eines schlechten Films: Die fünfjährige Sonja aus Reinach im Aargau wird zwei Mal hintereinander bei Pflegemüttern untergebracht, die im Sexgewerbe tätig sind (20minuten.ch berichtete). Das Kind muss sich selbst das Essen zubereiten, wird vernachlässigt, während die Pflegemutter Herrenbesuch empfängt.

Erst beim dritten Anlauf wird das Mädchen in ein kindgerechtes Umfeld integriert. Sonjas heutige Pflegemutter Katrin Landolt nahm sich dem damals neunjährigen Mädchen an, kümmerte sich um das traumatisierte Kind.

Nun erhebt Landolt schwere Vowürfe: Wie die «Aargauer Zeitung» in der Ausgabe vom Mittwoch berichtet, ist der Reinacher Gemeinderat laut Landolt für die vorangegangenen Platzierungen und den damit verbundenen Traumata des Kindes verantwortlich.

Der Gemeinderat schiebt den «Schwarzen Peter» weiter an den leiblichen Vater von Sonja. Er soll die damals Fünfjährige aufgrund gesundheitlicher Probleme der Mutter in ene «ausserkantonale, ihm bekannte Familie gegeben haben». Das Platzieren von Sonja bei den Prostituierten weist der Gemeinderat strikt von sich. Man habe erst durch die Dreharbeiten des Schweizer Fernsehens am 8. November 2007 von dem Fall erfahren, erkärt Gemeindeammann Martin Heiz.

Katrin Landolt ist fest davon überzeugt, dass der Gemeinderat von Sonjas Fall bereits 1996 unterrichtet war. «Das ist gelogen», sagt sie.

Fakt ist, dass die Aufnahme der heute 16-jährigen Gymnasiastin enorme finanzielle Belastungen für die Familie Landolt mit sich brachte. «Wir haben den Gemeinderat oft um Hilfe gebeten und wurden immer abgewiesen. wir habem Jahrelang vergeblich um ein anständiges Pflegegeld gekämpft. Sie hat von der Gemeinde nie das bekommen, was ihr eigentlich zusteht - zum Beispiel Weihnachts-, Geburtstags- und Feriengeld», erzählt Landolt. Tatsächlich würden dem Mädchen 1300 Franken zustehen, sie bekommt jedoch nur etwas mehr als 800 Franken.

Der Gemeinderat Reinach will sich dem Fall annehmen.

(rre)

TV-Tipp:

Die «Rundschau» berichtet heute um 20:50 Uhr auf SF 1 wieder über den Pflegekindskandal von Reinach.

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